https://www.faz.net/-gpf-12h88

Nachruf auf Amos Elon : Erster israelischer Korrespondent in Deutschland gestorben

  • -Aktualisiert am

Amos Elon im Gespräch mit Nobelpreisträger Günter Grass Bild: dpa

Amos Elon war Mitte der sechziger Jahre der erste israelische Korrespondent in Deutschland. Ohne Vorurteile versuchte er, aus beiden Teilen der Nation für die Tageszeitung „Haaretz“ zu berichten. Jetzt erlag mit 84 Jahren einer langen Krankheit.

          1 Min.

          Amos Elon war Mitte der sechziger Jahre der erste israelische Korrespondent in Deutschland, in Bonn. Ohne Vorurteile versuchte er aus beiden Teilen der Nation für die Tageszeitung „Haaretz“ zu berichten. In seinem Reportagenbuch zu dieser Zeit schrieb er, ihm sei es zunächst so vorgekommen, als wohne er in einem Land voller Geister, „die aus der Vergangenheit aufsteigen wie aus einer Gruft“. Dann erst merkte er, dass die Dämonen, „denen ich mich nicht entziehen konnte, in mir präsent waren; ich hatte sie mitgebracht in meinem Gepäck“.

          Elon war für seine Zeitung auch Korrespondent in Washington. Der begnadete Schreiber war 1926 in Wien geboren worden und 1933 nach Palästina gekommen. „Haaretz“-Herausgeber Gerschom Schocken stellte ihn an; er blieb dem Blatt bis 1986 in fester Anstellung verbunden und schrieb nicht zuletzt über die marokkanische Einwanderung und das Zerbrechen der Kibbuzbewegung. Elon war zugleich aber auch immer Historiker. Seine Biografie zu Theodor Herzl aus den achtziger Jahren bleibt beispielhaft. Sein Buch „Zu einer anderen Zeit“ geht dem Schicksal jüdischer Intellektueller von 1743 bis 1993 nach.

          Deprimiert hat ihn die nicht endende Besetzungspolitik nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Er verließ auch deswegen Mitte der neunziger Jahre Israel und sagte dieser Zeitung: „Schon vor 40 Jahren gab es die Lösungen, die bis heute nicht gesucht werden und immer schwerer umzusetzen sind. Ich habe alles gesagt und geschrieben. Ich gehe.“ Seither lebte er mit seiner Frau Beth in den Bergen von Arezzo in der Toskana. Jetzt erlag mit 84 Jahren einer langen Krankheit.

          Weitere Themen

          Biden: Die Welt muss zusammenhalten Video-Seite öffnen

          Rede bei UN : Biden: Die Welt muss zusammenhalten

          In seiner ersten Rede als Präsident vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sagte Biden am Dienstag in New York, die Welt müsse niemals wie zuvor zusammenarbeiten, um die globalen Herausforderungen zu meistern.

          Kann er Ostsee?

          Merkel und Laschet : Kann er Ostsee?

          In Stralsund macht Angela Merkel Wahlkampf mit Parteifreunden. Der eine will ihren Platz im Wahlkreis einnehmen – der andere jenen im Kanzleramt.

          Topmeldungen

          Laschet und Merkel in Stralsund am Dienstagabend

          Merkel und Laschet : Kann er Ostsee?

          In Stralsund macht Angela Merkel Wahlkampf mit Parteifreunden. Der eine will ihren Platz im Wahlkreis einnehmen – der andere jenen im Kanzleramt.
          Idar-Oberstein: Blumen und Kerzen sind vor der Tankstelle aufgestellt, in der ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Allgegenwärtige Enthemmung

          Aus den widerlichen Reaktionen im Netz ist nicht auf das Tatmotiv in Idar-Oberstein zu schließen. Man muss aber nicht nach Idar-Oberstein schauen, um zu wissen, dass jeder „Extremismus“ in Bestialität enden kann.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 7. September in Paris

          U-Boot-Streit mit Amerika : Warum Frankreich den Eklat herbeiführte

          Im U-Boot-Streit mit Amerika, Großbritannien und Australien hat Paris seine Botschafter aus Washington und Canberra zurückberufen. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklären beide die Hintergründe und, wie sich die NATO aus ihrer Sicht ändern muss.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.