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Anhaltende Proteste : Ölgesellschaften ziehen Personal ab

Fleck in der Wüste: Das Camp der BASF-Tochter Wintershall Bild: dpa

Die großen Ölkonzerne verlassen Libyen. Wegen der Unruhen zieht sich auch Siemens aus dem Land zurück. Der Konzern organisiere derzeit die Ausreise der ausländischen Mitarbeiter, sagte ein Sprecher am Montag in München.

          Von den elf internationalen Ölgesellschaften, die in Libyen tätig sind, arbeiten vorerst lediglich zwei mit Normalbetrieb weiter. Eni aus Italien und Repsol aus Spanien gaben am Montag bekannt, dass sie ihre Produktion fortsetzen. Dagegen ziehen BP, Royal Dutch Shell, die deutsche RWE Dea, die österreichische OMV und die norwegische Statoil ihre entsandten Mitarbeiter ab. Sie sind alle lediglich in der Exploration tätig. Statoil hat zudem sein Büro geschlossen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Gleichzeitig haben auch mehrere deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter aus Libyen abgezogen, so etwa der Siemens-Konzern oder die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall. Auch die Produktion der acht Ölfelder, die Wintershall vor Ort mit dem libyschen Partner National Oil Corporation (NOC) betreibt, wird von den Massenprotesten beeinträchtigt. Insgesamt hat die Ausweitung der Gewalt in Libyen den Ölpreis am Montag auf mehr als 104 Dollar je Barrel getrieben.

          Libyen produziert 1,6 Millionen Barrel Rohöl am Tag, das sind 2 Prozent der weltweiten Ölförderung. Mehr als drei Viertel steuert dazu die staatliche National Oil Company (NOC) bei. Shukri Ghanem, der Chef der NOC, sagte am Montag, es lägen ihm keine Informationen über mögliche Förderrückgänge vor. Exportiert werden 1,1 Millionen Barrel. Größter ausländischer Produzent ist Eni. Das italienische Unternehmen fördert unverändert 244.000 Barrel Öläquivalent Erdgas und betreibt eine Gasleitung von Libyen nach Italien. Nach Angaben von Repsol ist auch dessen Produktion im Murzuq-Feld, wo es etwa 64.000 Barrel am Tag fördert, nicht gefährdet.

          Dagegen haben BP und Royal Dutch Shell ihre Explorationsarbeiten eingestellt und das Personal evakuiert. Davor hatte BP geplant, ein Viertel seiner weltweiten Ausgaben in Exploration in Libyen zu tätigen. OMV produziert in Libyen 40.000 Barrel am Tag und hat ebenfalls Mitarbeiter, die nicht dringend gebraucht werden, abgezogen. Statoil zieht sich aus den zwei Feldern Mabruk und Murzuq zurück, wo das norwegische Unternehmen mit Total und Repsol Rohöl fördert. Durch einen Streik libyscher Arbeiter ist im großen Feld Nafoora der NOC nach Angaben des Nachrichtensenders al Dschasira die Ölförderung vorerst eingestellt.

          Während die staatliche Ölgesellschaft NOC meist die Ölförderung übernimmt, liegt die Exploration neuer Felder überwiegend bei internationalen Ölgesellschaften. Libyen hat sie seit 2005 wieder am Ölgeschäft beteiligt, um seine Ölvorkommen besser zu nutzen. Das Land verfügt über 44 Milliarden Barrel an Ölreserven, das sind 3,2 Prozent aller bekannten Vorkommen. Libyen hält das die größten Ölvorkommen auf dem afrikanischen Kontinent. Ziel war, bis 2015 die Förderung auf 3 Millionen Barrel am Tag zu erhöhen und bis 2020 auf 3,5 Millionen Barrel. Vor Gaddafis Machtübernahme hatte Libyen 3 Millionen Barrel am Tag produziert. Danach wurde die Ölindustrie verstaatlicht.

          Während Saudi-Arabien von 2006 bis 2010 zur Erschließung von Ölfeldern und Verarbeitung des Erdöls Aufträge im Wert von 72 Milliarden Dollar vergeben hat und die Vereinigten Arabischen Emirate von 62 Milliarden Dollar, waren es in Libyen lediglich 2,5 Milliarden Dollar. Als Folge der undurchsichtigen Geschäftspraktiken und nachträglicher Korrekturen an bestehenden Verträgen hatten sich viele internationalen Ölgesellschaften, die nach der Aufhebung der Libyensanktionen 2003 ins Land gekommen waren, das Land wieder enttäuscht verlassen, beispielsweise Chevron aus den Vereinigten Staaten. Zeitweise hatte Libyen mit fast 50 Ölgesellschaften Explorationsverträge.

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