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Wahl im Irak : Der lange Arm der Mullahs

  • -Aktualisiert am

Anschlag mit 37 Toten in einem gewalttätigen Wahlkampf

Während der Milizenführer Khazali noch spricht, kommt ein Warnhinweis per Telefon: Eine Journalistenkollegin ist dran: „Verlasse sofort das Stadion!“, ruft sie in den Apparat. Auf dem Weg zum Ausgang haben bewaffnete Uniformierte sich hektisch untergehakt, nur mit einigem Nachdruck gelingt es, durch die Kette der Uniformierten hindurch hinaus Richtung Parkplatz zu gelangen. Auch bei ihnen muss die Drohung eingegangen sein. Keine 45 Minuten später explodiert am Haupteingang eine Autobombe, zehn Minuten danach sprengt sich am Straßenrand ein Selbstmordattentäter in seinem Wagen in die Luft, eine dritte Explosion folgt. Soldaten und Polizisten schießen wahllos um sich. Zur Panik trägt bei, dass ein tief fliegendes Flugzeug Wahlpropaganda über dem Stadion abwirft.

Schiitische Milizionäre betrauern ihre toten Kämpfer

37 Tote und Dutzende Verletzte fordert der blutigste Anschlag im von Gewalt überschatteten Wahlkampf. Wenige Stunden nach dem Angriff auf die Anhänger der Schiitenmiliz bekennt sich die sunnitische Terrorgruppe Isis zu dem Massaker, eine Abspaltung Al Qaidas. Der Krieg zwischen den extremsten Vertretern schiitischer und sunnitischer Milizen hat nun endgültig die irakische Hauptstadt erreicht. Zwei Tage später beschießen irakische Kampfhubschrauber Isis-Einheiten auf syrischem Gebiet, die acht mit Treibstoff gefüllte Tanklastwagen in den Irak bringen wollten. Es ist der erste Einsatz der Armee außerhalb des Landes seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor drei Jahren.

Al Qaida schürt Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten

Und die Dschihadisten rücken unaufhaltsam voran. Das berüchtigte Foltergefängnis Abu Ghraib musste Mitte des Monats geschlossen werden, weil Isis und Al Qaida immer wieder in die Gemeinde ganz in der Nähe des internationalen Flughafens im Westen Bagdads eindringen. Selbst in das Villenviertel Mansur auf der Westseite des Tigris sollen Isis-Kämpfer schon eingesickert sein, heißt es in der Hauptstadt. Weil etliche Angehörige der Oberschicht in den Jahren des Terrors zwischen 2006 und 2008 hier weggezogen sind, stehen viele Häuser leer. Gegen wenige hundert Dollar sollen Hausmeister bestochen worden sein, Schläferzellen Einlass zu gewähren.

Schien es vor einem Jahr noch so, als ob der sunnitisch-schiitische Bürgerkrieg überwunden sei, ist der Konflikt nun mit voller Härte wieder aufgebrochen. Allein aus der umkämpften Provinz Anbar sind in den vergangenen Monaten 300 000 Einwohner geflohen. Mehr als 8000 Menschen wurden 2013 bei Anschlägen und Kämpfen getötet - die höchste Opferzahl seit 2007, als fast 18 000 Menschen getötet wurden. „Der Krieg in Syrien wird auch den Irak in den Abgrund reißen“, sagt Iyad Allawi in seinem Parteibüro unweit des weitläufigen Messegeländes in Mansur.

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