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Naher Osten : Israel marschiert im Libanon ein

  • Aktualisiert am

Heftige Gefechte an der Grenze zum Libanon Bild: dpa

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu: Nach der Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hizbullah spricht Israels Premier Olmert von einem „kriegerischen Akt“. Israelische Bodentruppen sind schon in den Libanon eingedrungen. Auch im Gazastreifen setzt Israel seine Offensive fort.

          Nach der Entführung zweier Soldaten durch die Hizbullah ist die israelische Armee in den Südlibanon einmarschiert. Der israelische Ministerpräsident Olmert sprach von einer „Kriegshandlung des libanesischen Staates gegen den israelischen Staat auf dessen souveränem Territorium“. Dafür werde die libanesische Regierung „hart und schmerzhaft“ zur Verantwortung gezogen.

          Generalstabschef Halutz drohte mit Angriffen auf die Infrastruktur, die „die Uhr im Libanon um zwanzig Jahre zurückdrehen“, sollten die Soldaten nicht freigelassen werden. Nachdem die Armee erst am Mittwoch morgen noch tiefer in den Gazastreifen vorgedrungen war, führt sie damit noch eine weitere Offensive gegen die Hizbullah im Südlibanon. Die radikal-muslimische Hizbullah hat sich zu der Geiselnahme bekannt. Sie kontrolliert den Südlibanon, seit sich Israel vor sechs Jahren daraus zurückgezogen hat. Beim Angriff eines Hauses in Gaza-Stadt kamen sieben Mitglieder einer Familie um. Der Hamas-Militärführer Deif, dem die Aktion offenbar galt, überlebte verletzt.

          Sieben Soldaten getötet

          Nach Angaben einer israelischen Militärsprecherin wurden beim Einmarsch der israelischen Armee im Südlibanon bis zum Abend sieben israelische Soldaten getötet. Bei den schweren Kämpfen im Grenzgebiet wurden drei Israelis getötet. Vier weitere Soldaten wurden vermutlich getötet, als ihr Panzer auf eine Mine fuhr, sagte eine Armeesprecherin am Nachmittag.

          Am Mittwoch abend sagte Hizbullah-Chef Nasrallah im Fernsehen, die beiden Israelis seien entführt worden, um die Freilassung arabischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen zu erreichen. „Was wir heute getan haben, ist der einzige gangbare Weg, Häftlinge aus israelischen Gefängnissen zu befreien“. Ein israelischer Vormarsch in den Südlibanon sei von Kämpfern seiner Miliz zurückgeschlagen worden.

          „An einem sicheren Ort“

          Am Morgen hatten Hizbullah-Kämpfer an verschiedenen Grenzabschnitten das Feuer auf die Israelis eröffnet. Bei den folgenden Kämpfen brachten sie zwei Soldaten in ihre Gewalt. Wenig später meldete der Hizbullah-Sender Al Manar, die beiden Soldaten seien an „einen sicheren Ort“ im Inneren des Landes gebracht worden. „In Erfüllung des Versprechens, Häftlinge und Gefangene zu befreien, nahm der islamische Widerstand zwei israelische Soldaten an der Grenze zum besetzten Palästina gefangen“, hieß es in einer Hizbullah-Erklärung, die ein Sprecher vorlas.

          Zum zweiten Mal seit dem israelischen Abzug im Frühjahr 2000 drangen daraufhin israelische Soldaten auf libanesisches Gebiet vor. Im Militärrundfunk hieß es, eine große Zahl von Truppen, Flugzeugen sowie Boote hätten an der Operation teilgenommen. Nach ersten Berichten wurden mehrere libanesische Zivilisten getötet und zwei Personen bei einem israelischen Luftangriff auf eine Brücke verletzt.

          Olmert: „Werden hohen Preis zahlen“

          Wie die islamistische Hamas betrachtet auch die Hizbullah Israel als besetztes Land und kämpft für die Vernichtung des jüdischen Staates. Olmert sagte: „Das sind Elemente, im Norden und im Süden, die unsere Stabilität bedrohen und für unsere Entschlossenheit eine Prüfung darstellen. Sie werden damit scheitern und einen hohen Preis für ihre Taten bezahlen.“

          Israel hat nach der Entführung eines israelischen Soldaten durch palästinensische Extremisten vor zwei Wochen eine Offensive im südlich gelegenen Gazastreifen eingeleitet, aus dem es im Sommer vergangenen Jahres nach fast 40jähriger Besatzung abgezogen war. Es besetzte Grenzgebiete im Süden und Norden wieder und fliegt täglich Luftangriffe.

          Die israelische Armee hatte Ende Juni ihre „Sommerregen“ genannte Offensive begonnen. Ziel ist es zum einen, den am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit freizubekommen; zum anderen sollen Raketenangriffe von Palästinensergebiet auf Israel unterbunden werden. Seit Beginn der Offensive töteten israelische Soldaten im Gazastreifen mehr als 60 Palästinenser.

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