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Ägypten : Muslimbrüder machen Mossad für Anschlag verantwortlich

Der ägyptische Präsident Mursi wandte sich am Montagabend nach dem Attentat an die Medien Bild: Reuters

Nach dem Terrorangriff auf dem Sinai wird der ägyptische Präsident Mursi von Israel und den Islamisten im eigenen Land unter Druck gesetzt. Schon hat er angekündigt, den ungeliebten Friedensplan mit Israel zu „überprüfen“.

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          Der ägyptische Präsident Muhammad Mursi gerät nach dem Terrorangriff auf dem Sinai unter Druck von mehreren Seiten. Während die israelische Regierung vom der neuen Führung in Kairo ein entschiedeneres und effektiveres Vorgehen gegen radikale Islamisten und Kriminelle Banden auf der Halbinsel fordert, macht die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, den israelischen Geheimdienst Mossad für den Angriff verantwortlich. In einer Stellungnahme der Muslimbruderschaft heißt es, die tat sei „augenscheinlich“ das Werk des Mossad, der die ägyptische Revolution von Beginn an sabotiert habe und nun die Arbeit der neuen Regierung hintertreibe. Es sei auffällig, dass jedes Mal, wenn Israel Terrorwarnungen verbreite, kurze Zeit später ein Anschlag auf dem Sinai stattfinde. Die ägyptischen Sicherheitskräfte auf dem Sinai seien zu schwach und zu schlecht ausgerüstet. Es sei daher „zwingend notwendig“, die Vereinbarungen zwischen Ägypten und Israel zu überprüfen.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Gemäß dem Friedensabkommen von 1979 ist auf dem Sinai nur eine geringe ägyptische Militärpräsenz zulässig. Israel hatte aber angesichts der sich im Zuge der ägyptischen Revolution verschärfenden Sicherheitsprobleme auf der Halbinsel einer Truppenverstärkung zugestimmt. Mursi tut sich schwer mit einem Bekenntnis zu dem von den Regimen unter Sadat und Mubarak durchgesetzten, aber in der Bevölkerung unpopulären Friedensvertrag mit Israel, den die Islamisten ablehnen. Unter Mursi hatte sich die Regierung in Kairo auch stärker der radikalen islamistischen Palästinenserorganisation Hamas zugewandt, die das Existenzrecht Israels ablehnt.

          Hanija: „Israel für Angriff verantwortlich“

          Der Regierungschef des von der Hamas beherrschten Gazastreifens, Ismail Hanija erklärte am Dienstag ebenfalls, für den Angriff auf den ägyptischen Grenzposten, bei dem 16 ägyptische Soldaten getötet worden waren, trage Israel die Verantwortung. Der Angriff sei verübt worden, „um die neue ägyptische Führung zu stören und um Unruhe an der Grenze zu schaffen und so die Bemühungen zunichte zu machen, die (israelische) Belagerung des Gazastreifens zu beenden“, sagte er. Kein Palästinenser wolle Ägypter töten. Die Regierung in Jerusalem wies die Behauptung zurück. „Das ist nicht einmal ein Vorwurf. Da hat jemand auf Autopilot geschaltet und bellt seine üblichen Flüche über Israel heraus“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Jigal Palmor, am Dienstag.

          Militärrat kündigt harte Reaktion an

          Innenpolitisch scheint angesichts des Terrorangriffs, für den sowohl die ägyptische als auch die israelische Regierung radikale Islamisten verantwortlich machen, der Machtkampf zwischen dem islamistischen Präsidenten und der Militärführung in den Hintergrund gerückt zu sein. Mursi, der offenbar um Ausgleich bemüht ist und zuletzt öfter mit hohen Generälen öffentlich auftrat, war am Montagabend in den Nordsinai gereist, um den Grenztruppen zu kondolieren. Er wurde dabei vom Chef des Hohen Militärrats und neuem Verteidigungsminister, Feldmarschall Hussein Tantawi, Innenminister Ahmed Gamal Eddin und Geheimdienstchef Murad Mowafy begleitet

          Die Todesopfer wurden am Dienstag in der Hauptstadt Kairo im Beisein Tantawis beigesetzt. Wie Mursi hatte der Militärrat eine harte Reaktion auf den Terrorangriff angekündigt. Die Armee setzte Kampfhubschrauber auf der Suche nach den Tätern ein. Die Vereinigten Staaten boten Ägypten Hilfe an. Die Sicherheitslage auf dem Sinai sei seit geraumer Zeit „Grund zur Sorge“ und Thema von Gesprächen zwischen beiden Regierungen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Die Vereinigten Staaten seien bereit, der ägyptischen Regierung bei der von Mursi zugesagten Wiederherstellung der Sicherheit in der Region zu helfen.

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