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Mehrere Tote : Krankenhäuser in Syrien bombardiert

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Das von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstützte Krankenhaus in Syrien am Montag nach dem Luftangriff Bild: AFP

Bei Luftangriffen in Syrien sind zwei Krankenhäuser getroffen worden, darunter auch ein von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstütztes Hospital im Nordwesten des Landes. Es soll mehrere Tote geben.

          Bei Luftangriffen in Syrien sind zwei Krankenhäuser getroffen worden: eins in Maarat al-Numan in der Provinz Idlip und ein weiteres in Azaz in der Provinz Aleppo. Nach Berichten des arabischen Senders Al-Dschasira kamen in der nördlichen Stadt Azaz bei Luftangriffen auf eine Klinik mindestens 14 Menschen ums Leben, etwa 30 weitere wurden verletzt. Zuvor hatten mehrere Bomben ein von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstütztes Hospital in Maarat al-Numan im Nordwesten Syriens zerstört. Die Hilfsorganisation spricht von einem „gezielten Angriff“. Personal vor Ort berichtete, die Klinik sei bei zwei Angriffen innerhalb weniger Minuten viermal getroffen worden. Mindestens acht Mitarbeiter werden vermisst.

          Die Syrische Beobachtungsstelle geht davon aus, dass die Luftschläge von russischen Kampfjets ausgeführt wurden. Die Zahl der Toten könne steigen, da noch Opfer unter den Trümmern vermutet würden. Von russischer Seite gab es zu dem Vorfall zunächst keine Angaben.

          „Das scheint ein gezielter Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung gewesen zu sein, und wir verurteilen ihn auf das Schärfste“, sagte der Syrien-Landeskoordinator von „Ärzte ohne Grenzen“, Massimiliano Rebaudengo. Es ist die 15. von der Organisation unterstützte Klinik in Syrien, die in diesem Jahr getroffen wurde. Insgesamt unterstützt MSF in Syrien mehr als 150 Krankenhäuser.

          In dem Konfliktgebiet in der Region Idlib blieben nun etwa 40.000 Menschen ohne medizinische Versorgung, sagte Rebaudengo. „Ärzte ohne Grenzen“ unterstützte die Klinik seit September 2015 und stellte unter anderem medizinische Hilfsmittel zur Verfügung. 54 Personen arbeiteten in der Einrichtung, die 30 Betten, zwei Operationssäle, eine Ambulanz und eine Notaufnahme hatte.

          Die Welthungerhilfe verurteilt auf das Schärfste den heutigen Beschuss der Krankenhäuser. "Diese Angriffe machen unsere humanitäre Unterstützung noch schwieriger. Wir haben in Idlip in dem zerstörten Krankenhaus noch in der letzten Woche neue Krankenpfleger ausgebildet. Wir appellieren an alle Kriegsparteien, sich an die Mindeststandards zu halten und wenigsten Krankenhäuser und Flüchtlingslager zu schonen", betont Till Wahnbaeck, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.

          Erst am Freitag war auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit russischer Zustimmung eine Waffenruhe für Syrien vereinbart worden. Sie soll den Beginn humanitärer Hilfe in belagerten Orten ermöglichen und am kommenden Freitag in Kraft treten. Allerdings verstärkte Russland, das Assad unterstützt, umgehend seine Bombenangriffe auf Regimegegner.

          Steinmeier: Moskau verstößt gegen Syrien-Vereinbarung

          Deshalb warf Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Russland, aber auch der Türkei und kurdischen Milizen eine Verletzung der Münchner Vereinbarungen vor. Als Teil der Absprachen seien alle Seiten aufgerufen, noch vor Eintritt der vereinbarten Waffenruhe zu einer sofortigen Reduzierung der Gewalt beizutragen, ließ Steinmeier am Montag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel mitteilen. Das gelte für die militärischen Operationen Russlands und des syrischen Regimes im Raum Aleppo und jüngste Angriffe der kurdischen PYD-Milizen in Nordsyrien. Mit Blick auf die angespannte Lage müsse sich aber auch die Türkei Zurückhaltung auferlegen.

          Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon äußerte in der Zeitung „Die Welt“ die Einschätzung, Syrien werde „noch auf sehr lange Zeit chronisch instabil bleiben“. Die Idee, man könne das Land noch einmal als Staat vereinen, nannte er „pures Wunschdenken“. Die aktuellen Versuche, eine Waffenruhe zu erzielen, stufte Jaalon als wenig realistisch ein: „Die Russen haben vor, mit ihren Luftschlägen fortzufahren. Was für ein Waffenstillstand ist das?“ Zudem seien die Terrororganisationen „Islamischer Staat“, Al-Nusra-Front und andere sunnitische Gruppen nicht an den Verhandlungen beteiligt, sagte Jaalon. „Die werden aber nicht nächste Woche aufhören zu schießen.“

          Immer wieder werden Krankenhäuser zum Schauplatz von Kriegshandlungen, auch außerhalb Syriens. So wurde Anfang Dezember eine von Ärzte ohne
          Grenzen unterstützte Einrichtung im Jemen angegriffen, wobei neun Menschen verletzt wurden. In der Nacht zum 3. Oktober 2015 war eine MSF-Klinik im afghanischen Kundus bombardiert worden. Bei dem amerikanischen Luftangriff wurden damals nach Angaben der Organisation 42 Menschen getötet, unter ihnen 14 Mitarbeiter und 24 Patienten sowie vier betreuende Angehörige.

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