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Nagornyj Karabach : Schüsse auf Stepanakert

Dieses Gebäude in Stepanakert soll am 2. Oktober durch Schüsse beschädigt worden sein. Bild: AFP

Die wichtigste Stadt in der umkämpften Region Nagornyj Karabach soll am Freitag angegriffen worden sein. Russland, Amerika und Frankreich fordern bislang vergebens ein Ende der Gewalt.

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          Die jüngste kriegerische Eskalation im Konflikt um Nagornyj Karabach dauerte am Freitag schon den sechsten Tag an. Und das, obwohl die Präsidenten Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und die „bedingungslose Wiederaufnahme von Verhandlungen“ im Rahmen der sogenannten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gefordert hatten. Die drei Länder stehen der Gruppe vor und finden in dieser Rolle gerade zu einer seltenen Einigkeit.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Armenien, das die seit einem Krieg vor rund dreißig Jahren mit Zehntausenden Toten und Hunderttausenden Vertriebenen von Aserbaidschan abtrünnige, von keinem Staat anerkannte „Republik Nagornyj Karabach“ stützt und weitere umliegende Gebiete des Erzfeinds kontrolliert, begrüßte die Erklärung der Minsker Gruppe am Freitag.  Allerdings lehnen Aserbaidschan und die Türkei, die in dieser jüngsten Eskalation, dem schwersten Bruch des regelmäßig gebrochenen Waffenstillstandsabkommens von 1994 beispiellos offen an der Seite Bakus steht, Verhandlungen bisher ab, solange Armenien nicht seine Truppen aus Nagornyj Karabach und den weiteren besetzten Gebieten abziehe.

          Dass Armenien die Erklärung der Minsker Gruppe gutheißt, überrascht nicht: Dem Land ist in dem Konflikt grundsätzlich an einer Wahrung des Status quo gelegen. Während Eriwan dazu auf dem „Selbstbestimmungsrecht“ der Karabach-Armenier pocht, fordert Baku stets die  „Wiederherstellung der territorialen Integrität“ Aserbaidschans. Dieses Ziel hat Diktator Ilham Alijew auch für die seit Sonntag laufende „Gegenoffensive“ gegen armenische „Provokationen“ ausgegeben. Beide Seiten werfen einander den Beschuss von Zivilisten vor. Am Freitag berichtete Armenien auch über den Beschuss von Stepanakert, der „Hauptstadt“ der „Republik Nagornyj Karabach“. Armenien und Aserbaidschan werfen einander zudem den Einsatz ausländischer Söldner vor.

          Eine Straße in Stepanakert, der sogenannten „Hauptstadt“ der „Republik Nagornyi Karabach“ am 2. Oktober.
          Eine Straße in Stepanakert, der sogenannten „Hauptstadt“ der „Republik Nagornyi Karabach“ am 2. Oktober. : Bild: AFP

          Der Konflikt hat auch immer weiter reichende internationale Auswirkungen. Armenien rief seinen Botschafter aus Israel zu Konsultationen zurück. Grund sind Waffenlieferungen aus Israel an Aserbaidschan; die beiden Länder arbeiten seit langem auf dem Rüstungsgebiet zusammen, wogegen Eriwan mehrfach protestiert hat.

          Es kommt auch zu Verwerfungen mit Blick auf das Nato-Mitglied Türkei. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse, 300 dschihadistische Kämpfer seien aus Syrien durch die Türkei nach Aserbaidschan gelangt. Die türkischen Unterstützungsbekundungen für Aserbaidschan seien „rücksichtslos und gefährlich“, sagte Macron und kündigte ein Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an.

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