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Amr Musa : Weltgewandt

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Amr Musa, amtierender Generalsekretär der Arabischen Liga Bild: dpa

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Musa, ist ein weltgewandter Diplomat, den sich viele der Demonstranten in Kairo als neuen Führer Ägyptens vorstellen könnten. Musas Zeit könnte bald kommen.

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          Viele der Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz könnten sich ihn als den neuen Führer Ägyptens vorstellen, und Amr Musa selbst hat auch schon angekündigt, dass er zu einer Kandidatur für das Präsidentenamt im Herbst bereit sei. Husni Mubarak jedenfalls wird nicht mehr antreten. Es ist wohl vor allem seine jahrzehntelange Erfahrung in hohen ägyptischen wie internationalen Stellungen, die ihm einen akzeptablen Ruf auch bei Gegnern Mubaraks verschafft hat, obwohl sich seine Karriere im Rahmen ebendieses Regimes vollzog.

          Freilich ist er als aktueller Generalsekretär der Arabischen Liga ein Mann, der weit über die schmalen Uferstreifen des Niltals hinausschauen muss: Die Liga hat immerhin 22 Mitgliedsländer und dehnt sich von Marokko im Westen bis zum Irak und Oman im Osten, von Syrien im Norden bis nach Somalia im Süden. Zugute kommen könnte Musa auch, dass immer wieder kolportiert wird, Mubarak habe ihn seinerzeit als Chef der Liga favorisiert, um einen unbequemen Gegenredner loszuwerden. Erst unlängst traf sich Amr Musa mit den Mitgliedern jenes „Rats der Weisen“, den der koptische Unternehmer Naguib Sawiris aus Anlass der Unruhen ins Leben gerufen hat.

          Der soigniert wirkende Diplomat wurde am 3. Oktober 1936 geboren. Als Absolvent der Kairo-Universität in Rechtswissenschaft entschloss er sich früh, schon mit Anfang zwanzig, die Diplomatie zum Beruf zu machen. Er vertrat das Regime Gamal Abdel Nassers und Anwar al Sadats bis 1972 an diversen Botschaften, unter anderem in der Schweiz und bei den Vereinten Nationen. In den siebziger Jahren holte man ihn als Berater in das Außenministerium zurück, bevor er in den achtziger Jahren wieder nach New York an den East River umzog. Für Ägypten war dies keine leichte Zeit, denn wegen des Friedensschlusses Präsident Sadats mit Israel in Camp David blieb das Land in der arabischen Welt jahrelang fast völlig isoliert.

          Zehn Jahre lang war er Außenminister Mubaraks

          Bis zu seiner Ernennung zum Außenminister 1991 bewegte er sich zwischen Kairo, Delhi (als Botschafter in Indien zwischen 1983 und 1986) und wieder New York hin und her. In den zehn Jahren als Außenminister Mubaraks (seit 1991) überlebte er drei Ministerpräsidenten. Das immer wieder zwischen den Palästinensern und Israel vermittelnde Ägypten hatte in Amr Musa einen moderaten, doch der Sache der Palästinenser entschieden gewogenen Anwalt. Im Jahr des Anschlags auf die Twin Towers wurde er als Nachfolger Ismat Abdal Meguids Generalsekretär der Liga und zog in deren Hauptquartier am Tahrir-Platz ein.

          Der mittlerweile 75 Jahre alte, weltgewandte Diplomat, dem bisweilen vorgehalten wurde, er fördere manche Mitarbeiter mehr als andere, konnte der Liga seither nicht zu jener Stärke verhelfen, die der Repräsentanz von etwa 300 Millionen Arabern eigentlich zukommen sollte. Dies hat freilich auch mit dem politischen und kulturellen Stillstand zu tun, der in großen Teilen der arabischen Welt zu beobachten war. Jetzt, da dieser Stillstand aufgebrochen wird, könnte eine neue Aufgabe auf ihn zukommen.

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