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Abkommen gegen das Austrocknen : Wasser für das Tote Meer

Jährlich sinkt der Pegel des Toten Meeres Bild: dpa

Eine Wasserleitung aus dem Roten Meer soll das Tote Meer vor dem Austrocknen retten. Darüber sind sich Israel, Jordanien und die Palästinensischen Autonomiebehörden einig. Umweltschützer warnen vor dem Großprojekt.

          Israel, Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde haben am Montag in Washington ein Abkommen unterzeichnet, das dazu beitragen soll, zu verhindern, dass das Tote Meer weiter austrocknet. Der am Sitz der Weltbank unterschriebene Vertrag sieht vor, auf jordanischem Staatsgebiet eine Leitung zu bauen, die Wasser aus dem Roten Meer ins Tote Meer bringt. Der Pegel des weltweit einmaligen Salzsees sinkt jedes Jahr um gut einen Meter. Jährlich sollen deshalb 200 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Roten Meer entnommen werden. Achtzig Millionen Kubikmeter davon wird eine neue Meerwasserentsalzungsanlage nördlich der jordanischen Hafenstadt Aqaba in Trinkwasser verwandeln.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Es wird dem wasserarmen Süden Jordaniens sowie dem israelischen Badeort Eilat zugutekommen; Israel erhält dann zwischen 30 und 50 Millionen Kubikmeter. Die übrig bleibende Salzlauge und das restliche Meerwasser sollen durch die neue Leitung ins Tote Meer fließen. Zugleich wird Israel weiter nördlich Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde mit Wasser aus dem See Genezareth versorgen. Für Jordanien, das bereits Wasser aus dem Süßwassersee erhält, sind 50 Millionen Kubikmeter vorgesehen, für die Palästinenser 30 Millionen Kubikmeter. Die Bauarbeiten für das Projekt, für das Kosten zwischen 250 und 400 Millionen Dollar genannt werden, sollen in vier bis fünf Jahren abgeschlossen sein.

          Umweltschützer warnen vor dem Wasseraustausch

          Der israelische Minister für regionale Zusammenarbeit, Silvan Schalom, sprach in Washington von einer „historischen“ Einigung. Zuletzt waren Israels Beziehungen zu Jordanien und den Palästinensern, die unter extremer Wassernot leiden, sehr angespannt. Die regionale Umweltorganisation „Friends of the Earth – Middle East“ wies am Montag darauf hin, dass es sich bei dem unterzeichneten Abkommen nur um einen „Wassertausch“ handle und nicht um den Beginn des seit einem Jahrzehnt diskutierten Projekts des Kanals zwischen Rotem und Totem Meer. Die ursprünglichen Pläne unter der Federführung der Weltbank gingen viel weiter.

          Die geplante Wasserleitung vom Roten Meer zum Toten Meer

          Das grenzüberschreitende „Friedensprojekt“, dessen Kosten mit rund zehn Milliarden Dollar beziffert wurden, sollte für insgesamt 800 Millionen Kubikmeter Trinkwasser sorgen. Es sah vor, zudem zwei Wasserkraftwerke zu errichten, die das Wasser wegen des Höhenunterschieds von mehr als 420 Metern auf seinem Weg in Richtung Norden antreibt. Die dort produzierte Elektrizität sollte dann dafür genutzt werden, rund die Hälfte der jährlich 2000 Millionen Kubikmeter Meerwasser zu entsalzen und in die jordanischen Großstädte hinaufzupumpen. Die restlichen 400 Millionen Kubikmeter Salzlauge sollten helfen, den Pegel des sehr salzhaltigen Toten Meeres wieder steigen zu lassen. In einer Studie hatte die Weltbank zu Jahresbeginn, den Plan als „machbar“ bezeichnet.

          Umweltschützer warnen jedoch davor, Wasser der beiden Meere miteinander zu vermischen. Dadurch könnten zusätzlich zu milchig-weißem Gips rote Algen entstehen und das empfindliche ökologische Gleichgewicht zusammenbrechen. Kleinere Modellversuche seien nicht in der Lage, die Folgen des Zustroms von solchen großen Meerwassermengen zu simulieren. Nach Informationen der Umweltgruppe „Friends of the Earth“, der Israelis, Palästinenser und Jordanier angehören, sieht die Ausschreibung für das Projekt neben der Pipeline ins Tote Meer noch eine zweite Option vor. So könnte die Salzlauge aus der neuen Entsalzungsanlage 45 Kilometer südlich von Aqaba auch wieder ins Rote Meer gepumpt werden. Nach israelischen Angaben soll die Firma, die den Auftrag für den Bau der Entsalzungsanlage erhält, sie auch betreiben und mit den Einnahmen ihre Kosten decken. Für die Errichtung der Leitung ins Tote Meer hofft man auf internationale Geber, denen die Weltbank mit einem Überbrückungskredit helfen will.

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