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Naher Osten : Alarmzustand im Libanon

Protest in Beirut gegen Israels Militärschläge Bild: dpa

Im Südlibanon sind alle in Alarmbereitschaft - die Angst vor einem Überschwappen der Gewalt ist begründet. Hizbullah-Führer Nasrallah zieht Parallelen zum Krieg im Sommer 2006, die Regierung mahnt zu Ruhe.

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          Im Südlibanon sind alle in Alarmbereitschaft - die Armee, die UN-Friedenstruppe Unifil und die schiitische Hizbullah. Die Angst vor einem Überschwappen der Gewalt ist begründet. Im Sommer 2006 hatte sich der Krieg zwischen Israel und dem Libanon ebenfalls an einem Vorfall im Gazastreifen entzündet. Nun gab die libanesische Armee bekannt, sie habe gerade noch rechtzeitig acht Raketen der Hizbullah entschärft, die, mit Zeitzündern versehen, nach Israel hätten geschossen werden sollen. Unterdessen donnern israelische Kampfflugzeuge seit Tagen noch häufiger über den Süden des Libanons als sonst. Und der Generalsekretär der Hizbullah, Nasrallah, forderte seine Miliz zur höchsten Alarmbereitschaft auf.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der libanesische Staatspräsident Michel Suleiman forderte, alle Parteien und Staaten sollten in dieser angespannten Lage die Souveränität des Libanons respektieren. Bis vor kurzem war Suleiman selbst Armeechef. Nun besuchte er in Begleitung seines Nachfolgers Jean Kahwadschi und Verteidigungsministers Elias Murr den Südlibanon. Der Libanon dürfe nicht wieder zum Schlachtfeld für Konflikte anderer werden, mahnte Suleiman. Seine Mahnung richtete er ausdrücklich an Israel, das weiter gegen die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats verstoße, und unausgesprochen an die Hizbullah. Die Zeitung „al Hayat“ berichtete, Suleiman stehe ebenso wie Ministerpräsident Siniora in ständigem Kontakt mit der Hizbullah.

          Großdemonstration angekündigt

          Während ein Armeesprecher versicherte, die Armee und die Unifil würden verhindern, dass jemand die Situation ausnutze und mehr tue, als nur gegen „die zionistische Aggression in Gaza zu protestieren“, zog Hizbullah-Führer Nasrallah eine Parallele zum Krieg im Sommer 2006. So wie damals die Hizbullah einen „göttlichen Sieg“ errungen habe, werde er nun den Kämpfern im Gazastreifen zufallen. Scharf griff er Ägypten an: Die Regierung in Kairo solle endlich die Lieferung von Waffen in den Gazastreifen zulassen, forderte Nasrallah. Einen Putsch in Ägypten wolle er nicht; die Ägypter sollten aber den Druck auf ihre Regierung erhöhen, damit sie die Grenzstation Rafah für Lebensmittel und auch für Waffen öffne, rief er aus. Für Beirut kündigte er eine Großdemonstration an.

          Unifil-Patrouille an der israelisch-libanesischen Grenze

          Im Libanon nehmen angesichts der Eskalation im Gazastreifen die Spannungen nach einer Zeit relativer Ruhe wieder zu. In weite Ferne ist auch ein Frieden zwischen Syrien und Israel gerückt, über den unter türkischer Vermittlung seit Mai gesprochen wurde. Nachdem Syrien schon am Sonntag die Gespräche für ausgesetzt erklärt hatte, sagte der türkische Außenminister Ali Babacan am Montag, unter den Bedingungen des israelischen Vorgehens sei die Fortsetzung der Friedensgespräche auf türkischem Boden „unmöglich“. Diese Politik sei eine große Enttäuschung für die Türkei. Der israelische Ministerpräsident Olmert hatte noch vergangene Woche in Ankara über Friedensmöglichkeiten im Nahen Osten gesprochen.

          Die einflussreiche panarabische Zeitung „Al Sharq al Awsat“ mutmaßt sogar, Israel sei gar nicht an einem Frieden mit Syrien interessiert. Ihr Kommentator Samir Atallah stellte sich die Frage, ob Israel denn mit seiner Offensive auf die Ankündigung des syrischen Staatspräsidenten Assad reagiert habe, dass bald direkte Verhandlungen bald beginnen würden. Aus dem „Massaker von Gaza“ liest der Kommentator die Botschaft heraus, dass Israel überhaupt keinen Frieden wolle und auch den türkischen Vermittler nicht anerkenne.

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