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Ägypten : Tote am „Tag des Zorns“

Abgerissen: Hosni Mubarak geht an einer Wand in Alexandria entzwei Bild: dpa

Bei den Protesten in Ägypten hat es offenbar Tote gegeben. Inspiriert vom Umsturz in Tunesien gingen in Kairo und anderen ägyptischen Städten tausende Demonstranten auf die Straßen. Sie forderten die Absetzung von Präsident Mubarak.

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          Bei landesweiten Protesten gegen die ägyptische Regierung hat es am Dienstag mindestens drei Tote gegeben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zwei Demonstranten und ein Polizist getötet. Zwei Regierungsgegner kamen bei einer Demonstration in der Stadt Suez ums Leben. Laut Polizei hatte einer der Demonstranten Atemprobleme und starb, nachdem er Tränengas eingeatmet hatte. Der andere sei von einem Stein getroffen worden. Der Polizist starb den Angaben zufolge während der Protestkundgebung in der Hauptstadt Kairo. Der Beamte sei von einem Stein am Kopf getroffen worden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Bei den größten Demonstrationen in Ägypten seit Jahrzehnten haben mehr als 10.000 Demonstranten gegen den seit 1981 amtierenden Staatspräsidenten Hosni Mubarak protestiert. Auf den Transparenten war zu lesen: „Tunesien ist die Lösung!“ Die Demonstranten skandierten „Nieder mit Hosni“ und „Mubarak, Saudi-Arabien wartet auf dich“. Sie sangen die Nationalhymne und trugen die ägyptische Flagge. Es gab kaum Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und den massiv aufgebotenen Sicherheitskräften, die bereits Stunden vor dem Beginn der Proteste Aufstellung bezogen hatten. Von fünf verletzten Demonstranten war die Rede. Der größte Protestzug zog zum Sitz der Staatspartei NDP. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Demonstrationen fanden in mehreren Vierteln Kairos und in sechs weiteren Städten Ägyptens statt.

          Zu dem „Tag des Zorns“, der mit dem staatlichen „Tag der Polizei“ zusammenfiel, hatte eine Facebook-Gruppe mit 87.000 Mitgliedern aufgerufen. Die lebhaften Internet-Aktivisten sind in den vergangenen Jahren die entschiedensten Gegner des Regimes geworden. Die Veranstalter bezeichneten die Proteste als einen „Tag der Revolution gegen Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit“. Sie sollten auch das Ende der Passivität einleiten. Muhammad ElBaradei, der frühere Chef der IAEA, unterstützte die Initiative. 40 Prozent der Ägypter leben mit weniger als 2 Dollar am Tag unter der Armutsgrenze.

          Innenminister Habib Adli hatte vor dem Beginn der Proteste mit der Verhaftung der Aktivisten gewarnt. In einem Interview mit der Zeitung al-Ahram räumte er ein, dass der Impuls zu den Kundgebungen von der Jugend komme. Als „Propaganda“ tat er die Aussage ab, der Fall von Tunesiens Ben Ali sei ein Modell. Der Sicherheitsapparat werde dafür sorgen, dass die Straßenproteste der Jugend ohne Wirkung blieben, kündigte er an. Lediglich kurze Proteste würden für eine kurze Zeit geduldet. Nach dem ägyptischen Gesetz müssen Kundgebungen genehmigt werden. Genehmigungen werden selten erteilt, so dass Kundgebungen meist illegal sind.

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