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Türkisches Militär : Russisches Flugzeug wohl über Syrien abgeschossen

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Das russische Kampfflugzeug soll über syrischem Gebiet gewesen sein, als die türkische Armee ihn abgeschossen hat. Bild: dpa

Amerikanischen Regierungskreisen zufolge befand sich das russische Kampfflugzeug über syrischem Gebiet, als es abgeschossen wurde. Während ein Pilot offenbar erschossen wurde, soll der zweite gerettet worden sein. Putin kündigte die Verstärkung der Luftabwehr in Syrien an.

          Das abgeschossene russische Kampfflugzeug ist nach Einschätzung aus den Vereinigten Staaten innerhalb des syrischen Luftraums getroffen worden. Das Flugzeug sei zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden, sagte ein Vertreter der amerikanischen Regierung, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Flugzeugs.

          Auch Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, das Flugzeug sei über syrischem Gebiet abgeschossen worden. Die Türkei sei in keiner Form bedroht gewesen. Der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen beider Staaten haben.

          Nach dem Abschuss sei der überlebende Pilot nach Moskauer Angaben in Sicherheit gebracht worden. Es habe einen gemeinsamen Sondereinsatz syrischer und russischer Kräfte gegeben, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch laut Nachrichtenagenturen. Die Aktion sei „erfolgreich“ verlaufen, der Pilot sei auf einen russischen Luftwaffenstützpunkt zurückgekehrt.

          Einer der beiden Piloten des russischen Kampfflugzeugs wurde nach Angaben des russischen Generalstabs getötet. General Sergej Rudskoj sagte im russischen Fernsehen, der Pilot sei mit dem Fallschirm abgesprungen und vom Boden aus beschossen und tödlich getroffen worden. Getötet wurde nach den Angaben des Generalstabs auch ein Soldat, der an dem Sondereinsatz zur Rettung des Piloten beteiligt war.

          Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten den Kampfbomber vom Typ Su-24 am Dienstag im Grenzgebiet abgeschossen, weil das Flugzeug nach Angaben der Armee trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Das amerikanische Militär bestätigte diese Darstellung ebenso wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

          Am Mittwoch wurde derweil über das Konto des russischen Präsidenten beim Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, Russland wolle auf seiner Basis im syrischen Latakia Luftabwehrraketen vom Typ S-300 stationieren. Der S-300-Raketenkomplex dient sowohl der Abwehr von Flugzeugen, als auch der von Marschflugkörpern.

          Notwendigkeit zur Deeskalation

          Russland und Syrien gehen derzeit mit heftigen Bombardements gegen Ziele im Norden Syriens vor. Ankara wirft Moskau vor, damit Assad stärken zu wollen. Überdies seien tausende syrische Turkmenen durch die Angriffe vertrieben worden. Nach russischen Angaben zielen die Angriffe dagegen auf die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) ab.

          Ein Radarbild der türkischen Luftüberwachung soll die Bewegungen des abgeschossenen russischen Kampfflugzeugs zeigen.

          Unterdessen haben der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der amerikanische Präsident Barack Obama wegen des Vorfalls miteinander telefoniert. Beide sähen die Notwendigkeit zur Deeskalation und zur Schaffung von Mechanismen, um die Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden, teilte die Präsidentschaft in Ankara mit. Obama habe in dem Telefonat betont, dass das Recht der Türkei zur Verteidigung seiner Souveränität „von den USA und der Nato unterstützt“ werde.

          Nach Darstellung des türkischen UN-Botschafters Halit Cevik flogen zwei russische Flugzeuge für 17 Sekunden durch den türkischen Luftraum. Ein amerikanischer Militärvertreter bestätigte dies; es sei aber unklar, ob die türkische Luftwaffe während der Luftraumverletzung geschossen habe oder erst, als die russischen Flugzeuge wieder über Syrien gewesen seien.

          Turkmenische Rebellen: Wir haben Piloten erschossen

          Eine turkmenische Rebellengruppe in Syrien erklärte, sie habe die Piloten erschossen, als sie an ihren Fallschirmen zur Erde geschwebt seien. Reuters wurde ein Video zugespielt, das einen schwer verletzten Piloten am Boden zeigen sollte. „Ein russischer Pilot“, sagt eine Stimme, gefolgt von „Gott ist groß“. Ein Vertreter dieser Gruppe erklärte, der Mann sei inzwischen tot; über den Verbleib des zweiten Piloten äußerte er sich nicht. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.

          Der russische Generalstab warf der Türkei vor, die Piloten der Suchoi Su-24 nicht vor dem Abschuss gewarnt zu haben. Es gebe keine Hinweise auf Funk- oder Sichtkontakt. Das russische Flugzeug habe sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls über syrischem Gebiet befunden, meinte der Sprecher. Der Türkei zufolge hatte der Kampfjet unerlaubt die Grenze überflogen und war mehrfach gewarnt worden.

          Moskau werde die Militärkontakte mit Ankara vorerst einstellen, so der Sprecher. Zudem würden die russischen Einheiten, die am Kampfeinsatz in Syrien beteiligt seien, mit zusätzlichen Abwehrwaffen ausgestattet.

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