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Naher Osten : Abbas läßt militante Palästinenser festnehmen

  • Aktualisiert am

Brennende Reifen nahe des Hauptquartiers in Ramallah Bild: AP

Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden haben ihre Gehälter eingefordert und dazu den Amtssitz von Palästinenser-Präsident Abbas beschossen. Abbas, der die Brigaden auf Wunsch der Israelis entmachten will, ordnete deren Festnahme an.

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          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat nach einem nächtlichen Angriff auf sein Hauptquartier in Ramallah die Festnahme militanter Palästinenser angeordnet. Abbas habe sich am Morgen mit seinem Sicherheitschef getroffen, um weitere Schritte zu beraten, teilte die Palästinenserführung mit.

          Mehrere Dutzend bewaffnete Palästinenser aus den Reihen der Al-Aqsa-Brigaden, ein militanter Flügel der Fatah-Bewegung von Abbas, hatten in der Nacht das Feuer auf Bürogebäude in der Muqata in Ramallah im Westjordanland eröffnet. Zudem verwüsteten sie Geschäfte und Restaurants im Zentrum von Ramallah. Verletzt wurde dabei aber niemand.

          „Wir haben unsere Gehälter verlangt“

          Ein Sprecher der Gruppe sagte später, die Palästinenserführung vernachlässige die militanten Kämpfer. „Wir haben unsere finanziellen Rechte und unsere monatlichen Gehälter verlangt“, sagte er. „Niemand hat uns angehört. Wir sind überzeugt, daß dies nun der beste Weg zu unserem Recht ist“, sagte der Sprecher.

          Nach den Schüssen: ein bewaffneter Palästinenser in Ramallah

          Bei den Angreifern handelte es sich um ein halbes Dutzend Extremisten, die sich selbst als abtrünnige Mitglieder der radikalen Al-Aqsa-Brigaden bezeichneten. Ein Sprecher des Präsidenten sagte, die Polizei werde alles tun, um künftig solche Vorfälle zu verhindern. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Regierung bestehe auf eine Entwaffnung der Extremisten.

          Abbas strebt Reform der Sicherheitskräfte an

          Die Brigaden stehen Abbas' Fatah-Organisation nahe und haben zahlreiche Selbstmordanschläge gegen Israel verübt. Abbas strebt eine Reform der Sicherheitsdienste an, die von Israel als Grundvoraussetzung für eine Fortsetzung des Friedensprozesses gefordert wird.

          Gemeinsam mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hatte Abbas im Februar eine Waffenruhe ausgerufen, die die Hoffnungen auf eine baldige Friedenslösung im Nahen Osten nährte, an deren Ende ein Palästinenser-Staat im Westjordanland und im Gaza-Streifen stehen soll.

          Polizeizelte in Tulkarm in Brand gesetzt

          In der Stadt Tulkarm im Westjordanland haben wütende Palästinenser am Donnerstag provisorische Büros der palästinensischen Polizei niedergebrannt. Zuvor hatten Polizisten an einem Kontrollpunkt außerhalb Stadt auf drei Palästinenser geschossen und mindestens einen von ihnen schwer verletzt. Die Männer seien mit ihrem Auto durch den Kontrollpunkt gerast, berichteten Anwohner und die palästinensischen Sicherheitskräfte. Die Polizisten hätten daraufhin das Feuer auf die Männer eröffnet.

          Aufgebrachte Anwohner griffen daraufhin eine provisorische Polizeiwache an und zündeten die Zelten an, in denen die Büros der Polizisten untergebracht waren. Drei Palästinenser seien verhaftet worden.

          Israel hatte die Kontrolle der Stadt Tulkarm am 21. März an die palästinensischen Sicherheitskräfte übergeben. Nach Jericho ist es die zweite Stadt im Westjordanland, die nun der Polizei der Palästinenser untersteht. Die Übergabe einer dritten Stadt hat Israel vorerst auf Eis gelegt. In der Begründung hieß es, die palästinensischen Sicherheitskräfte hätten nicht genug getan, um militante Gruppen in Jericho und Tulkarm zu entwaffnen und die Kontrolle zu übernehmen.

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