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Afghanistan : Unkoordinierter Rückzug mit Schuss

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Was bleibt? Gedenkzeremonie im deutschen Feldlager in Mazar-i-Sharif am 8. Mai nach dem Tod des KSK-Soldaten Bild: REUTERS

Die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen die Afghanen, aber Verlass ist noch nicht einmal auf die Sondereinheiten. Erst kürzlich erlebten das deutsche Elitesoldaten, als sie Aufständischen in die Falle liefen und alleine kämpfen mussten. Bundestagsabgeordnete fragen: War alles vergebens?

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          Die Abgeordneten, die sich Mitte Mai im Keller des Verteidigungsministeriums informieren ließen, saßen nicht zum ersten Mal in dem abhörsicheren Besprechungsraum, um ernste Dinge zu erfahren. Doch diesmal kehrten viele erschüttert von der vertraulichen Unterrichtung zurück. „Unfassbar“ hieß es fraktionsübergreifend, nachdem Generalinspekteur Volker Wieker die Verteidigungsfachleute des Bundestags über die Umstände des Todes eines deutschen Elitesoldaten am 4. Mai in der Provinz Baghlan unterrichtet hatte.

          Demnach hatten afghanische Polizisten am Morgen jenes Tages in einem Waldgebiet nahe Zaman Khel eine Gruppe bewaffneter Aufständischer gesichtet. Die Ortschaft liegt am Fluss Baghlan in der gleichnamigen Provinz und gehört zum deutschen Einsatzbereich im Norden Afghanistans. Wie nun zu erfahren ist, alarmierten die Polizisten die „Provincial Response Company“ (PRC), eine gerade aufgestellte Spezialeinheit des afghanischen Innenministeriums, die auf dem Stützpunkt Kilagai von deutschen Elitesoldaten ausgebildet und beraten wird. In vielen Provinzen des Landes trainieren Spezialkräfte der Isaf-Nationen afghanische Sondereinheiten von Armee und Polizei. Sie leben über Monate gemeinsam in Feldlagern und Stützpunkten. Mitunter kämpfen sie auch zusammen gegen Aufständische und Terroristen. Doch Vertrauen und Kameradschaft entstünden nur selten, berichtet ein Bundeswehrsoldat, der mehrere Ausbildungseinsätze am Hindukusch hinter sich hat.

          Flüchten anstatt kämpfen

          Nach ihrer Alarmierung machten sich 25 afghanische Polizisten und 15 KSK-Soldaten auf den Weg zu dem Waldgebiet. Sie sollten die Aufständischen festnehmen oder bekämpfen. Was dann passierte, wird von Soldaten der Bundeswehr und in Sicherheitskreisen in Berlin übereinstimmend beschrieben: Als die deutschen Elitetruppen und die Polizisten in den Wald vorrückten, wurden sie von den Aufständischen beschossen. Die afghanischen Polizisten sollen daraufhin in einer „unkoordinierten Rückzugsbewegung mit Schussabgabe“ teilweise bis zu 700 Meter weit geflüchtet sein, während die KSK-Soldaten das Feuer erwiderten und Luftunterstützung anforderten. Kurz darauf trafen zwei deutsche Tiger-Kampfhubschrauber sowie zwei amerikanische Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II in dem Gebiet ein. Die Piloten der Thunderbolt bombardierten die Stelle, an der die Angreifer vermutet wurden.

          Einige Stunden später drangen die Soldaten und Polizisten abermals in den Wald ein, um die Bombenabwurfstelle zu untersuchen. Die Nachbereitung ist den ausländischen Soldaten in Afghanistan nach dem Einsatz schwerer Waffen aus größerer Entfernung vorgeschrieben und dient dazu, das Ergebnis eines Bombardements zu dokumentieren. Allerdings müssen sie sich dazu nicht zwingend persönlich an Ort und Stelle begeben. Im Zweifelsfall genügen auch Luftaufnahmen von der Explosionsstelle. Nachdem jedoch die Aufklärungsbilder der Thunderbolt den Schluss zuließen, dass sich im Bereich der Explosionsstelle niemand mehr aufhalte, entschieden sich die KSK-Soldaten, den Ort des Bombenabwurfs persönlich in Augenschein zu nehmen.

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