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Wahl im Irak : Der lange Arm der Mullahs

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Blutige Anschläge wie hier in Bagdad am 25. April mit vielen Toten haben den Wahlkampf im Irak überschattet Bild: AP

Der Irak wählt erstmals seit dem Ende der amerikanischen Besatzung an diesem Mittwoch ein neues Parlament. Mit Hilfe Irans wollen die schiitischen Milizen ihre Macht ausbauen.

          Abu Mustafa hat seine drei Söhne herausgeputzt an diesem „großen Festtag“, wie er die Wahlkampfkundgebung seiner „Liga der Gerechten“ im baufälligen Industriestadion im Osten Bagdads nennt. Wie maßgeschneidert sitzen die Uniformen der drei kleinen Jungs, die dazu Militärmützen tragen. In schwarzen Stiefeln stehen sie auf der Laufbahn am Rande des Spielfelds, das an diesem heißen Aprilnachmittag von Tausenden Anhängern der Schiitenmiliz Asaib Ahl al Haq bevölkert ist. Acht, sieben und vier Jahre alt sind Abu Mustafas Kinder erst, aber auch sie tragen schon den gelben Schriftzug der „Liga der Gerechten“ auf ihren Uniformen. Der älteste von ihnen, Mustafa, hält ein Funkgerät in der Hand.

          Wenige Schritte weiter haben sich Jugendliche in blauen Uniformen zu einer Übung aufgestellt. Ein mit Maschinengewehr bewaffneter Mann trabt auf einem Pferd Richtung Ausgang, aus Lautsprechern dröhnen Kriegslieder. „Wir schicken echte Männer nach Syrien“, heißt es in einer Strophe, „wir beschützen Sayda Zeinab“, den schiitischen Schrein in der syrischen Hauptstadt Damaskus, in einer anderen.

          Der Bürgerkrieg in Syrien hat Wahlkampf geprägt

          An diesem Mittwoch wählt der Irak erstmals seit dem Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen ein neues Parlament. Der Bürgerkrieg im Nachbarland hat den Wahlkampf mindestens ebenso sehr bestimmt wie die Korruptionsvorwürfe gegen die Koalition „Staat des Rechts“ von Ministerpräsident Nuri al Maliki. Seit Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) im Januar in der irakischen Provinz Anbar die Kontrolle übernommen haben, ist die Grenze zwischen beiden Staaten durchlässiger denn je.

          Über den Tribünen im Stadion sind die Bilder von Kämpfern der Miliz Asaib Ahl al Haq angebracht, die im Kampf gegen Isis und andere sunnitische Aufständische in Syrien getötet wurden. Es sind mehr als achtzig. Oberhalb des Frauenblocks auf der Haupttribüne, der von ganz in Schwarz Gekleideten besetzt ist, hängt ein Transparent mit dem Wahlkampfslogan des neu gegründeten politischen Flügels der „Liga der Gerechten“, al Sadiqun: „Wahrhaftig - und das werden wir bleiben.“ Abu Mustafa gehört der berüchtigten, vom Nachbarland Iran ausgebildeten Miliz an, die sich nun anschickt, ins Parlament einzuziehen. 11.000 ihrer Männer stehen unter Waffen, jeden Monat überweise Teheran mehrere Millionen Dollar für Ausrüstung und Gehälter, heißt es in Bagdad. „Wir verfolgen eine Doppelstrategie“, sagt der 37 Jahre alte Mann, der ein adrettes schwarzes Sakko über dem weißen Hemd trägt. Solange iranische Interessen bedroht seien, werde Asaib Ahl al Haq die Waffen nicht niederlegen. Sein dunkles Haar hat der Familienvater locker zurückgekämmt; wie ein Kämpfer sieht er nicht aus, eher wie ein Schauspieler.

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