https://www.faz.net/-gq5-87e20

18 Türken in Bagdad entführt : Rache des IS für Bombardierung durch Ankara?

  • -Aktualisiert am

Die 18 in Bagdad entführten Türken waren beim Bau dieses Fußball-Stadions im Stadtteil Sadr City beschäftigt. Bild: AFP

Es könnte die Vergeltung für türkische Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz IS sein: In Bagdad sind 18 türkische Mitarbeiter einer Baufirma von maskierten Kämpfern entführt worden.

          2 Min.

          In Bagdad sind am Mittwoch 18 Türken von bewaffneten Angreifern entführt worden. Die Angestellten einer Baufirma seien am Mittwochmorgen verschleppt worden, sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Nach Angaben des Außenministeriums in Ankara handelt es sich um 14 Arbeiter, drei Ingenieure und einen Buchhalter des Baukonzerns Nurol, der im nördlichen Stadtteil Sadr City ein Fußballstadion errichtet.

          „Wir stehen im engen Kontakt mit dem irakischen Innenministerium“, sagte Kurtulmus. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, die türkischen Geiseln seien gezielt ausgesucht worden. Die Angestellten seien von Arbeitern mit anderen Nationalitäten getrennt worden.

          Ein Vertreter der Firma Nurol sagte, es seien noch keine Lösegeldforderungen eingegangen. Aus irakischen Sicherheitskreisen hieß es, die Geiseln seien von schwarzgekleideten maskierten Männern in Pickup-Wagen verschleppt worden.

          Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Tat. Im Juni vergangenen Jahres hatten Kämpfer der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) das türkische Konsulat im nordirakischen Mossul gestürmt.

          Die Extremisten hatten dabei 47 Türken und drei irakische Mitarbeiter der Vertretung in ihre Gewalt gebracht; der IS hatte die Geiseln gut drei Monate später freigelassen. Nach unbestätigten Medienberichten war es damals zu einem Gefangenenaustausch gekommen.

          Der Regierung in Ankara wurde lange vorgeworfen, die Terrormiliz IS, die Teile der syrischen Grenze zur Türkei kontrolliert, nicht zu bekämpfen oder sie sogar heimlich zu unterstützen. Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im südtürkischen Suruc am 20. Juli hatte die türkische Luftwaffe erstmals Angriffe auf die Terrormiliz in Syrien geflogen. Vergangene Woche flog die türkische Luftwaffe erstmals Angriffe im Rahmen des internationalen Bündnisses gegen den IS.

          In türkischen Onlineportalen wurde am Mittwoch der Verdacht geäußert, der IS könnte die Geiseln aus Rache für Bombardierungen durch die türkische Luftwaffe genommen haben.

          Im August hatte die Gruppe ein Video veröffentlicht, in dem Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt wurde, die Türkei „an die Kreuzfahrer zu verkaufen“ und amerikanischen Truppen Zugang zu türkischen Luftwaffenstützpunkten zu erlauben, nur „um seinen Posten zu behalten“.

          Der stellvertretende Regierungschef Kurtulmus sagte am Mittwoch zudem, dass weiter jede Spur von einem türkischen Soldaten fehle, der am Dienstag an einem syrisch-türkischen Grenzübergang verschwand, der auf syrischer Seite vom IS kontrolliert wird.

          Die Identität der Entführer blieb auch am Mittwochnachmittag ungeklärt. Entführungen zur Erpressung von Lösegeld sind seit Jahren ein weitverbreitetes Problem in Bagdad und anderen irakischen Städten.

          Das Stadtviertel Sadr City ist eine Hochburg schiitischer Milizen, weshalb auch ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen wurde. Die Milizen kämpfen an vorderster Front gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS). 

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Bei der aktuellen Sonntagsfrage verliert die AfD an Zustimmung.

          Sonntagsfrage : AfD fällt auf 13 Prozent

          Die AfD fällt damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die SPD hingegen kann leicht Boden gutmachen - und zieht mit 15 Prozent an der AfD vorbei.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.