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Naher Osten : Die Hizbullah ist überall

  • -Aktualisiert am

Hizbullah-Anhänger vor der amerikanischen Botschaft in Beirut Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Während Israels Artillerie Hizbullah-Stellungen beschießt und die Luftwaffe Transportfahrzeuge jagt, flüchten weiter Libanesen nach Syrien. Doch die Wege ins Nachbarland werden zusehends beschwerlicher.

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          Rauchfahnen erheben sich über den libanesischen Hängen des Dschebel al Scheich, den die Israelis Berg Hermon nennen. In den steinigen Tälern und den Olivenplantagen des Südlibanons, zwischen dem Fluß Litani und der israelischen Grenze, die am Kamm des höchsten Berges der Region entlangführt, grollen die Explosionen der 155-Millimeter-Artilleriegeschosse wie Donner.

          Seit dem Anfang der israelischen Offensive gegen die Hizbullah vor neun Tagen ist die von 1978 bis 2000 von der israelischen Armee besetzte Sicherheitszone das hauptsächliche Schlachtfeld in diesem Duell, das von Artillerie und Luftwaffe geführt wird. Die kleinen Straßen, die sich zwischen den Hügeln durchschlängeln, sind verlassen. Die leeren Straßen der schiitischen Dörfer sind mit Siegerkränzen der Hizbullah geschmückt, mit gelben Fahnen, blumengezierten Bildern von „Märtyrern“ und riesigen Fotos von Scheich Hassan Nasrallah.

          „Fast alle sind weg“

          Am Rand der Straße, die aus Kilya herausführt, treibt ein Bauer seine Ziegen vor sich her, als ob er allein auf der Welt wäre in dieser biblischen Landschaft. „Fast alle sind weg“, sagt Ahmad Hussein Schalubund und stützt sich auf seinen Stab.

          Bild: F.A.Z.

          Sein Gesicht ist von der Sonne verbrannt. „Ich bleibe hier. Die Bomben fallen sowieso überall im Libanon.“ Die Kämpfer der Hizbullah? „Man sieht praktisch keine. Aber sie haben überall ihre Häuser“, fügt der Bauer hinzu, bevor er mit seinen Tieren auf einem Hang verschwindet.

          Am klaren Himmel hallt der Lärm der israelischen Düsenjäger. Die F-16 jagen nach Lastwagen und kleineren Transportfahrzeugen, die sich noch auf die Straße wagen. Jedes Fahrzeug steht im Verdacht, Waffen oder Kämpfer der Hizbullah zu transportieren. Die Hauptstraßen, die die Gegend durchqueren, wurden systematisch durch präzise Bombardierungen abgeschnitten, im allgemeinen durch einen oder zwei Einschläge, die die Straße an wichtigen Stellen zerstörten.

          Auch die letzten Straßen zerstört

          Eine der letzten Straßen, die zuletzt noch offen war, zwischen Sohmor und Mardschajun im Litani-Tal, ist am Dienstag durch eine Bombe zerstört worden, die in einer Kurve einen tiefen Krater geschlagen hat. Ein Kleinbus mit Flüchtlingen, die nach Norden fahren, hält an, um eine Gruppe von Frauen abzuladen. Sie umgehen das Hindernis zu Fuß, während der Fahrer durch die Felder fährt, um hinter dem Krater wieder auf die Straße zurückzukehren.

          „Wir kommen aus Zeleniah“, sagt eines der Mädchen der Familie Abbas unter Tränen. „Wir flüchten Richtung Syrien“, fügt sie mit schreckgeweiteten Augen hinzu. Die Frauen steigen wieder in ihren Kleinbus ein, sie murmeln Gebete, halten den Koran in der Hand und Kinder auf dem Arm.

          Am Ortsausgang von Kilya stehen quergestellte, verlassene Panzer der libanesischen Armee mit übergezogenem Kanonenschutz, den Turm nach Süden gerichtet. Anderswo sitzen libanesische Soldaten im Schatten mit ratlosen Gesichtern in der Nähe ihrer verlassenen Kontrollpunkte.

          Christen und Drusen bisher weitgehend verschont

          Mardschajun, die Hauptstadt des Südlibanons, ist eine befestigte mittelgroße Stadt, die bis zum Jahr 2000 das Hauptquartier der südlibanesischen Armee beherbergte, einer Miliz, die die israelische Armee unterstützte. Einige Krämerläden haben noch geöffnet. „Mardschajun ist nicht bombardiert worden“, sagt ein Ladenbesitzer, der hinter seiner Registrierkasse sitzt und seinen Namen nicht nennen will: „Schreiben Sie einfach, daß ich George Orwell heiße.“

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