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Konflikt in Nagornyj Karabach : Die schwersten Brüche des oft gebrochenen Waffenstillstands

Ein Haus in der „Hauptstadt“ von Najornyj Karabach, Stepanakert, am 1. Oktober Bild: AFP

Am Donnerstag fanden die bisher heftigsten Kämpfe in der Unruheregion Nagornyj Karabach statt. Auch ausländische Journalisten gerieten unter Beschuss – zwei wurden verwundet.

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          Die Präsidenten Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs haben nach Kreml-Angaben in einer gemeinsamen Erklärung die militärische Gewalt in der südkaukasischen Konfliktregion Nagornyj Karabach verurteilt. Sie forderten am Donnerstag die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen. Unterzeichnet wurde die Erklärung laut dem Kreml von den Präsidenten der drei Länder, dem Russen Wladimir Putin, dem Amerikaner Donald Trump und dem Franzosen Emmanuel Macron. Sie riefen zudem die Führungen Armeniens und Aserbaidschans zu einer „bedingungslosen Wiederaufnahme von Verhandlungen“ im Rahmen der sogenannten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Gruppe, die Moskau, Washington und Paris gemeinsam anführen, vermittelt seit den neunziger Jahren in dem Konflikt um die von Baku abtrünnige, von Eriwan gestützte und von keinem Staat anerkannte „Republik Nagornyj Karabach“ sowie sieben umliegende, von Armenien besetzte Gebiete Aserbaidschans.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der in dem Konflikt Baku unterstützt, rief die Minsker Gruppe der OSZE auf, zunächst den Abzug der armenischen Truppen aus Nagornyj Karabach zu fordern. So „wird in der Region ein langfristiger Frieden erreicht“. Dagegen sagte der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan, Armenien und die Armenier des Südkaukasus seien „die letzte Hürde für eine türkische Expansion nach Norden, Südosten und Osten mit dem Ziel, einen imperialen Traum zu realisieren“. Die Türkei wolle den Genozid an den Armeniern von 1915 „fortsetzen“.

          Paschinjan bemüht sich darum, Armeniens Schutzmacht Russland, die indes auch Aserbaidschan Waffen verkauft, zu größerem Engagement für die armenische Sache zu bewegen. An der Seite der aserbaidschanischen Armee kämpfen nach Angaben aus Eriwan Tausende Söldner protürkischer, nationalistischer, extremistischer Gruppen, die in Syrien und in Libyen gewesen seien. Zudem behauptet Eriwan, die Türkei nehme direkt an der Militäroperation Aserbaidschans teil.

          Russland schweigt zu Details

          Baku weist diese Darstellungen zurück und wirft seinerseits Eriwan vor, „freiwillige Kämpfergruppen“ mit Terroristen aus dem Nahen Osten gegen Aserbaidschan einzusetzen. Das russische Außenministerium teilte mit, ins Konfliktgebiet würden Kämpfer illegaler bewaffneter Gruppen unter anderem aus Syrien und Libyen verlegt, was Moskau tief besorge. Putins Sprecher, Dmitrij Peskow, wollte diese Erklärung nicht weiter kommentieren und sagte, „alle Erklärungen über eine mögliche militärische Unterstützung einer der Seiten“ hätten „wahrscheinlich provozierenden Charakter zur weiteren Eskalation der Spannungen“.

          Der aserbaidschanische Diktator Ilham Alijew, der seit Sonntag nach eigener Darlegung eine „Konteroffensive“ gegen armenische „Provokationen“ führt, will eine „Wiederherstellung der territorialen Integrität“ seines Landes erreichen. Darin wird er durch die beispiellose Unterstützung der Türkei ermutigt. So sind die Kämpfe, die am Donnerstag den fünften Tag andauerten, die bisher schwersten Brüche des oft gebrochenen Waffenstillstands von 1994. Dutzende Tote sind bisher gemeldet worden. In Nagornyj Karabach gerieten am Donnerstag auch Journalisten unter Beschuss; in der Stadt Martuni wurden zwei Reporter der französischen Zeitung „Le Monde“ verletzt.

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