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Ägypten : Störfeuer gegen Mursi

Zum Abschied: Feldmarschall Tantawi erhält noch eine Auszeichnung. Bild: REUTERS

Proteste gegen den Mohammed-Film zeigen, wo dem ägyptischen Präsidenten Ungemach droht. Die Armee ist loyal, aber Teile der Sicherheitskräfte wenden sich von Mursi ab.

          4 Min.

          Die Proteste gegen den unsäglichen Film über den Propheten des Islams haben gezeigt, von wo den neuen Machthabern in Ägypten um Präsident Mursi Störfeuer droht. Andere, radikale Islamisten bringen die Muslimbruderschaft kaum in Bedrängnis. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt indes, dass die Polizei und die Verbände der „staatlichen Sicherheit“ gegenüber den neuen Machthabern nicht loyal sind. Loyal ist nach einem Generationswechsel hingegen die Armee.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die radikalen Islamisten der Gamaat al Islamiya sind zu wenige, um für die gemäßigt-islamistische Muslimbruderschaft eine Gefahr zu sein. Sie hatten zu den Protesten vor der amerikanischen Botschaft aufgerufen. Gewaltbereite Ultras der Fußballklubs Ahly und Zamalek haben jedoch die Kontrolle über den Protestzug übernommen, so dass die Gamaat den Protest verließen, und der seit Jahren andauernde Krieg zwischen den Steine werfenden Ultras mit der Bereitschaftspolizei diesmal vor der amerikanischen Botschaft in eine weitere Runde ging. Die Salafisten, der zweite radikale Konkurrent der Muslimbruderschaft, setzen sich aus zwei Dutzend Gruppen zusammen und sind zu zerstritten, um die neuen Machthaber herauszufordern und von ihrem Kurs abzubringen.

          Eine größere Gefahr ist die Unzuverlässigkeit der Polizei. Sie hat sich aus zwei Gründen seit dem Höhepunkt der Revolution Anfang 2011 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zum einen haben die Demonstranten, die hundert Polizeistationen in Brand gesetzt hatten, sie gedemütigt, zum anderen funktioniert die Korruptionsmaschine Polizei nicht länger. Wer aber seine Karriere in der Polizei darauf gesetzt hatte, früher oder später in einen Posten aufzusteigen, der ihm die Eintreibung von Geldern ermöglicht hätte, sieht sich enttäuscht und übt sich in passivem Widerstand.

          Bruch innerhalb der Armee

          Präsident Mursi und die Armee haben hingegen ihre Beziehungen in erstaunlichem Maße verbessert. Mursi hatte am 12. August den Zirkel von alten Generälen entmachtet, die über Jahrzehnte den jüngeren den Aufstieg verwehrt hatten. Mit der Absetzung von Feldmarschall und Verteidigungsminister Hussein Tantawi sowie Generalstabschef Sami Anan ermöglichte er jenen jüngeren Offizieren den Aufstieg, die loyal zu ihm sind. Unruhe gab es in der Armee, seit vor einem Jahrzehnt der damalige Präsident Mubarak dem Drängen seiner Ehefrau Suzan nachgegeben hatte, ihrem Sohn Gamal den Weg ins Präsidentenamt zu ebnen. Damit fühlten sich viele Offiziere betrogen. Denn seit der Revolution von 1952 waren alle Staatspräsidenten aus der Armee hervorgegangen.

          Ein Bruch zeichnete sich zudem zwischen den jüngeren Generälen und den unteren Offiziersrängen mit der Armeeführung unter Tantawi und Anan ab. Er hatte zwei Gründe. Zum einen ist zwischen dem Lebensstil der einzelnen Dienstgrade die Kluft sehr groß. Offiziere, Unteroffiziere und einfache Soldaten gehören zwar derselben Armee an, leben jedoch in verschiedenen Welten. Dolce vita mit zahlreichen Privilegien ist erst für die höchsten Ränge möglich. Unterhalb der privilegierten Schicht gilt, dass auch Armeeangehörige ebenso gelitten haben (und weiter leiden) wie alle anderen Ägypter. Zum anderen hatte sich Mubarak in den drei Jahrzehnten seiner Herrschaft auf eine kleine Schar von Kampfgefährten verlassen, die mit ihm 1973 am Yom-Kippur-Krieg teilgenommen hatten, als er Oberbefehlshaber der Luftwaffe war. Die Generation der Sieger vom 10. Ramadan 1973 wurde zu einer Generation verwöhnter Generäle, die nun durch Mursi entmachtet wurde.

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