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Wahl bei den Tories : Und die beiden sind in einer Partei?

Rishi Sunak und Liz Truss am Montag in einem Studio der BBC Bild: AFP

Rishi Sunak wirft Liz Truss eine Politik mit der Kreditkarte vor. Truss diesem wiederum seinen Reichtum. Die beiden möglichen Nachfolger von Boris Johnson greifen sich scharf an.

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          Manches Mal dürften sich die Zuschauer der BBC-Fernsehdebatte gefragt haben, ob die beiden Kandidaten eigentlich der selben Partei angehören. Vor allem in Fragen der Finanz-und Wirtschaftspolitik lagen der frühere Schatzkanzler Rishi Sunak und die amtierende Außenministerin Liz Truss so weit auseinander, dass es schwerfiel, sich die beiden am Kabinettstisch vorzustellen, den sie bis vor wenigen Wochen teilten.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Truss will das Wachstum ankurbeln und die Steuern senken. Sunak will die Inflation bekämpfen und haushalten. Truss wirft Sunak vor, den Stillstand zu verwalten, keine Risiken einzugehen, kurz: nicht genügend „Mut” zu haben, was in Großbritannien einem gefährlichen Angriff gleichkommt. Sunak wiederum wirft Truss vor, „weder moralisch noch konservativ“ zu sein. Sie betreibe Politik mit der Kreditkarte, führe „Millionen in die Misere” und reiche die Kosten an die Kinder und Enkel weiter – alles für einen „schnellen Zuckerrausch”.

          Bei anderen Themen ging es an diesem Abend weniger inhaltlich kontrovers zu, aber es ging persönlich zur Sache. Beide sind sich einig, dass China eine nicht zu unterschätzende Bedrohung ist, behaupteten aber, der jeweils andere habe das erst viel zu spät begriffen. Sunak wird nicht müde, Truss vorzuhalten, dass sie 2016 gegen den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hat und versucht so, ihr Image als geradlinigen Brexit-Verfechterin zu untergraben.

          Truss wiederum freut sich, wenn Sunak auf seinen Reichtum angesprochen wird. Sie lässt dann durchblicken, dass der frühere Privatschüler die Nöte der einfachen Leute weniger gut verstehen könne, während sie schon auf der staatlichen Schule in Leeds erlebt habe, wie ungerecht Chancen verteilt waren. Erst großzügig, dann schnippisch reagierte sie, als die Sprache auf seinen angeblich umgerechnet mehr als 4000 Euro teuren Maßanzug kam. Beim Ankleiden müsse er nicht mehr dazulernen, sagte Truss, die angeblich Ohrringe für sechs Euro trägt.

          Truss liegt in Umfragen vorn

          Sunak gelingt es gleichwohl immer wieder, das Thema seines Reichtums – er war nicht nur erfolgreicher Banker, sondern ist mit einer indischen Milliardärstochter verheiratet – zu seinen Gunsten zu wenden. Den größten Beifall am Abend erhielt er, als er abermals die von Ehrgeiz und harter Arbeit geprägte Einwanderungsgeschichte seiner Familie erzählte. Die Vergangenheit von Truss, die in einer linken Professorenfamilie aufwuchs, ist schwerer greifbar. Eine Umfrage von Yougov meint herausgefunden zu haben, dass den Wählern – also den Mitgliedern der Konservativen Partei – die persönlichen Umstände der Kandidaten wichtiger sind als die politischen Unterschiede. Gefragt seien Tugenden wie Ehrlichkeit und Charakterfestigkeit, aber auch Führungsstärke, Intellekt und Redegabe.

          Die meisten Beobachter kommen zu dem Ergebnis, dass Sunak mehr Qualitäten für das Amt des Premierministers mitbringt, vor allem fachlich und rhetorisch. So sah es ja auch die Tory-Fraktion, die ihn in der vergangenen Woche auf Platz eins der Liste stellte. Aber an der Parteibasis, die das Duell in den nächsten Wochen entscheiden darf, ist er plötzlich in der Position des Unterlegenen. Umfragen sehen Truss konstant und deutlich vorne. Das dürfte auch mit ihren Steuersenkungsversprechen zu tun haben, die an der Basis traditionell gut ankommen und auch aktuell auf der inhaltlichen Prioritätenliste der Mitglieder ganz oben rangieren.

          Zu einem unerwarteten Rivalen ist derweil der Mann geworden, dessen Rückzug die Kandidatenkür erst möglich und nötig gemacht hat. Mehr als zehntausend Tory-Mitglieder haben schon eine Petition unterschrieben, die Boris Johnson als dritten Kandidaten auf dem Wahlzettel haben will. Die Erfolgsaussichten des Protests gelten als gering, aber er verleiht einem schon bisher wenig faden Wettkampf noch einmal mehr Würze.

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