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Wahl im Irak : Der lange Arm der Mullahs

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Mit Angriffen auf amerikanische Konvois und Militäreinrichtungen im Irak hat sich die Gruppe in den Jahren der Besatzung einen Namen gemacht; ihr Führer Qais al Khazali saß deswegen drei Jahre im Gefängnis. Angeblich soll ein Kommando der Schiitenmiliz auch für den Mord an dem letzten getöteten amerikanischen Soldaten vor dem Abzug im Dezember 2011 verantwortlich gewesen sein; die Entführung von Ausländern zählte ebenfalls zu ihrem Repertoire. Diese Ära aber gehöre nun der Vergangenheit an, sagt Abu Mustafa: „Wir betreten jetzt die politische Bühne.“ Nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern im Parlament werde Asaib Ahl al Haq künftig „den neuen Irak bauen und das Land beschützen“.

Ehemalige Milizionäre wollen ins Parlament

„Die Wahrheitssuchenden“, al Sadiqun, heißt der politische Arm der Miliz, deren 138 Kandidaten an diesem Mittwoch erstmals den Sprung ins irakische Parlament schaffen wollen. Es ist eine spektakuläre Neugründung in einem Wahlkampf, der ansonsten von Parteiführern dominiert wird, die seit dem Sturz Saddam Husseins vor elf Jahren alle schon einmal politische Macht ausgeübt haben. Und die sich nun darin übertreffen, Ministerpräsident Maliki des Machtmissbrauchs zu bezichtigen.

Doch auch wenn der autoritäre Herrscher wichtige Koalitionspartner verloren hat, rechnet in der irakischen Hauptstadt eigentlich keiner damit, dass es seinen Gegnern gelingen wird, ein Bündnis auf die Beine zu stellen, das ihm eine dritte Amtszeit verwehren könnte. Zu zerstritten sei die Opposition, heißt es unter Politikern, Analysten und Diplomaten, zu stark der Rückhalt, den Maliki durch die religiöse Führung in Iran genieße - und zu schwach der Einfluss Washingtons, um einen anderen Kandidaten durchzusetzen. Dass es die erste Parlamentswahl ohne amerikanische Bevormundung ist, wird in Gesprächen eher beiläufig erwähnt; dass das Land vor dem Kollaps stehe und nicht Demokratie, sondern Korruption alles beherrsche, hört man hingegen überall.

Verschleierte Frauen im Irak zeigen in Bagdad ihre mit Tinte markierten Finger nach der Stimmabgabe am Mittwochvormittag

Seit Wochen sind in Bagdad ganze Straßenzüge verhangen mit bunten Wahlplakaten. Mehr als 9000 Bewerber kämpfen im ganzen Land um die 328 Parlamentssitze; ein Viertel davon ist für Frauen reserviert. Der schiitischen Parteimiliz al Sadiqun gelang es, das Bild eines ihrer Kandidaten mit einem Kran auf jenen Sockel auf dem Firdus-Platz zu heben, auf dem bis April 2003 eine Statue Saddam Husseins stand. Die starke symbolische Szene sollte wohl Erinnerungen wecken an den Sturz der Statue des Diktators durch amerikanische Soldaten vor elf Jahren.

Ohne Rückendeckung durch Regierungschef Maliki wäre die spektakuläre Aktion nicht möglich gewesen. Er hat die Aufwertung schiitischer Milizen, die während des Bürgerkriegs zwischen 2006 und 2008 Todesschwadrone einsetzten, zu quasistaatlichen Akteuren überhaupt erst möglich gemacht. Im Kampf gegen sunnitische Milizen in der westirakischen Provinz Anbar zählt Asaib Ahl al Haq zu den effektivsten Verbündeten der schwachen staatlichen Armee. Der sunnitisch-schiitische Konflikt, der den Nahen und Mittleren Osten seit dem amerikanischen Einmarsch 2003 im Irak prägt, wird in Anbar mit allen Mitteln ausgefochten: Entführungen, Schutzgelderpressungen und Hinrichtungen praktizieren alle Konfliktparteien.

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