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Naher Osten : Irak: Amerikanischer Truppenabzug im Frühjahr

  • Aktualisiert am

Präsident Bush ist so unpopulär wie noch nie während seiner Amtszeit Bild: REUTERS

Die amerikanischen Truppen haben ungeachtet ihrer jüngsten militärischen Erfolge im Irak Schwierigkeiten zugegeben. Im Frühjahr wollen sie mit dem Truppenabzug beginnen.

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          Die Vereinigten wollen voraussichtlich im Frühjahr mit dem Truppenabzug aus dem Irak beginnen. General John Vines sagte am Dienstag bei einer aus dem Irak ins amerikanische Verteidigungsministerium übertragenen Videokonferenz, bis März 2005 könnten vier bis fünf amerikanische Brigaden aus dem Irak abrücken. Er rechne damit, daß sich die gespannte Lage in dem Land beruhige, sobald sich die Bevölkerungsgruppen auf eine Verfassung geeinigt haben. Zuvor hatte Präsident George W. Bush eingestanden, daß die amerikanischen Truppen ungeachtet ihrer jüngsten Erfolge Schwierigkeiten im Kampf gegen Aufständische haben.

          Der Krieg sei noch lange nicht zu Ende, sagten amerikanische Offiziere am Dienstag in Karabila im Westen des Landes an der Grenze zu Syrien. Die Aufständischen gewännen verlorenes Territorium rasch zurück. „In ein paar Wochen werden sie zurück sein und die Verluste kompensiert haben“, sagte ein Offizier. „Aber das geht in Ordnung - wir werden sie zwar nicht in zwei Wochen schlagen, aber in zwei Jahren.“

          Irakische Sicherheitskräfte sollen übernehmen

          Ein umfassender Abzug der amerikanischen Streitkräfte sei „nicht sinnvoll“, sagte auch General Vines. Allerdings rechne er damit, daß nach der für das Jahresende erwarteten Parlamentswahl die irakischen Sicherheitskräfte „leistungsfähiger“ seien, so daß mit dem Truppenabzug begonnen werden könne. Auch Bush äußerte die Hoffnung, daß irakische Sicherheitskräfte nach und nach ihre Städte selbst verteidigen könnten. „Genau diese Strategie wird funktionieren, und wir werden diese Mission erfüllen“, sagte er.

          Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari warnte vor den Folgen eines „Scheiterns“ des Einsatzes im Irak. Die Meßlatte liege hoch. „Deshalb braucht der Irak Zuwendungen und Hilfe von vielen Ländern“, sagte Sebari vor Nato-Botschaftern in Brüssel. In der belgischen Hauptstadt werden an diesem Mittwoch Vertreter von mehr als 80 Staaten und Organisationen zur internationalen Irak-Konferenz erwartet.

          75 bis 150 neue Kämpfer monatlich

          Nach General Vines' Angaben kommen monatlich etwa 75 bis 150 Kämpfer aus anderen arabischen Staaten in den Irak, um „Selbstmordanschläge und andere Operationen, die die Iraker nicht ausführen wollen“, auszuüben. Diese Kämpfer agierten in kleinen Zellen und bezahlten manchmal Einheimische, damit diese die multinationalen Truppen angriffen.

          Der neue amerikanische Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, kündigte eine intensive Zusammenarbeit mit den Irakern bei der Bekämpfung der Aufständischen im Land an. „Ich werde mit den Irakern arbeiten, um der Rebellion das Rückgrat zu brechen“, sagte er bei seinem Amtsantritt in Bagdad. „Ausländische Terroristen“ und Anhänger der Baath-Partei des früheren Präsidenten Saddam Hussein hätten sich zum Ziel gesetzt, den Irak in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Er kündigte weiter an, mit Blick auf die Ausarbeitung einer irakischen Verfassung und die für Dezember geplanten Wahlen mit der UNO zusammenarbeiten zu wollen.

          409 Milliarden Dollar für Verteidigung

          Das Repräsentantenhaus verabschiedete unterdessen einen 409 Milliarden Dollar umfassenden Verteidigungshaushalt für das Fiskaljahr ab Oktober, von dem knapp elf Prozent für die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan bestimmt sind. Die steigenden Kosten für die Operationen und die Verluste verstimmen indes die amerikanische Bevölkerung: Die Popularitätswerte für Bush sind auf den tiefsten Stand seiner Amtszeit gefallen, auch wegen des wachsenden Pessimismus über den Irak.

          In den Gefechten um die Stadt Karabila starb nach amerikanischen Angaben ein Marinesoldat, sechs wurden verletzt. Der Angriff war eine von mehreren Operationen, bei denen Rebellen-Hochburgen entlang des Euphrat gestürmt werden sollten. Die Truppen der Vereinigten Staaten hatten die Ortschaft vier Tage lang bombardiert und sich Häuserkämpfe mit Aufständischen geliefert. Viele der 60.000 Einwohner flohen vor Beginn des Angriffs aus der Stadt. Nach Angaben des Militärs wurden etwa 50 Aufständische getötet, zudem mehrere Zivilisten - ein irakischer Arzt sagte, es seien mindestens 25.

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