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Ägypten : Vodafone muss Propaganda-SMS senden

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Propagandaverteiler: Foto einer Vodafone-Nachricht auf einem ägyptischen Handy bei Flickr Bild: Screenshot Flickr

Die ägyptische Regierung lässt Kurzmitteilungen mit staatlicher Propaganda verbreiten - auch vom britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone. Der Konzern protestiert gegen den „inakzeptablen“ Zwang. Unterdessen greifen „Hacktivisten“ wieder Websites ägyptischer und jemenitischer Ministerien an.

          Der Mobilfunkbetreiber Vodafone hat in Ägypten Kurzmitteilungen mit staatlicher Propaganda verbreitet. Das Unternehmen teilte am Donnerstag in London mit, es sei ebenso wie die Mobilfunkanbieter Mobinil und Etisalat von den Behörden angewiesen worden, seit Beginn der Proteste „Mitteilungen an das ägyptische Volk zu verschicken“. Die Behörden hätten sich dabei auf die Notstandsbefugnisse des Telekommunikationsgesetzes berufen.

          Vodafone folgte der Anweisung, protestierte aber nach eigenen Angaben bei den Behörden gegen diese als inakzeptabel bezeichnete Situation. „Wir haben deutlich gemacht, dass all diese Mitteilungen transparent sein sollten und eindeutige Urheberangaben enthalten sollten“, hieß es in einer Pressemitteilung des britischen Konzerns.

          In Blogs sowie im Internet-Foto-Portal Flickr wurden Aufnahmen mit Darstellungen der SMS-Mitteilungen veröffentlicht. Diese richten sich demnach unter anderem an die „Jugend Ägyptens“ mit der Aufforderung: „Hütet euch vor Gerüchten und hört die Stimme der Vernunft“. Eine andere SMS richtet sich an „jede Mutter, jeden Vater, jede Schwester, jeden Bruder, an jeden ehrlichen Bürger, bewahrt dieses Land, da die Nation ewig ist“. Eine weitere SMS gibt sich als Botschaft der Streitkräfte aus und fordert „Ägyptens ehrliche und loyale Männer auf, sich den Verrätern und Kriminellen entgegenzustellen und unser Volk und unserere Ehre und unser kostbares Ägypten zu beschützen“.

          Vodafone war nach dem Ausbruch der Proteste in der vergangenen Woche von der ägyptischen Regierung aufgefordert worden, sein Netz abzuschalten. Aber zum Beispiel am Mittwoch wurde über das Vodafone-Netz Ort und Zeitpunkt einer Demonstration von Mubarak-Anhängern verbreitet. Aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreise verlautete, Vodafone sei gezwungen worden, das Netz zum Versenden einzelner Nachrichten wieder in Betrieb zu nehmen.

          „Anonymous“ legt Ministeriumsseiten lahm

          Unterdessen haben Unbekannte zur Unterstützung der Protestbewegung in Ägypten und Jemen abermals staatliche Internet-Angebote in beiden Ländern zeitweise lahmgelegt. „Der Mut, den ihr in eurem Kampf für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit zeigt, ist eine Lektion für uns alle“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der Bewegung „Anonymous“ an die „Schwestern und Brüder auf dem Tahrir-Platz“ in Kairo. „Die Welt steht hinter euch.“

          Am Mittwoch richteten sich die Attacken gegen die Website des ägyptischen Innenministeriums, wie über Twitter verbreitete Aufrufe zeigen. Am Donnerstag war dann eine Website der jemenitischen Regierung nicht mehr zu erreichen. Bei den Attacken handelt es sich um Angriffe, die als „Distributed Denial of Service“ (DDoS) bezeichnet werden. Dabei wird ein Web-Server von zahllosen Internet-Nutzern gleichzeitig mit Unmengen von Daten geflutet und lahmgelegt. „Anonymous“ setzt dafür eine Software ein, die die Aktivisten zu einem Netz von Angreifern zusammenschließt. Diese Art von Angriffen hatte „Anonymous“ bereits Ende vergangenen Jahres gegen Unternehmen eingesetzt, die ihre Geschäftsbeziehungen zur Enthüllungsplattform Wikileaks abgebrochen hatten.

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