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Nachkommen der Franco-Flüchtlinge : Alle wollen Spanier werden

  • -Aktualisiert am

Diese Afrikaner sind vor wenigen Tagen im Hafen von Almería in Andalusien angekommen. Das Rote Kreuz teilte Decken gegen die Kälte aus Bild: REUTERS

Einst flohen viele Spanier vor dem Franco-Regime nach Lateinamerika. Ihre Nachfahren können nun die spanische Staatsbürgerschaft erlangen. In Argentinien und Kuba stehen die Interessenten schon Schlange.

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          Die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero hat den Nachkommen der vor Franco geflüchteten Spanier die Tür geöffnet. Aufgrund eines neuen „Gesetzes über die historische Erinnerung“ können die Kinder und Enkel der Geflohenen, wo auch immer sie sind, die spanische Staatsangehörigkeit beantragen. Seit dem 29. Dezember werden die Formulare ausgefüllt. Die Frist beträgt zwei Jahre.

          Vor allem in Lateinamerika stehen die Interessenten vor den spanischen Konsulaten Schlange. Im Argentinien des Ehepaars Kirchner, wo die Berechtigten auf rund dreihunderttausend geschätzt werden, musste das diplomatische Personal mit Zustimmung von Außenminister Miguel Ángel Moratinos schon aufgestockt werden. Im Venezuela des Hugo Chávez, wo mindestens vierzigtausend „Spanier“ die Staatsangehörigkeit beantragen dürfen, ist die Nachfrage rege. In Mexiko, Brasilien, Chile und Uruguay hält sich der Andrang in Grenzen. Die längsten Schlangen haben sich aber im Kuba der Brüder Castro gebildet.

          Zusätzliche Belastung für den Sozialstaat

          Der neue Einwanderungsschub aus Übersee dürfte nach vorsichtiger Voraussage der Madrider Regierung gut eine halbe Million Neubürger nach Spanien bringen. Im Außenministerium rechnet man sogar mit bis zu einer Million. Das dürfte nicht nur die spanische Demographie, die sich durch einen Ansturm von fast sechs Millionen Immigranten in acht Jahren (2000 bis 2008) schon rapide verändert hat, weiter auffächern. Es wird auch den Arbeitsmarkt in der Wirtschaftskrise und die Kassen des Sozialstaates kräftig zusätzlich belasten.

          Und es könnte mittelfristig die politische Landschaft beeinflussen, wenn das Gros der Neuankömmlinge dankbar bei nächster Gelegenheit in Bund und Provinz die Sozialisten wählt. Die oppositionelle Volkspartei, die wegen ihrer Restriktionsforderungen in Sachen Einwanderung bei den Betroffenen ohnehin einen schweren Stand hat, wittert jedenfalls Unheil. Sie sieht, wie ihr Immigrationsfachmann Alfredo Prada es ausdrückte, in der Nationalisierungswelle einen „historischen und politischen Betrug“.

          Viele wollen eigentlich nach Miami

          Dabei hatte die Regierung von Zapatero-Vorgänger José María Aznar im Jahr 2002, als noch viele Bauarbeiter, Erntehelfer, Altenpfleger und Kellner gebraucht wurden, die Tür immerhin schon einen Spalt geöffnet. Das betraf zwar nur in Spanien geborene Auswanderer und nicht deren Nachkommen. Es verhalf in den vergangenen fünf Jahren aber immerhin allein fünfzigtausend Kubanern zu einem spanischen Pass und einem besseren Leben.

          Nun packen auf der maroden „Zuckerinsel“, die einst in kritischen Jahren etwa einer Million Spaniern eine wenigstens vorübergehende Zuflucht geboten hatte, die beiden nächsten Generationen die Koffer. Unter ihnen sind junge Ärzte, die in Havanna nichts zu verschreiben haben, weil die Medikamente fehlen, oder Kleinunternehmer, denen auch Raúl Castro keine Luft zum Arbeiten lässt, oder Intellektuelle, die endlich schreiben, malen oder singen möchten, was sie wollen. Unter ihnen dürften auch Kubaner mit einem spanischen Elternteil sein, die gar nicht nach Málaga oder Murcia, sondern nach Miami wollen und wissen, dass man dort mit einem spanischen Pass sogar ohne Visum einreisen darf.

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