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Ansteckungsgefahr? : Ägypten macht die arabischen Staaten nervös

Proteste in Ägypten: Die Auswirkungen sind längst nicht mehr rein politisch. Auch die Wirtschaft ist betroffen Bild: dpa

Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich birgt die Situation am Nil erheblichen Sprengstoff. Jetzt werden auch die arabischen Staaten nervös. Doch wie groß ist die Gefahr des Übergreifens der wirtschaftlichen Probleme auf die Nachbarstaaten wirklich?

          Die arabischen Staaten und Investoren blicken nervös auf die Entwicklungen in Ägypten, fürchten vorläufig aber kein Übergreifen auf ihre Länder. Denn untereinander wickeln die arabischen Volkswirtschaften nur wenig Handel ab, und der Ölexport der golfarabischen Staaten geht überwiegend in das wachsende Asien. Die Währungen der Golfstaaten sind an den Dollar gekoppelt und damit ebenso stabil. Die größte Furcht ist, dass eine Sperrung des Suezkanals zu einem Rückgang des in Europa abgesetzten Erdöls führen könnte. Die Gefahren würden zunehmen, sollten die Proteste auf andere Länder wie Algerien, Jordanien oder Syrien übergreifen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ägyptens Staatspräsident Husni Mubarak hat die am Montag vorgestellte Regierung beauftragt, Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu bekämpfen. Voraussichtlich wird Ägypten den Anstieg der internationalen Lebensmittelpreise mit weiteren Subventionen ausgleichen. Analysten vermuten, dass der öffentliche Dienst wieder mehr Arbeitsplätze schaffen wird und dass die Privatisierung weiterer Staatsbetriebe eingefroren wird. Sie rechnen mit einer Abwertung des ägyptischen Pfunds, um den Export anzukurbeln. Das Defizit des Staatshaushalts überschreitet bereits 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In der neuen ägyptischen Regierung sind keine Reformer mehr vertreten. Ausgeschieden sind der bisherige Minister für Industrie und Handel, Rachid Muhammad Rachid, sowie der Minister für Finanzen, Yusuf Boutros Ghali.

          Das russische Ausfuhrverbot für Weizen trifft Ägypten besonders

          Ägypten trifft das russische Ausfuhrverbot für Weizen besonders stark, weil es von dort den größten Teil seines Weizens importiert hat. Durch die Umstellung auf neue Lieferanten rechnet die Regierung in Kairo mit höheren Subventionen von mindestens 500 Millionen Dollar, um den Brotpreis konstant zu halten. Auch andere Regierungen haben reagiert. Jordanien hofft, mit einem Paket zusätzlicher Subventionen von 550 Millionen Dollar einer für Freitag angesetzten Großkundgebung den Schwung zu nehmen. Im Jemen hat Staatspräsident Ali Abdullah Saleh die Gründung eines Fonds angeordnet, der jedes Jahr 25 Prozent der Absolventen der Hochschulen beschäftigen soll. Er nannte weder eine Größe des Fonds noch wie sie beschäftigt werden sollen.

          Nicht in Gefahr ist als Folge der Krise in Ägypten das robuste Wachstum der ölreichen Golfstaaten. Während die Kosten zur Versicherung der ägyptischen Auslandsschulden steigen, bleiben die Anleihenmärkte der Golfstaaten davon unberührt. Analysten führen den Rückgang der Börsen in der ganzen arabischen Welt auf die Liquidation von Positionen durch nichtarabische Investoren zurück. Händler erwarten, dass einheimische Investoren der Kursrückgang nutzen und kaufen werden. Allein Saudi-Arabien hätte bei den Währungsreserven ein Polster von 435 Milliarden Dollar, um die Währung zu stützen. Stabilisieren dürften die ägyptische Wirtschaft die Gastarbeiterüberweisungen aus Saudi-Arabien. Dort arbeiten etwa 1,4 Millionen Ägypter, die ihre Ersparnisse nach Hause überweisen.

          Viele golfarabische Unternehmen haben zwar in Ägypten investiert, sind aber wenig vom ägyptischen Markt abhängig. Von den ausländischen Direktinvestitionen in Ägypten von rund 50 Milliarden Dollar stammt lediglich ein Fünftel aus anderen arabischen Staaten. Davon steuern Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Hälfte bei, der Rest entfällt auf Saudi-Arabien, Kuweit und Qatar. Am stärksten ist vom ägyptischen Markt der saudische Nahrungsmittelhersteller Savola abhängig, der am Nil 12 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. Bei dem Molkereiunternehmen Marai sind es 2 Prozent. Die National Bank of Kuwait unterhält in Ägypten die Watani Bank of Egypt, und Etisalat aus den Emiraten hält 66 Prozent eines Mobilfunkbetreibers in Ägypten.

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