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Ägypten : Die Revolution hat noch lange nicht gewonnen

Warten auf Touristen: Polizisten vor einem Souvenirladen in Kairo Bild: Getty Images

Junge ägyptische Demokraten fürchten ein Bündnis von Militär und Muslimbrüdern - und wollen ihre Revolution retten. Die Hochstimmung nach dem Sieg über den störrischen Präsidenten Mubarak ist verschwunden.

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          Die kleine Moschee war während der Revolution ein Feldlazarett. Jetzt wird hier nur noch gebetet. In der Mittagshitze schlendern Gläubige gemächlich zu dem Gebetshaus in einer kleinen Seitenstraße unweit des Kairoer Tahrir-Platzes. Der Mann, der am Eingang wacht und keinen Zweifel daran lässt, dass ihm das Wohl dieser Moschee sehr am Herzen liegt, hat keine Lust, über damals zu reden. Also sagt nur das Nötigste über das Offensichtliche. Ja, da habe man verletzte Demonstranten versorgt, sagt er missmutig. Jetzt nicht mehr. Genug der Revolution.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der niedrige Gebetsraum füllt sich. Ein Polizist ist gekommen, er entledigt sich seiner schweren Stiefel. Er trägt schon die weiße Sommeruniform - und er ist eine seltene Erscheinung. In den Straßen Kairos sind weniger Polizisten als früher zu sehen, aus manchen armen Vierteln sind sie ganz verschwunden. Die Polizeiführung hat nach dem Sturz Präsident Mubaraks im Februar hastig die neuen Jahrgänge in den Dienst gestellt, es heißt, sogar die ihre Ausbildung an der Akademie sei deshalb abgekürzt worden.

          Junge sollen das Bild der Polizei prägen: Ihnen kann man nicht nachsagen, sie seien Leute des alten Regimes - aber sie sind unerfahren. Vielen von ihnen ist ihre Unsicherheit anzusehen in Zeiten, in denen der Fahrer eines Minibusses einem Verkehrspolizisten lieber mit revolutionärem Pathos Prügel androht, als seinen Anweisungen Folge zu leisten oder gar ein Bußgeld zu bezahlen.

          Am 27. Mai demonstrierten Hunderte Ägypter für eine weitere Demokratisierung ihres Landes, das von einem Militärrat regiert wird.

          Hochstimmung ist verschwunden

          Doch nicht nur die Sicherheitskräfte sind verunsichert. Sorge herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung. Die Hochstimmung nach dem Sieg über den störrischen Präsidenten Mubarak ist verschwunden. Manche fürchten, dass auf den ägyptischen Frühling der Protestbewegung auf Tahrir-Platz nun ein großes Unwetter folgen könnte. Die Kriminalität wächst, die Kräfte des alten Regimes haben sich mit ihrer Niederlage noch nicht abgefunden, und die Wirtschaft lahmt. Der Einbruch im Tourismus reicht weit in andere Branchen hinein - er trifft die Felukenwerften, weil die Fahrten mit den traditionellen Segelbooten auf dem Nil fast zum Erliegen gekommen sind, ebenso wie Hühnerzüchter, die damit zu kämpfen haben, dass den Restaurants die Gäste ausbleiben. Die Revolution hat noch lange nicht gewonnen - Ägypten ächzt unter der Schwerstarbeit, die jetzt zu verrichten ist.

          „Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt“, sagt Shehab Wagih. Er ist einer aus der jungen Garde der „Demokratischen Frontpartei“, die sich darum bemüht das zersplitterte liberale Lager zu einen. Es sind vor allem junge Leute, die in der Parteizentrale im Oberschichtviertel Mohandessin an ihren Laptops arbeiten oder Allianzen zimmern. Wagih ist einer von denen, die fast über Nacht von Oppositionsaktivisten zu Politikern werden müssen und jetzt ständig von Treffen zu Treffen eilen.

          Er ist unzufrieden mit dem Hohen Militärrat, der seit dem Sturz des alten Machthabers die Geschicke des Landes führt. „Erschöpfte alte Männer“ seien die Generäle, die völlig undurchsichtig agierten und dem Land Schaden zufügten. Der Militärrat sei eine Black Box, seine Dekrete würden zwar auf Facebook veröffentlicht, aber sie kämen wie aus dem Nichts, sagt er.

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