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Naher Osten : „Widerstand unter einem anderen Namen“

  • Aktualisiert am

Hizbullah-Kämpfer im Süden Libanons Bild: picture-alliance / dpa

Die Hizbullah hat signalisiert, unter bestimmten Bedingungen über ihre Entwaffnung zu verhandeln. Hizbullah-Kämpfer könnten bald zu einer Art Reservisten-Armee werden und mit der libanesischen Armee zusammenarbeiten.

          Nach dem Beginn des syrischen Truppenabzugs aus dem Libanon hat die Hizbullah-Bewegung signalisiert, unter bestimmten Bedingungen zu Gesprächen über ihre Entwaffnung bereit zu sein.

          Verhandlungen über eine Entwaffnung könnten aber erst beginnen, wenn sich Israel von den Shebaa-Farmen zurückziehe, sagte der stellvertretende Generalsekretär der Hizbullah, Scheich Naim Kassem, der Zeitung „Financial Times“.

          Die Shebaa-Farmen liegen zwischen dem Libanon, Israel und den von Israel besetzten Golanhöhen. Während der Libanon den Landstrich für sich beansprucht, ist er nach Definition der Vereinten Nationen (UN) syrisches Gebiet unter israelischer Besatzung.

          Reservisten-Armee nach Entwaffnung?

          „Wir werden nach Shebaa über die Waffen diskutieren, aber unter der Bedingung, daß eine glaubwürdige Alternative zum Schutz des Libanon gefunden wird“, sagte Kassem. Nach einer Entwaffnung könnten Hizbullah-Kämpfer zu einer Art Reservisten-Armee werden, die mit der libanesischen Armee zusammenarbeite. Damit werde der Widerstand aber nicht Teil der Armee. Es handele sich vielmehr um ein Konzept zur Koordination mit der Armee. „Es ist Widerstand unter einem anderem Namen.“

          Vertreter der schiitischen Hizbullah-Bewegung, die von Syrien und Iran unterstützt wird, hatten bereits zuvor eine Entwaffnung der Hizbullah an einen Abzug Israels von den Shebaa-Farmen geknüpft. Kassem selbst hatte jedoch noch im Februar eine Entwaffnung der Hizbullah kategorisch abgelehnt.

          Die pro-iranische Miliz steht durch den Abzug der Schutzmacht Syrien und durch die UN-Resolution 1559, die neben dem Rückzug der Syrer aus Libanon auch die Entwaffnung aller Milizen fordert, politisch stark unter Druck.

          UN: Scheeba-Farmen sind syrisches Gebiet

          Die israelische Armee hatte ihre Truppen 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen, was von der Mehrheit der Libanesen als Erfolg des bewaffneten Widerstandes der Hizbullah angesehen wird. Die sogenannten Schebaa-Farmen sind nach Auffassung Israels und der Vereinten Nationen kein libanesisches, sondern syrisches Staatsgebiet. Deshalb argumentiert Israel, über einen Abzug aus diesem Gebiet könne nur in Friedensverhandlungen mit Syrien entschieden werden.

          Die libanesische Opposition, die ihre Kampagne für einen Abzug der Syrer nach der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri im vergangenen Februar noch verstärkt hatte, ist in der Frage der Entwaffnung der Hizbullah-Miliz gespalten. Kassim sagte, die Libanesen wollten über die Zukunft der Miliz ohne ausländische Einmischung verhandeln.

          Die Vereinigten Staaten bezeichnen Hizbullah nicht als Widerstandsbewegung, sondern als Terrororganisation.

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