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Nachfolge Musharrafs in Pakistan : „Mister 10 Prozent“ wird Präsident

  • Aktualisiert am

Pakistans neuer Präsident Zardari Bild: dpa

Asif Ali Zardari hat die Präsidentschaftswahl in Pakistan gewonnen. Damit wird einer der umstrittensten Politiker Pakistans Nachfolger des zurückgetretenen Musharraf - die Anschuldigungen gegen Zardari reichen von Korruption und Geldwäsche bis zu Erpressung und Mord.

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          Asif Ali Zardari ist am Ziel. Der Witwer der ermordeten früheren pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto hat am Samstag mit überwältigender Mehrheit die Präsidentenwahl gewonnen. Damit wird einer der umstrittensten Politiker Pakistans Nachfolger des vor knapp drei Wochen zurückgetretenen Präsidenten Pervez Musharraf. Denn in der Bevölkerung löst die Wahl des 52-Jährigen eher Unbehagen aus.

          Seit Zardari, jetzt der starke Mann an der Spitze der Pakistanischen Volkspartei (PPP), Ende der achztiger Jahre im Schlepptau seiner Frau die politische Bühne betrat, sorgte er vor allem für Negativschlagzeilen. Die Anschuldigungen gegen ihn reichen von Korruption und Geldwäsche bis zu Erpressung und Mord. Seine Gegner sind überzeugt, dass er aufgrund zahlreicher Gerichtsverfahren und Gefängnisaufenthalte als ernstzunehmender politischer Führer eigentlich nicht tragbar ist.

          Erster Gefängnisaufenthalt 1990

          Erstmals musste der Lebemann 1990 hinter Gitter. Kurz zuvor war Benazir Bhutto, die bis dahin ihre Hand schützend über ihn gehalten hatte, als Ministerpräsidentin entmachtet worden. Zardari wurde vorgeworfen, einen Geschäftspartner zur Herausgabe einer hohen Geldsumme gezwungen zu haben. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, soll er dem Opfer eine Bombe ans Bein gebunden haben.

          Zwischen 1993 und 1996 besetzte Zardari einflussreiche Posten in der neuen Regierung seiner Frau - unter anderem war er Minister für öffentliche Ausgaben. Da er jedoch vor allem in die eigene Tasche investierte, wurde er vom Volk bald nur noch „Mister 10 Prozent“ genannt. In dieser Zeit soll Zardari für seine Familie erhebliche Geldbeträge auf ausländische Konten geschleust haben. Erst vor wenigen Tagen gab die Schweiz rund 40 Millionen Euro wieder frei. Dieses Vermögen war 1997 eingefroren worden, weil gegen das Ehepaar Bhutto wegen Korruption ermittelt wurde.

          Besonders schwer wiegen die Vorwürfe von Zardaris Nichte, Fatima Bhutto. Die eloquente junge Schriftstellerin macht ihn für den Tod ihres Vaters Murtaza Bhutto verantwortlich. Der ältere Bruder Benazirs war 1996 in Karachi auf offener Straße erschossen worden.

          2004 ins Exil nach Dubai

          Zuvor, so berichtete Fatima Bhutto in einem Interview, habe es häufig Streit zwischen ihrem Vater und Zardari gegeben. Zardari, so der Vorwurf, habe die linke PPP zu einer „Gelddruckmaschine für die feudalistische Volkspartei-Führung“ umgebaut.

          Wenige Wochen nach den Schüssen von Karachi verlor Benazir Bhutto die Macht und Zardari wanderte erneut ins Gefängnis. Erst 2004 wurde er entlassen und folgte seiner Frau und den drei Kindern ins Exil nach Dubai. Rechtskräftig verurteilt wurde Zardari allerdings nie.

          Keine Aussicht auf Stabilität

          Nach dem gewaltsamen Tod Benazir Bhuttos im Dezember 2007 rückte der an Diabetes und Rückenbeschwerden leidende Zardari in die erste Reihe der PPP. Zwar überließ er dem Sohn und Oxford-Studenten Bilawal medienwirksam die Parteispitze. Dennoch hält er als geschäftsführender Vorsitzender die Fäden der Macht in der Hand.

          Bei den Parlamentswahlen im Februar, die die PPP haushoch gewann, durfte Zardari aufgrund laufender Ermittlungsverfahren noch nicht antreten. Inzwischen allerdings sind die Anschuldigungen vom Tisch - und der Weg frei, um das Präsidentenamt zu übernehmen. Dass jedoch mit „Mister 10 Prozent“ an der Staatsspitze politische Stabilität nach Pakistan zurückkehrt, wird von vielen Beobachtern bezweifelt.

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