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Naher Osten : Gewalt eskaliert - Großeinsatz gegen Siedler am Tempelberg

  • Aktualisiert am

Israel setzt berittene Polizei ein Bild: dpa/dpaweb

Bei Zusammenstößen auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt wurden mehrere israelische Polizisten verletzt und zahlreiche ultraorthodoxe Juden festgenommen. Die Polizei verhaftete auch Hamas-Führer Hassan Jussef.

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          Zwei Monate nach der Aushandlung einer Waffenruhe im Nahen Osten eskaliert wieder die Gewalt. Bei Zusammenstößen auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem wurden mehrere israelische Polizisten verletzt und zahlreiche ultrarechte Juden festgenommen. Die Polizei verhaftete auch den Hamas-Führer Hassan Jussef.

          Militante Palästinenser feuerten am Sonntag nach tödlichen Schüssen der israelischen Armee auf drei Jugendliche mehrere Dutzend Mörsergranaten auf israelische Siedlungen im Gazastreifen, wie die Armee mitteilte. Die Angriffe seien Rache für die Tötung von drei Palästinensern in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten, hieß es auf einem Flugblatt in Gaza.

          Protestschreiben der Autonomiebehörde

          Unterdessen schickte die palästinensische Autonomiebehörde am Sonntag ein offizielles Protestschreiben an Israel, nachdem Soldaten im Grenzgebiet das Feuer auf die Palästinenser eröffnet hatten. Der Angriff wurde als „schreckliches Verbrechen israelischer Soldaten an drei palästinensischen Kindern“ bezeichnet. Die israelische Armee hatte erklärt, die Palästinenser seien Waffenschmuggler gewesen.

          Tausende Polizisten sollen Ausschreitungen an der Al-Aqsa-Moschee verhindern

          Die Palästinenserführung bemühte sich nach Berichten aus Ramallah darum, die militanten Gruppierungen im Gazastreifen weiter auf die Waffenruhe zu verpflichten. Dazu seien Gespräche begonnen worden, sagte ein Palästinensersprecher. Er sagte weiter, die israelische Regierung sei nun „voll verantwortlich dafür, was im Gazastreifen und in den Palästinensergebieten passiert“.

          Israelische Polizei nimmt Hamas-Chef am Tempelberg fest

          Die israelische Polizei hat am Sonntag den Westjordanland-Chef der militanten Palästinenser-Gruppe Hamas festgenommen, nachdem er sich heimlich Zugang zum Jerusalemer Tempelberg verschafft hatte. Hassan Jussef sei von der Polizei gestellt worden, als er den Tempelberg verlassen habe. Er sei für eine Befragung abgeführt worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Jerusalem.

          Zeugen zufolge hatte sich Jussef als älterer Geistlicher getarnt, um so in die von den Moslems Al-Haram al-Scharif genannte heilige Stätte zu gelangen. Die Polizisten hatten das Gelände für Teile der Bevölkerung gesperrt, um eine Demonstration ultra-nationaler Juden in der Nähe des Tempelbergs zu verhindern.

          Jussef war erst im vergangenen Jahr auf Drängen von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas aus einem israelischen Gefängnis freigelassen worden. Nach jahrelangen Gewalttaten der Hamas unter seiner Führung, unterstützt Jussef nunmehr den politischen Dialog zwischen Israelis und Palästinensern.

          Pulverfaß Tempelberg

          Zudem nahm die israelische Polizei am Sonntag am Rande des Tempelbergs in Jerusalem mehr als 20 ultrarechte Juden fest. Dabei handelte es sich um Mitglieder der radikalen Bewegung Rewawa (Die Zehntausend), die sich für die Errichtung eines neuen jüdischen Tempels ausspricht. Etwa 3.000 Polizisten waren im Einsatz, um ihren demonstrativen Besuch auf dem Tempelberg zu verhindern, der als explosives Pulverfaß des Nahen Ostens gilt.

          Der Tempelberg mit Klagemauer und Al-Aqsa-Moschee gehört zu den heiligsten Stätten des Judentums und des Islams. Ein demonstrativer Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers und heutigen Ministerpräsidenten Ariel Scharon auf dem Tempelberg hatte im September 2000 den Palästinenseraufstand Intifada ausgelöst.

          Scharon besucht Bush

          Auf der religiösen Stätte selbst versammelten sich am Sonntag etwa 10.000 gläubige Muslime, die ihr Heiligtum in Gefahr sahen. Militante Palästinenser hatten mit dem Ende der vereinbarten Waffenruhe gedroht, falls die rechtsgerichteten Juden unmittelbar auf dem Tempelberg demonstrierten.

          Scharon reiste derweil zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsident George W. Bush in die Vereinigten Staaten. Bei dem Gespräch an diesem Montag auf Bushs Ranch in Crawford im Bundesstaat Texas soll es unter anderem um das streitige Thema des Ausbaus jüdischer Siedlungen gehen.

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