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Anschlag in Jerusalem : Netanjahu: Abbas hetzt Palästinenser auf

Spurensicherung am Anschlagsort Bild: dpa

Wieder hat ein Autofahrer in Jerusalem einen Anschlag verübt. Ein Passant und der Täter wurden getötet. Die Hamas spricht von einer „Heldentat“. Ministerpräsident Netanjahu macht Palästinenserführer Abbas mitverantwortlich.

          2 Min.

          Zum zweiten Mal in nur zwei Wochen ist in Jerusalem ein Anschlag auf Fahrgäste der Straßenbahn verübt worden. Obwohl die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Tagen massiv verstärkt hatte, raste am Mittag ein Palästinenser mit seinem weißen VW-Bus in eine Gruppe von Fahrgästen, die gerade an der Haltestelle unweit des arabischen Viertels Scheich Jarrah ausgestiegen waren. Danach fuhr der Mann mehrere hundert Meter weiter, bevor er sein Auto verließ und versuchte, mit einer Metallstange Passanten anzugreifen, wie die Polizei berichtete. Bei der Tat wurde ein israelischer Passant getötet. Polizisten, die zuvor den Wagen gestoppt hatten, erschossen den Fahrer.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Bei ihm handelt es sich laut Presseberichten um Ibrahim al Akari, einen Einwohner des Ostjerusalemer Stadtteils Schuafat. Demnach gehörte Akari der islamistischen Hamas-Organisation an. Ein Hamas-Sprecher in Gaza lobte den Angriff als eine „Heldentat“, die hoffentlich nicht die letzte sein werde.

          „Wir führen einen Kampf um Jerusalem“

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte die Palästinenserführung für den Anschlag mitverantwortlich. Die Tat sei das Ergebnis der „Aufhetzung“ durch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas „und seiner Partner bei der Hamas“, sagte Netanjahu am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung für den ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin. Rabin, der sich für den Frieden mit den Palästinensern einsetzte, war am 4. November 1995 von einem rechtsgerichteten jüdischen Fanatiker erschossen worden.

          „Wir führen einen Kampf um Jerusalem, und ich habe keine Zweifel, dass wir siegen werden“, sagte Netanjahu weiter. Es werde Zeit brauchen, die Ruhe in Jerusalem wiederherzustellen, aber es werde gelingen. Staatspräsident Reuven Rivlin sagte, Israel werde nicht aufhören, in Jerusalem zu bauen. Die Vereinigten Staaten und andere enge Verbündete Israels halten jedoch die Siedlungspolitik für eines der größten Hindernisse für einen Friedensschluss.

          Den Täter erschossen Polizisten Bilderstrecke

          Schon am Mittwochmorgen war es abermals zu Ausschreitungen auf dem Jerusalemer Tempelberg gekommen, bei denen Steine geworfen wurden. Die Polizei nahm mehrere Palästinenser fest. Ein Polizeisprecher sah jedoch keine Verbindung zu dem Vorfall an der Straßenbahn.

          Sorge vor einer dritten Intifada

          Eine Haltestelle weiter nördlich war vor zwei Wochen ein Palästinenser mit seinem Auto in eine Menschenmenge gefahren. Ein drei Monate altes Mädchen und eine junge Frau aus Ecuador wurden damals getötet; der Fahrer wurde erschossen. Beide Angriffe ereigneten sich an der wichtigsten Durchgangsstraße, die an der Grenze zwischen Ost- und Westjerusalem verläuft.

          Unweit der Kreuzung, an der Ibrahim al Akri am Mittwoch gestoppt wurde, hatte im August ein Palästinenser einen Israeli mit seinem Bagger überrollt, als er versuchte, einen Reisebus umzustürzen. Vor einer Woche überlebte in Westjerusalem der jüdische Tempelberg-Aktivist Jehuda Glick schwer verletzt den Mordanschlag eines Palästinensers. Daher wächst in Jerusalem die Sorge vor einer dritten Intifada.

          Bürgermeister Nir Barkat zeigte sich am Mittwoch unbeeindruckt. „Wir werden kämpfen und in diesem Terrorkrieg siegen“, sagte Barkat. Wirtschaftsminister Naftali Bennett warf dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas vor, mit hetzerischen Reden für den jüngsten Angriff verantwortlich zu sein. In Wirklichkeit sei Abbas am Mittwoch der Fahrer gewesen, sagte Bennett, „die Terroristen sind nur seine Gesandten“.

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