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+++ Bagdad Briefing +++ : Terror von allen Seiten

  • -Aktualisiert am

Die schiitischen Badr-Brigaden gelten als Verbündete im Kampf gegen den Islamischen Staat Bild: Reuters

Sie gelten als Verbündete des Westens: Schiitische Milizen im Irak nutzen laut Amnesty International die Offensive gegen den „Islamischen Staat“, um gegen sunnitische Zivilisten vorzugehen. Auch Regierungseinheiten folterten und töteten Gefangene.

          Neben den kurdischen Peschmerga sind sie im Irak die wichtigste Bodentruppe der internationalen Allianz gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“: schiitische Milizen wie Asaib Ahl al Haq, Kataib Hizbullah und die Badr-Brigaden. Auch wenn die Kooperation nicht offiziell erfolgt wie mit den Einheiten von Kurdenpräsident Massud Barzani, verlässt sich der Westen auf die schiitischen Gruppen, um die sunnitischen Dschihadisten nördlich von Bagdad zu bekämpfen.

          Es ist eine mörderische Allianz, die Amerika und seine Verbündeten da eingegangen sind. So schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem an diesem Dienstag erschienenen Bericht, dass schiitische Milizen aus Rache immer häufiger Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen an Sunniten begingen. Demnach seien bereits Dutzende von sunnitischen Zivilisten entführt und ermordet worden - ohne dass die Regierung in Bagdad eingreife. Auch deshalb hatte der amerikanische Präsident Barack Obama einen Rücktritt von Ministerpräsident Nuri al Maliki zur Bedingung für Luftangriffe gegen die Terrorgruppe gemacht.

          Teufelskreis religiös motivierter Gewalt

          Offenbar ist der neue Regierungschef Haider al Abadi jedoch um keinen Deut besser als sein schiitischer Vorgänger. „Indem die Regierung in Bagdad Milizen gewähren lässt, solche schrecklichen Taten routinemäßig zu begehen, billigt sie Kriegsverbrechen und fördert einen Teufelskreis von religiös motivierter Gewalt, der das Land weiter auseinanderreißt“, kritisiert Donatella Rovera, Krisenbeauftragte von Amnesty International. „Die irakische Regierung muss endlich aufhören, die Herrschaft der Milizen zu unterstützen.“

          Zum Aufstieg der meist von der Islamischen Republik Iran geförderten schiitischen Kampfverbände trug bei, dass sich die irakische Armee im Juni aus fast einem Drittel des Landes zurückgezogen hatte. Bereits seit Januar waren Tausende schiitischer Kämpfer in den Irak zurückgekehrt, die zuvor auf Seiten des Regimes Baschar al Assads und der libanesischen Hizbullah gegen sunnitische Milizen in Syrien gekämpft hatten. Der konfessionell ohnehin extrem aufgeladene Konflikt im Irak konnte sich so weiter verschärfen.

          Klima der Rechtlosigkeit

          Da die Milizionäre in vielen Fällen Seite an Seite mit Regierungseinheiten auftreten und häufig Militäruniformen tragen, sei ein Klima der Rechtlosigkeit entstanden, schreibt Amnesty International in dem „Absolute Straflosigkeit“ betitelten Bericht. Ohne offizielle Überwachung fürchten zu müssen, konnten vor allem in Bagdad, Samarra und Kirkuk unzählige Racheakte für Vergehen des „Islamischen Staats“ ausgeübt werden. Dutzende nicht identifizierter Leichen, mit Handschellen gefesselt und mit Schusswunden im Kopf, seien in diesen Städten gefunden worden.

          Zudem sei das Schicksal vieler schon vor Monaten entführter Personen noch immer unbekannt. Manche Gefangene wurden sogar ermordet, nachdem ihre Familien bereits Lösegelder von 80.000 Dollar und mehr bezahlt hatten, um sie freizubekommen. Auch deshalb hat die Gewalt im Irak wieder Ausmaße erreicht wie zuletzt zwischen 2005 und 2008 auf dem Höhepunkt des schiitisch-sunnitischen Bürgerkrieges.

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