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Adel al Dschubeir : Im Fadenkreuz

Adel al Dschubeir: Keiner konnte den Politikern und Medien in Amerika so gut wie er die Haltung Saudi-Arabiens vermitteln Bild: Polaris/laif

Adel al Dschubeirs sollte mutmaßlich das Ziel eines von Iran in Auftrag gegebenen Mordanschlags sein. Sein Aufstieg zum Botschafter in Washington im Februar 2007 galt als Sensation. Anders als seine Vorgänger ist er kein Mitglied des Königshauses.

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          Von Adel al Dschubeir ist nichts zu sehen und zu hören in Washington. Das ist ungewöhnlich für den saudi-arabischen Botschafter. Sonst war die Stimme Riads in Washington kaum zu überhören - und al Dschubeir war nicht zu übersehen, wenn er mit der Familie oder mit Freunden im „Café Milano“ dinierte. Das italienische Restaurant mit der durchschnittlichen Küche und den überdurchschnittlichen Preisen gehört zu den Stammlokalen al Dschubeirs und vieler anderer Washingtoner Prominenter. Es heißt, der mutmaßlich von Iran in Auftrag gegebene Mordanschlag eines mexikanischen Auftragskillers gegen den saudischen Diplomaten hätte im „Café Milano“ im Stadtteil Georgetown verübt werden sollen. Welche Folgen dieser Kriegsakt in der amerikanischen Hauptstadt - wenn er denn tatsächlich in Teheran ausgeheckt wurde - für die Lage im Nahen Osten gehabt hätte, lässt sich kaum ausmalen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Al Dschubeir wurde am 1. Februar 1962 nahe Riad geboren. Er besuchte Schulen im Libanon, im Jemen, in den Vereinigten Staaten und in Deutschland - daher rühren seine guten Deutschkenntnisse. Sein Studium der Politischen Wissenschaften und Internationalen Beziehungen absolvierte er in Texas und an der Washingtoner Georgetown University. Im Alter von 25 Jahren trat er in den diplomatischen Dienst des Königreichs ein und wurde 1987 sogleich nach Washington entsandt. Dort war er als Berater des damaligen Botschafters Prinz Bandar Bin Sultan tätig, einer Institution von Graden im Diplomatischen Korps Washingtons. Während Prinz Bandars langer Dienstzeit bekleidete al Dschubeir bis 2005 verschiedene andere wichtige Posten an der Botschaft beim wichtigsten westlichen Verbündeten. Keiner konnte den Politikern und Medien in Amerika so gut wie er die Haltung Saudi-Arabiens vermitteln: Dank seiner Schul- und Universitätsausbildung in den Vereinigten Staaten ist al Dschubeir gewissermaßen voll amerikanisiert.

          Sensationeller Aufstieg

          Als Prinz Bandar 2005 nach mehr als zwei Jahrzehnten Botschafterdienst nach Riad zurückkehrte, wurde Prinz Turki al Faisal zu seinem Nachfolger ernannt. Prinz Turki, der von 1977 bis 2001 den saudischen Geheimdienst geführt hatte, trat aber schon im Dezember 2006 zurück. Seine Arbeit war von Riad aus von seinem Vorgänger faktisch torpediert worden. Al Dschubeirs Aufstieg zum Botschafter in Washington im Februar 2007 galt als Sensation. Anders als seine Vorgänger ist er kein Mitglied des Königshauses. Das Vertrauen König Abdullahs erwarb er sich durch seine ausgezeichneten Beziehungen zum Kongress sowie zu allen wesentlichen Ministerien in Washington, die er seit seiner ersten Entsendung in die amerikanische Hauptstadt von 1987 an systematisch aufgebaut hatte. Den langjährigen Kronprinzen und späteren König Abdullah begleitete er auf vielen Auslandsreisen. Von 2005 bis zu seiner neuerlichen Entsendung nach Washington war er als maßgeblicher außen- und sicherheitspolitischer Berater am Königshof tätig. Al Dschubeir, der sich in Washington in der Regel im westlichen Anzug zeigt und nicht in traditioneller arabischer Kleidung, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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