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Atomverhandlungen mit Iran : Vertrautes Miteinander

Vertraut: Der amerikanische und der iranische Außenminister John Kerry (links) und und Dschawad Zarif Bild: AFP

Der amerikanische und iranische Außenminister könnten Feinde sein. Doch Kerry und Zarif haben ein gutes Verhältnis aufgebaut. Schon vor Monaten sah man sie gemeinsam durch Genf spazieren. In den Verhandlungen hilft das nicht immer.

          Mitte Januar haben John Kerry und Dschawad Zarif miteinander einen Spaziergang in Genf unternommen. Schon da hatten sie in der Schweiz über das Nuklearprogramm verhandelt, wie sie es seit zwei Jahren tun. Aber das vertraute Miteinander des amerikanischen und des iranischen Außenministers hat viel Aufsehen erregt, insbesondere in iranischen Medien und in sozialen Netzwerken. Die Reaktionen waren überwiegend misstrauisch, durchaus beiderseits. Das Bild passt nicht zum seit Jahrzehnten gepflegten Feindbild.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Seit Kerry und Zarif einander im September 2013 zum ersten Mal begegnet sind, hatten sie fast monatlich Gelegenheit, eine Arbeitsbeziehung aufzubauen. Wenn nicht alles täuscht, ist daraus eine Vertrauensbeziehung geworden. Aber darüber reden die beiden so nicht. Die längste Zeit haben sie es auch vermieden, ein Bild der Zweisamkeit abzugeben. Die längste Zeit war es üblich, dass in den Atomverhandlungen mindestens auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton dabeisaß, als Anstandsdame sozusagen. Mit dem Wechsel von Ashton zu Federica Mogherini hat sich das geändert, wie der öffentliche Spaziergang von Genf zeigte.

          Nicht allein am Tisch: Das vertraute Verhältnis zwischen John Kerry (links) und Dschawad Zarif (rechts) hilft bei den Verhandlungen im Palace Hotel in Lausanne nicht immer.

          Sprachliche Verständigungsschwierigkeiten haben Zarif und Kerry nicht. Zarif, 1960 geboren, hat noch vor der islamischen Revolution seine Heimatstadt Teheran in Richtung Amerika verlassen und studierte in San Francisco und Denver internationale Beziehungen und Recht. Zugleich diente der junge Mann seinem Land in der UN-Vertretung in New York, an die er 2002 als Botschafter zurückkehren sollte. Schon damals, als der Atomstreit begann, war er mit diesem Thema befasst. Seine Berufung zum Außenminister unter Präsident Hassan Rohani 2013 brachte schlagartig einen anderen Ton und einen pragmatischen, ergebnisorientierten Ansatz in die Atomgespräche, aber, wie sich zeigen sollte, keineswegs eine größere Nachgiebigkeit Irans auf den grundsätzlichen Linien.

          Der 17 Jahre ältere Kerry hatte keine sonderliche Vorerfahrung mit Iran, wohl aber mit dem Thema Aussöhnung. Im Vietnam-Krieg als Führer eines Patrouillenbootes mehrfach verwundet und hoch ausgezeichnet, klagte er später Kriegsverbrechen an und machte sich als Senator für einen Ausgleich mit dem einstigen Kriegsgegner stark. Der Welt bekannt wurde er als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, der 2004 knapp George W. Bush unterlag.

          Man möchte annehmen, dass es nicht an diesen beiden Protagonisten lag, dass derart zäh und in einer zunehmend verdrossen erscheinenden Stimmung um eine Übereinkunft gerungen wurde. Aber sie waren natürlich nicht zu zweit. Mal schoss der Franzose quer, mal die Russen und Chinesen. Und für den Amerikaner wie für den Iraner galt: Was immer dabei herauskommen sollte, würde an der kritischen Heimatfront präsentabel sein müssen.

          Die erbitterten Gegner eines Abkommens, die es auf beiden Seiten gibt, dürften zwar mit keinem denkbaren Abkommen von ihrer Gegnerschaft abzubringen sein. Aber man musste wenigstens versuchen, sie nicht durch eine angreifbare Verständigung auch noch zu stärken – also ein Ergebnis hinzubekommen, hinreichend unbestimmt, dass die Hardliner in Iran es nicht wegen zu großer Zugeständnisse zerreißen, und hinreichend konkret, dass im amerikanischen Kongress nicht zusätzliche Sanktionen beschlossen werden.

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