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Ägypten : Tumulte in Kairo bei Port-Said-Prozess

Angeklagte Fußballfans im Gerichtssaal der Kairoer Polizeiakademie, in dem auch der Prozess gegen Mubarak geführt wird Bild: REUTERS

In Kairo hat der Prozess gegen Fußballfans begonnen, die im Februar nach einem Spiel in Port Said 74 Menschen getötet haben sollen. Ultras der beiden großen Fußballvereine Kairos, Ahly und Zamalek, protestierten gegen den Hohen Militärrat.

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          In der Polizeiakademie von Kairo hat unter massiven Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen 75 Angeklagte begonnen, denen vorgeworfen wird, am 1. Februar im Stadion von Port Said nach dem Fußballspiel gegen Al Ahly Kairo 74 Menschen getötet und Mehrere Hundert verletzt zu haben.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          4000 Bereitschaftspolizisten und mehrere Panzer sicherten den Gerichtssaal ab, in dem auch das Verfahren gegen den früheren Staatspräsidenten Husni Mubarak stattfindet. Der Prozess, der direkt vom ägyptischen Staatsfernsehen übertragen wurde, war aus Sicherheitsgründen von Ismailija nach Kairo verlegt worden.

          Vor der Polizeiakademie protestierten die Ultras der beiden großen Fußballvereine Kairos, Ahly und Zamalek, gegen den Hohen Militärrat. Der vorsitzende Richter des Strafgerichts Port Said musste das Verfahren am Eröffnungstag zweimal unterbrechen. Gleich nach der Eröffnung riefen die Angeklagten aus ihrem Käfig: „Eins, zwei, wo ist Husni Mubarak?“ Sie spielten darauf an, dass als sie als Sündenböcke herhalten müssten, in Wirklichkeit aber das alte Regime hinter dem Gewaltausbruch im Stadion stecke. Später skandierten sie: „Wir werden wie die anderen im Stadion sterben, man enthält uns unsere Rechte vor.“ Auch danach unterbrach der Richter die Sitzung für eine halbe Stunde.

          Einspruch von acht der zehn Kandidaten

          Als ein Anwalt der Opfer die Namen der Getöteten verlas, rezitierten die eingesperrten Angeklagten aus Respekt vor den Opfern die Eröffnungssure des Korans. Ein Anwalt der Opfer forderte erfolglos, den Vorsitzenden des Hohen Militärrats, General Muhammad Hussein Tantawi, zu einer Vernehmung vorzuladen. Die Anklage forderte das Gericht auf, die Vorwürfe gegen das Innenministerium zu konkretisieren. Die Angehörigen der Opfer behaupten, die Sicherheitskräfte seien durch die bewusste oder unbewusste Unterlassung von Hilfe nach dem Spiel mitschuldig an dem Verbrechen.

          Unterdessen erhob der salafistische Präsidentschaftskandidat Hazem Abu-Ismail, der für die Präsidentenwahl disqualifiziert wurde, schwere Vorwürfe gegen die Hohe Wahlkommission. Das Dokument, mit dem die angebliche amerikanische Staatsbürgerschaft seiner Mutter bewiesen werde, sei gefälscht, erkläre der radikale Prediger. Er forderte die Kommission, deren Sitz seine Anhänger seit Tage belagern, auf, amerikanische Originaldokumente vorzulegen. Die Kommission hatte als Beleg für ihre Behauptung einen Brief des amerikanischen Außenministeriums vom 6. April 2012 an die ägyptische Botschaft in Washington vorgelegt.

          Acht der zehn Kandidaten, die die Hohe Kommission disqualifiziert hat, haben gegen die Entscheidung Einspruch eingelegt. Die Kommission will in diesen Tagen darüber befinden. Zudem will das Parlament einen Untersuchungsausschuss einsetzen, der prüfen soll, ob der Kandidat und frühere Geheimdienstchef Omar Sulaiman die zur Kandidatur erforderlichen 30.000 Unterschriften gefälscht hat. Er wurde disqualifiziert, weil die Unterschriften nicht aus allen 15 Provinzen stammen.

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