https://www.faz.net/-gq5-8er40

Bürgerkrieg in Syrien : Russlands Soldaten packen offenbar schon ihre Sachen

  • Aktualisiert am

Auch wenn nun viele russische Soldaten heim fliegen, sind zumindest dir Luftangriffe nicht zu Ende, erklärt ein Kreml-Sprecher. Bild: dpa

Der russische Präsident Putin hat überraschend angekündigt, einen Großteil seiner Streitkräfte aus Syrien abzuziehen. Die machen angeblich bereits ihre Flugzeuge für den Rückflug fertig. Die syrische Regierung versichert, mit ihr sei das abgesprochen.

          3 Min.

          Russische Soldaten in Syrien haben angeblich damit begonnen, ihre Sachen zusammen zu packen und sich auf den Rückflug nach Russland vorzubereiten. Auf der Militärbasis Hamaimim in der syrischen Provinz Latakia
          bereitete das Personal Flugzeuge vor, meldete die russischen Nachrichtenagentur Interfax. Soldaten würden nun anfangen, die Ausrüstung zu verstauen, heißt es in dem Bericht weiter, der sich auf die Führung in Moskau beruft.

          Zuvor begrüßte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die überraschende Ankündigung Russlands, den Großteil seiner Truppen aus Syrien abzuziehen. Das Gremium sprach hinter verschlossenen Türen über die Verlautbarung des Kreml, an diesem Dienstag mit dem Abzug zu beginnen. Anschließend sprach der derzeitige Vorsitzende des Gremiums, der angolanische Botschafter Ismael Gaspar Martins, von einem „positiven Schritt“ Russlands. „Das ist das, was wir sehen wollen.“

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat unterdessen in einem Telefonat mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin begrüßt, dass die Gewalt in Syrien seit Beginn der Waffenruhe zurückgehe, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die beiden Staatsführer hätten auch über den angekündigten russischen Truppenabzug gesprochen und die weiteren Schritte, die nötig seien um die Kampfhandlungen zu beenden, erklärte die die amerikanische Regierung.

          Obama fordert politischen Wandel

          Obama habe aber auch auch deutlich gemacht, dass syrische Regime-Streitkräfte die Vereinbarung immer wieder unterliefen. Putin sprach sich nach Kreml-Angaben für eine enge Zusammenarbeit beider Länder darüber aus, den Syrien-Konflikt beizulegen. Obama wiederum betonte, dass ein politischer Wandlungsprozess notwendig sei, um die Gewalt zu beenden.

          Der russische Präsident Wladimir Putin hatte überraschend verkündet, der Großteil der russischen Streitkräfte werde aus Syrien abgezogen, da sie ihre Aufgabe dort weitgehend erfüllt hätten. Nach Angaben des Kreml wurde aber mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad vereinbart, dass Russland einen Luftwaffenstützpunkt im Land behält, um dabei zu helfen, die gegenwärtige Waffenruhe zu überwachen.

          Auch die russischen Luftangriffe in Syrien werden nicht automatisch beendet, stellte ein Kreml-Sprecher klar. Details und Zeitrahmen des Teilabzuges werden nach seinen Worten vom Verteidigungsministerium festgelegt. Putin habe seine Entscheidung mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad abgestimmt. Exakte Zahlen zur russischen Militärpräsenz in Syrien hält der Kreml geheim.

          Die syrische Regierung teilte derweil mit, die Regierung in Moskau habe ihr zugesichert, dass sie Syrien weiter „im Kampf gegen den Terrorismus“ unterstützen werde. Sie wies zudem Presseberichte zurück, wonach der Abzug die Folge eines Streits mit Moskau sei. Der Abzug sei seit einiger Zeit diskutiert worden, hieß es. Es habe eine enge Abstimmung in der Frage zwischen Syrien und Russland gegeben.

          Skepsis bei Opposition

          Vertreter der syrischen Opposition reagierten hingegen zurückhaltend. Sie halten sich derzeit in Genf auf, wo am Montag die Syrien-Friedensgespräche weitergegangen waren. „Wir müssen abwarten, wie umfassend der Abzug und was der zeitliche Rahmen ist“, sagte Monzer Machus, Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees (HNC) der Opposition: „Russische Bodentruppen sind nicht entscheidend, weil es die nicht wirklich in Syrien gibt.“ Die Lage in Syrien würde sich aber von Grund auf ändern, wenn Russland seine Luftangriffe stoppen würde.

          Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sprach von einer erfolgreichen Mission in Syrien. Die russische Armee habe in Syrien allein etwa 2000 Kämpfer getötet, die aus Russland zum Kampf in das Bürgerkriegsland gekommen seien. Darunter seien 17 wichtige Befehlshaber von Terrororganisationen gewesen, sagte der Verteidigungsminister. Der Kreml hatte den Militäreinsatz an der Seite Assads unter anderem damit begründet, die Rückkehr extremistischer Kämpfer aus Syrien nach Russland zu verhindern.

          Nach Angaben des Kremls richten sich die russischen Luftangriffe nur gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die Al-Nusra-Front und andere Terrorgruppen. Der Westen wirft Moskau jedoch vor, auch gemäßigte Rebellen ins Visier zu nehmen.

          Der russische Militärexperte Jewgeni Mintschenko bezeichnete den Teilabzug als klugen strategischen Schritt des Kreml. „Putin hat sein wichtigstes Ziel (in Syrien) erreicht und will sich nicht in einen langwierigen bewaffneten Konflikt ziehen lassen. Außerdem gibt es weiter genug Möglichkeiten für die russische Armee - etwa Raketenschläge vom Kaspischen Meer aus“, sagte Mintschenko.

          „Moment der Wahrheit“

          Der Vermittler der Vereinten Nationen Staffan de Mistura will sich an diesem Dienstag in Genf mit Oppositionsvertretern treffen. Am Montag hatte er mit Regierungsvertretern gesprochen. Nach fünf Jahren Bürgerkrieg steuern die Friedensgespräche nach den Worten von de Mistura auf einen „Moment der Wahrheit“ zu. Er sehe keine Alternative zu einer Verhandlungslösung.

          Umstritten ist zwischen den Konfliktparteien vor allem das Schicksal des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Opposition schließt jeden Kompromiss aus, der Assad an der Macht lässt. Die Regierung wiederum lehnt Gespräche über einen Abtritt des Machthabers ab.

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.