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Naher Osten : Ein stark abgekühlter Frieden

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak in Ashkelon Bild: dpa

Israels Antwort auf den Raketenbeschuss aus Gaza hat dem brüchigen Verhältnis mit Ägypten einen schweren Schlag versetzt. Die Krise mit Kairo nach dem Tod ägyptischer Sicherheitskräfte kommt äußerst ungelegen.

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          Die Luftschutzsirenen im Süden Israels verstummten auch am Sonntag nicht. Mehr als hundert Raketen und Granaten aus Gaza gingen seit Donnerstag in Beerscheva, Ofakim und Aschdod nieder. Ein Ende der schlimmsten Eskalation seit dem Frühjahr, bei der bisher ein Israeli ums Leben kam und zahlreiche andere Zivilisten schwer verletzt wurden, zeichnete sich auch am Abend nicht ab - im Gegenteil: Seit auch die in Gaza regierende Hamas am Samstag ihre Waffenruhe mit Israel für beendet erklärte, sprechen einige israelische Militärs schon von „Cast Lead II“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Sie meinen damit eine neue Bodenoffensive wie Ende 2008 im Gazastreifen, wo seit Donnerstag bei israelischen Vergeltungsschlägen für die Attentate an der ägyptischen Grenze schon mindestens 14 Menschen umkamen. Denn mit Luftangriffen alleine scheint die israelische Armee den Raketenbeschuss aus Gaza nicht mehr stoppen zu können. Zunächst galten sie den bewaffneten „Volkswiderstandskomitees“, die Verteidigungsminister Barak der Anschlagsserie am Donnerstag bei Eilat bezichtigte. Mitglieder dieser kleinen Gruppen schossen daraufhin mit Kassem- und Grad-Raketen zurück. Bald beteiligte sich auch der von Iran unterstützte „Islamische Dschihad“, bis dann - angesichts der vielen Toten - die Hamas ihre Waffenruhe aufgab. Ihre Anführer wollten am Ende neben ihnen nicht als unpatriotische Erfüllungsgehilfen Israels dastehen, vermuteten Beobachter in Gaza.

          Ägyptische Sicherheitskräfte erschossen

          Die israelische Armee kann jedoch im Gazastreifen nicht mehr so hart durchgreifen, wie es manche Militärstrategen vielleicht möchten. Bisher konnte sich die israelische Regierung in Gaza darauf verlassen, dass Ägypten früher oder später mäßigend auf die Hamas einwirkt. Aber das ist spätestens seit Donnerstag nicht mehr so sicher. Israelische Kommentatoren sahen am Sonntag schon den ohnehin brüchigen Frieden mit Ägypten in großer Gefahr. Denn die ägyptische Regierung hatte damit gedroht, ihren Botschafter aus Tel Aviv abzuziehen, weil israelische Soldaten bei der Verfolgung der Attentäter am Donnerstag drei ägyptische Sicherheitskräfte auf ihrer Seite der Grenze erschossen; der ägyptische Informationsminister sprach sogar von fünf Toten.

          Anfangs hatte das israelische Verteidigungsministerium den Tod der Ägypter auf die Explosion von Bomben zurückgeführt, die die Terroristen entlang der Grenze versteckt haben sollen, dann von unabsichtlichem Feuer. Am Samstag war Verteidigungsminister Barak ungewöhnlich schnell bereit, sein Bedauern über die Verluste auszudrücken und eine gemeinsame ägyptisch-israelische Untersuchung zu beginnen. Auch das israelische Außenministerium und Staatspräsident Peres äußerten sich ähnlich.

          Proteste vor der israelischen Botschaft in Kairo

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