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Naher Osten : Israel fliegt Angriffe im Gazastreifen

  • Aktualisiert am

Nach einem Angriff in Rafah Bild: AP

Die israelische Luftwaffe hat Einrichtungen der Hamas im Gazastreifen unter Feuer genommen. Ein Armeesprecher schloss eine Ausweitung der Militärschläge nicht aus. Sie sollen nach Augenzeugenberichten etwa 200 Todesopfer gefordert haben, darunter Polizeischüler und Zivilisten.

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          Die israelische Armee hat am Samstag mit Kampfjets und Hubschraubern Ziele im Gazastreifen bombardiert. Palästinensischen Angaben zufolge kamen bis zu 200 Menschen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Seit dem Sechstagekrieg von 1967 habe es nicht so viele Opfer an einem Tag gegeben, hieß es.

          Die israelische Armee teilte mit, die Aktion habe „terroristischer Infrastruktur“ gegolten. Israel sei entschlossen, seine Militäroperationen noch auszudehnen und zu intensivieren, falls das nötig sei. Offenbar wurden mehrere Polizeistationen und andere Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas zerstört.

          Der Angriff war eine Reaktion auf den fortgesetzten Beschuss israelischer Städte und Dörfer durch palästinensische Extremisten. Diese kündigten Rache an und schossen umgehend wieder Raketen auf den Süden Israels. In der Stadt Netiwot wurde dabei ein Mensch getötet, mehrere wurden verletzt.

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          „Der Moment für den Kampf ist gekommen“

          In den vergangenen Tagen waren in Israel immer lauter militärische Schritte gegen die Hamas gefordert geworden, nachdem der Süden des Landes binnen einer Woche mehr als 200 Mal aus dem Gazastreifen heraus beschossen worden war. Ein ohnehin brüchiger Waffenstillstand war von der Hamas vor wenigen Tagen nicht verlängert worden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte die Hamas gewarnt, dass eine Fortsetzung des Beschusses israelischer Städte zu militärischen Gegenmaßnahmen führen würde. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dazu: „Es gibt Zeiten, da ist Zurückhaltung angebracht, und es gibt Zeiten, wo man kämpfen muss. Jetzt ist der Moment für den Kampf gekommen.“

          Ein Sprecher der Hamas-Polizei teilte am Samstag mit, unter anderem sei ein Polizeigelände beschossen worden, auf dem Polizeischüler gerade ihren Abschluss gefeiert hätten. Angaben von Ärzten zufolge waren unter den Toten Polizeichef Taufik Dschabber, der Gouverneur von Zentral-Gaza und ein Sicherheitschef der Hamas. Das Hauptquartier der Polizei sei zerstört worden, ebenso Hafenanlagen in Gaza-Stadt.

          Steinmeier: Kein Verständnis für die Hamas

          Unterdessen billigte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Israel das Recht auf Selbstverteidigung zu, mahnte zugleich aber Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung an. Es sei an der Hamas, den Raketenbeschuss auf Israel sofort und dauerhaft einzustellen. „Für die einseitige Aufkündigung der Waffenruhe mit Israel durch die Hamas fehlt der Bundesregierung jedes Verständnis“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Bild am Sonntag“.

          Auch die Vereinigten Staaten forderten Israel auf, bei ihren Angriffen auf die Hamas Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Die Europäische Union forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Beide Seiten sollten größtmögliche Zurückhaltung üben, sagte ein Sprecher des Außenbeauftragten Javier Solana.

          Ägypten verurteilte die israelischen Angriffe. Zudem versprach Präsident Husni Mubarak weitere Anstrengungen zur Wiederherstellung eines Waffenstillstands. Die Außenminister arabischer Länder wollen nach Angaben der Arabischen Liga an diesem Sonntag oder am Montag in Kairo zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

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