https://www.faz.net/-gpf-9vwhc

Israel und Palästina : Das sind die Hindernisse für einen Frieden

Vorauseilender Protest gegen Trumps „Jahrhundertplan“ in den Straßen von Gaza Bild: EPA

Trumps „Jahrhundertplan“ soll einen Jahrzehnte alten Konflikt beilegen. Es geht um Land und Grenzen, um Sicherheit und heilige Stätten, um Siedler und Vertriebene. Was Sie jetzt wissen sollten.

          4 Min.

          Beim sogenannten Jahrhundertplan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump für den Nahen Osten geht es, wenn man einmal von wahltaktischen Überlegungen in Washington und Jerusalem absieht, um den Kern dessen, was einst als Nahostkonflikt galt: Die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Früher hieß es, das Ende dieses Konflikts sei der Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten, gar zum Beginn einer Normalisierung der Beziehungen Israels zur arabischen Welt. Seitdem gleich mehrere wichtige arabische Staaten in Bürgerkriegen versunken sind und seit Jahren in der Sache auch keine bilateralen Gespräche mehr zwischen Jerusalem und Ramallah stattfinden, spricht davon niemand mehr. Es hat die Situation nicht einfacher gemacht, im sogenannten Heiligen Land eine Lösung herbeizubringen. Das liegt auch daran, dass sich der Konflikt auf mehreren Dimensionen abspielt.

          Zum einen handelt es sich um eine Auseinandersetzung um Land: Beide Seiten erheben grundsätzlich Anspruch auf dasselbe zwischen Mittelmeer und dem Jordan gelegene Land. Schon der UN-Teilungsplan von 1947, dem die Zionisten zustimmten und die Araber nicht, sah eine Teilung dieses Gebietes vor. Die palästinensische Führung in Ramallah verzichtete erst im Rahmen der Oslo-Verträge in den neunziger Jahren auf den größten Teil ihres Anspruchs, in dem sie das heutige Kern-Israel anerkannte. Ramallah leitet aus den Oslo-Verträgen indes gleichzeitig ab, dass das durch die Waffenstillstandslinie von 1967 demarkierte Westjordanland sowie der Gazastreifen grundsätzlich das Gebiet des Staates Palästina bilden sollen. Insbesondere die religiöse israelische Rechte jedoch sieht das Westjordanland als biblisches Herzstück Israels an. Dort sind über die vergangenen Jahrzehnte mit Unterstützung sämtlicher israelischer Regierungen mittlerweile mehr als 130 Siedlungen entstanden, in denen Hunderttausende Israelis leben, die andere Rechte genießen als Palästinenser.

          Bis heute hat Israel keine festgelegte Grenze. Deshalb spielen Grenzfragen in Trumps Plan eine gewichtige Rolle. Eine Zweistaatenregelung, die nach anfänglicher Skepsis nun auch Trump vorschlägt, gilt international und auch in Teilen Israels bis heute als einzige realistische Möglichkeit, für dauerhaften Frieden zu sorgen sowie dafür, dass Israel ein demokratischer und jüdischer Staat bleiben kann. Der UN-Sicherheitsrat hat dieses Ziel – die Gründung eines palästinensischen Staates neben Israel – mit der Stimme der Vereinigten Staaten mehrmals bestätigt, zuletzt 2016.

          Wer kontrolliert das Westjordanland?

          Israelisch kontrolliert

          Palästinensisch kontrolliert

          Israelische Siedlung

          Palästinensisches Siedlungsgebiet

          Israelische Zivilverwaltung

          Palästinensische Zivilverwaltung

          Israelische Kontrolle

          Palästinensische Zivilverwaltung,

          israelische Militärverwaltung

          Dschenin

          Nablus

          Ariel

          Ramallah

          Jericho

          Ma’aleh

          Adumim

          Jerusalem

          Israel

          Bethlehem

          Gush Ezion

          Totes

          Meer

          Hebron

          Grenze von 1967

          („Grüne Linie“)

          Israelische

          Sperranlage

          15km

          Zukünftige

          Sperranlage

          Grafik: Giesel / Quelle: B’Tselem

          Große Teile der Siedlerbewegung jedoch, die großen Einfluss auf die derzeitige israelische Übergangsregierung hat, lehnen jegliche palästinensische Staatlichkeit ab. Essentiell ist die Frage nach dem Status der mehr als 130 Siedlungen, die mitsamt ihren israelisch kontrollierten Verbindungswegen das Westjordanland gleichsam zerschneiden und aus palästinensischer Sicht ein zusammenhängendes palästinensisches Staatswesen weitgehend unmöglich machen. Mehrere Hunderttausend Siedler leben im Westjordanland, dessen Gebiet bereits jetzt zu rund sechzig Prozent direkt von Israel kontrolliert wird. Frühere Lösungspläne sahen einen Landtausch vor, eine Kompensation für Palästinenser als Ausgleich für einige Siedlungen, die israelischem Staatsgebiet hinzugefügt werden sollten. Aus israelischer Sicht spielen hier Sicherheitsfragen eine entscheidende Rolle: Israel besteht auf der Kontrolle des Jordantals und damit auf der Kontrolle des fruchtbaren palästinensischen Hinterlands und der Grenze nach Jordanien, außerdem auf vollständiger Lufthoheit und Kontrolle der (digitalen) Kommunikationswege.

          Weitere Themen

          Merkel kondoliert Myanmars Regierungschefin Video-Seite öffnen

          Nach Erdrutsch : Merkel kondoliert Myanmars Regierungschefin

          Nach dem dramatischen Erdrutsch in Myanmar mit mehr als 160 Toten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der myanmarischen De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi ihr Mitgefühl ausgesprochen. Den Verletzten wünschte sie eine schnelle Genesung.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am Unabhängigkeitstag in Washington

          Am Unabhängigkeitstag : Trump sammelt die Getreuen

          Donald Trump setzt weiter auf rassistische Appelle und einen Kulturkampf um das Coronavirus. Auch am Nationalfeiertag wollte er vor allem diejenigen aufstacheln, die ihm ohnehin treu ergeben sind.

          Sieg im DFB-Pokalfinale : Bayern-Dominanz und ein komisches Gefühl

          Die Münchner krönen ihre imposante Serie seit der Beförderung von Hansi Flick und werden auch Pokalsieger. Dennoch ist nicht alles wie immer. Und den Bayern bleibt nur ein kurzer Urlaub nach der Feier von Berlin.
          „Diese Krise wird wirtschaftliche Bremsspuren hinterlassen, die viele noch spüren werden“, sagt DFL-Chef Christian Seifert.

          Mut in der Corona-Krise : „Worauf sollen wir denn warten?“

          Nico Hofmann ist Filmproduzent, Christian Seifert Fußballmanager. Im Interview sprechen sie über die energetische Wirkung von Zuschauern, mutiges Vorangehen in der Corona-Krise und die gemeinsame Anstrengung, das Land am Laufen zu halten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.