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Ägypten im deutschen Fernsehen : Die Geschichte dieser Nacht

Die ARD unterbricht ihr „Star Quiz” für eine Sonderausgabe der „Tagesthemen”. Bild:

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hält seine Rede. Darauf hat die ganze Welt gewartet. Und ARD und ZDF sind live dabei: Wie schnell sich die Dinge ändern.

          Das ZDF hatte wirklich ein sensationelles Timing. 21.45 Uhr: Das „heute journal“ beginnt und - Husni Mubarak fängt an zu reden. War das verabredet? Minute um Minute erwarten die Menschen auf dem Tharir-Platz in Kairo auf den Satz, der nicht fällt: Mubarak tritt nicht zurück, er überträgt „zahlreiche Befugnisse“ an den neuen Vizepräsidenten Omar Suleiman - und bleibt im Amt. Im „heute journal“ wird das denkbar präzise wiedergegeben, präziser als bei den Kollegen der ARD, die im Nu das „Star Quiz“ für eine Sonderausgabe der „Tagesthemen“ unterbrechen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch nicht nur die Übersetzung im Zweiten ist flüssiger, die Erläuterungen, die Claus Kleber alle paar Minuten gibt, gliedern die komplizierten Sätze des ägyptischen Staatspräsidenten. Und gegen Ende des „heute journals“ fragt der Moderator - wie die Kommentatoren bei CNN auch - was der entscheidende Satz der Rede war, was er bedeutet und - im Gespräch mit dem Korrespondenten Dietmar Ossenberg, ob das die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz überhaupt mitbekommen haben.

          Das kann man viel besser nicht machen, und damit sieht das Zweite auch besser als das Erste aus. Dort dauert es zu lange, bis neben der wörtlichen Übersetzung die Bedeutung des Gesagten herausgekitzelt wird. Aber wer will da schon noch meckern? Gerade erst hatte Kai Gniffke, der Nachrichtenchef der ARD, in seinem Blog zur - nicht realisierten - Live-Übertragung von Mubaraks Rede in der vorigen Woche gemeint: „Das wäre so, als wenn wir jetzt jede Rede von Fidel Castro live zeigen würden.“ Die ARD-Vorsitzende Monika Piel hatte gesagt, Mubarak sei kein demokratisch gewählter Staatsmann und insofern sei Distanz geboten. Aber es kommt eben immer auf den historischen Kontext an. Und abgesehen davon redete Mubarak auch viel kürzer, als man dies von Castro kennt.

          Claus Kleber im Gespräch mit dem ehemaligen Ägypten-Korrespondenten Luc Walpot

          Sie halten Schuhe in die Höhe

          Claus Kleber jedenfalls war in Form und gut präpariert beim Anblick der parallel laufenden Bilder von Mubarak und den Demonstranten - die es den ganzen Abend über nicht nur bei CNN, bei BBC World und Al Dschazira, sondern auch beim Ereigniskanal Phoenix gab: „Das Nebeneinander hier ist genau die Geschichte dieser Nacht.“ Mubarak spricht, auf dem Tharir-Platz halten die Menschen Schuhe in die Höhe, das Zeichen für maximale Geringschätzung: Mubarak soll gehen. Der aber, hat Kleber erkannt, „spricht nicht mehr zu den Menschen.“ Schon eine Stunde darauf wollten sich die Nachrichtenmacher wieder melden.

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