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Wahl im Irak : Der lange Arm der Mullahs

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Der Führer der Asaib Ahl al Haq, Qais al Khazali, lebt nur eine Straße von Malikis Residenz entfernt im Klein-Venedig genannten Quartier der Grünen Zone auf der Westseite des Tigris. Saddam Hussein ließ hier, wo seine Familienangehörigen und Führungsfiguren seines Regimes residierten, Fontänen und Kanäle anlegen. Auch anderthalb Jahre nach dem Abzug der amerikanischen Besatzer ist das von einem Labyrinth hoher Schutzmauern umgebene Regierungsviertel ein Sinnbild dafür, wie Sicherheitsdenken alles im Irak dominiert.

Buhlen um die Stimmen der schiitischen Unterschicht

Der Kontrast zu den Armenvierteln im Osten Bagdads, wo die Anhänger al Khazalis zur Wahlkampfveranstaltung ins Industriestadion gekommen sind, könnte nicht größer sein. Flache Häuser ducken sich hier in der Frühlingshitze, Straßenhändler verkaufen Obst, Chips, Wasser und Zigaretten. Einst war Khazali Leutnant in der Mahdi-Armee des Schiitenführers Mutaqda al Sadr. Doch dann überwarf er sich mit Sadr und gründete seine eigene Miliz. Bis heute gibt es regelmäßig Morde an gegnerischen Kadern. Beide Milizen buhlen im Wahlkampf nun um die Stimmen der schiitischen Unterschicht - Khazali auf Seiten Malikis, Sadr gegen den von ihm als „Tyrannen“ bezeichneten Herrscher, der schon seit 2006 an der Macht ist.

Über dem Stadion schweben zwei große Gasluftballons, von denen Plakate mit dem Gesicht des Sprechers der Partei und Listendritten, Wahab al Taie, herabhängen. Gemeinsam mit den anderen Kandidaten al Sadiquns ist er zu der Kundgebung gekommen, um die Gefolgschaft auf den Wahltag einzustimmen. In Dutzenden Bussen werden die Anhänger aus umliegenden Gemeinden herangekarrt; das Gedränge am Eingang ist so groß, dass das Sicherheitspersonal kaum in der Lage ist, effektive Kontrollen durchzuführen. Am Rasenrand haben sich derweil Männer in grünen Uniformen mit dem gelben Schriftzug Asaib Ahl al Haqs an den Ärmeln positioniert.

Der Schiiten-Führer Mutaqda al Sadr nach der Stimmabgabe im Süden von Bagdad

Eine Wahlkampfrede hält Khazali nicht - es ist die Ansprache eines Kommandeurs an seine Kämpfer. Zuvor war er martialisch ins Stadion eingefahren, in einem Konvoi schwarzer Geländewagen, aus deren Fenster sich drohend schwarz gekleidete Männer lehnten. Vorne vom Rednerpodest würdigt Khazali zunächst die „Märtyrer“, die in Syrien getötet wurden. Nur um sich dann denen zuzuwenden, die weiter auf Seiten der Armee des syrischen Machthabers Baschar al Assad kämpfen: „Und euch, die ihr den Irak in Syrien verteidigt, weil ihr gegen die Feinde des Iraks kämpft, sage ich: Glückwunsch zu der Ehre, dort zu kämpfen, Glückwunsch dafür, Geschichte zu machen!“ Auch Abu Mustafa, der Vater der drei uniformierten Kinder, hält „islamischen Widerstand“ gegen „die Isis-Terroristen und Al Qaida“ für notwendig. Vor der Hitze hat sich die Familie unter die überdachte Ersatzbank am Fuße der Haupttribüne zurückgezogen. Solange diese Gruppen nicht geschlagen seien, müsse Asaib Ahl al Haq seine Waffen behalten - auch wenn der Kampf lange dauern könne, sagt Abu Mustafa. Seinen Kindern wünscht er, dass sie eines Tages ebenfalls in die Reihen der Miliz aufgenommen werden, nicht in die der irakischen Armee.

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