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Naher Osten : Islamischer Dschihad kündigt Waffenruhe auf

  • Aktualisiert am

Nach dem israelischen Raketen-Angriff in Gaza Bild: REUTERS

Israel hat am frühen Montag morgen seine Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen fortgesetzt. Während die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad die Waffenruhe aufkündigte, will die Hamas die Raketenangriffe einstellen.

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          Israel hat am frühen Montag morgen seine Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen fortgesetzt. In Bet Chanun wurde eine Palästinenserin von einem Raketensplitter am Kopf verletzt, berichteten palästinensische Augenzeugen.

          Nach israelischer Darstellung hatte der Kampfhubschrauber die Rakete auf eine Straße nördlich von Gaza-Stadt abgefeuert, die von palästinensischen Extremisten zum Abschuß von Kassam-Raketen auf Israel genutzt wird. Auch andere Einrichtungen im Gazastreifen, die laut Militär zur Herstellung und Lagerungen von Waffen dienten, seien mit Raketen angegriffen worden. Nach einem Raketenbeschuß sei zudem in einem Teil von Gaza-Stadt der Strom ausgefallen.

          Außerdem donnerten nach palästinensischen Angaben in der Nacht israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 über den Gazastreifen hinweg. Sie hätten unter der Bevölkerung Angst und Schrecken verbreitet. Viele Fensterscheiben seien zu Bruch gegangen. Zuvor war eine israelische Siedlung an der Grenze zum Gazastreifen beschossen worden, ohne daß jemand verletzt worden sei, berichtete der israelische Rundfunk.

          Mohammed Chalil

          Hamas will Angriffe einstellen

          Die Armee hatte zwei Wochen nach dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen wegen palästinensischer Raketenangriffe auf den Süden Israels am Sonntag eine Offensive begonnen. Die radikalislamische Hamas-Organisation kündigte am Sonntag abend die Einstellung aller Angriffe auf Israel vom Gazastreifen aus an. Ab sofort würden auch keine Kassam-Raketen mehr auf den Süden Israels abgefeuert, sagte Hamas-Sprecher Mahmud al-Sahar in Gaza-Stadt. Die Entscheidung sei mit Blick auf „die höchsten Interessen des palästinensischen Volkes“ getroffen worden. Deshalb fühle sich die Hamas weiter dem in Kairo erzielten Waffenruheabkommen verpflichtet, sagte al-Sahar. Nach palästinensischen Angaben war die Führung der Hamas zuvor mit einer hochrangigen ägyptischen Sicherheitsdelegation zusammengetroffen.

          Am Sonntag abend wurde der Chef des militärischen Flügels des Islamischen Dschihad im Gazastreifen, Mohammed Chalil, bei einem Raketenangriff getötet. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte die israelische Armee Luftangriffe im Gazastreifen geflogen und bei Razzien im Westjordanland mehr als 200 militante Palästinenser festgenommen, darunter auch ranghohe Mitglieder der politischen Flügel der radikalen Gruppen Hamas und Dschihad, unter anderem den Hamas-Führer Hassan Jussuf.

          „Tore der Hölle geöffnet“

          Unterdessen kündigte der Islamische Dschihad Vergeltungsschläge an. „Israel hat die Tore der Hölle geöffnet“, sagte ein Sprecher des militanten Arms der Palästinenserorganisation im Gazastreifen, nachdem ihr Kommandeur Mohammed Chalil bei einem Raketenangriff auf sein Auto in Gaza-Stadt getötet worden war. Mit Chalil starb auch sein Stellvertreter in dem zerstörten Wagen. Wie es hieß, sei die Rakete von einer israelischen Drohne, einem unbemannten Aufklärungsflugzeug, abgeschossen worden. Drei Palästinenser wurden verletzt. Man fühle sich nun nicht mehr an die vereinbarte Waffenruhe gebunden, sagte der Sprecher der Dschihad-Gruppe. Der Anführer der Gruppe im Gazastreifen und im Westjordanland, Mohammed Al Hindi, sagte, es sei keine Rede von einem Waffenstillstand, sondern nur noch von Krieg.

          Wie die israelische Tageszeitung „Haaretz“ am Sonntagabend berichtete, hat die palästinensische Seite das für kommenden Sonntag geplante Treffen von Präsident Mahmud Abbas und Ministerpräsidenten Ariel Scharon aus Zeitgründen abgesagt. Abbas brauche mehr Zeit zur Vorbereitung des Gesprächs, hieß es. Zuvor war bereits eine Begegnung zwischen dem palästinensischen Chefunterhändler Sajeb Erekat und dem wichtigen Scharon-Berater Dov Weissglass abgesagt worden. Termine für spätere Zusammenkünfte wurden nicht vereinbart.

          Armee zu gezielten Tötungen ermächtigt

          Die Ausschreitungen vom Wochenende waren die schwersten seit dem israelischen Abzug aus dem palästinensischen Gaza-Streifen vor knapp zwei Wochen. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hatte zuvor angekündigt, künftig mit allen Mitteln gegen Extremisten vorzugehen. Zum ersten Mal seit der im Februar geschlossenen Waffenruhe wurde die Armee wieder ermächtigt, radikale Palästinenser gezielt zu töten. Der Konflikt war am Freitag wiederaufgeflammt, als die Hamas Raketen auf Israel abfeuerte.

          Während UN und EU beide Seiten zu Zurückhaltung aufriefen, signalisierten die Vereinigten Staaten Unterstützung für das strikte Vorgehen Israels.

          (Siehe auch: Israel leitet Offensive gegen Hamas ein)

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