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Nachfolge Kim Jong-ils : Beunruhigende Szenarien für die Zeit des Übergangs

  • -Aktualisiert am

Letzte Ehre: Kim Jong-un am Dienstag vor dem gläsernen Sarg, in dem sein Vater Kim Jong-il aufgebahrt ist Bild: REUTERS

Auch die Vereinigten Staaten hoffen nach dem Machtwechsel in Pjöngjang auf Stabilität in Nordkorea. Denn die Auswirkungen der neuen Führung sind unkalkulierbar - nicht nur wegen des nordkoreanischen Atomprogramms.

          Selten haben sich die Großmächte China, Russland und Amerika in einer geostrategisch bedeutsamen Frage so gleichlautend geäußert wie nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il: Alle drei drückten ihre Hoffnung aus, dass die Stabilität in der Region erhalten bleibe.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton äußerte sich „zutiefst beunruhigt“ über mögliche negative Auswirkungen des Todes von Kim Jong-il auf das Wohlergehen der Menschen in Nordkorea: „Unsere Gedanken und Gebete sind in diesen schwierigen Zeiten bei ihnen.“ Washington sei bereit, dem nordkoreanischen Volk zu helfen; die neue Führung in Pjöngjang müsse aber mit der Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, damit eine „neue Ära von Frieden, Wohlstand und anhaltender Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel“ anbrechen könne. Washington wünsche sich einen „stabilen und friedlichen Übergang“ in Nordkorea, ließ Clinton nach einem Telefonat mit dem japanischen Außenminister Koichiro Gemba mitteilen.

          Vorerst keine Änderung des Bereitschaftsstatus

          Auch Präsident Barack Obama griff zum Telefon und besprach mit dem japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda die neue Lage in Nordostasien. Obama habe versichert, die Vereinigten Staaten würden ihre Verbündeten in der Region, einschließlich Japans, auch weiterhin verteidigen, teilte das Weiße Haus mit. Obama habe zudem hervorgehoben, dass die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der gesamten Region erhalten bleiben müsse, hieß es.

          In Nordkorea herrscht bis in die kommende Woche Staatstrauer. Während aus aller Welt Beileidsbekundungen einlaufen, hat die Führung in Pjöngjang klargemacht, dass ausländische Delegationen bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für Kim Jong-il nicht willkommen sind

          Zur Bekräftigung der amerikanisch-japanischen Allianz passte die Nachricht aus Tokio vom Dienstag, wonach Japan erwartungsgemäß die vom amerikanischen Rüstungsunternehmen Lockheed-Martin entwickelten und hergestellten Jagdbomber des Typs F-35 kaufen werde. Das Geschäft im Umfang von mindestens sieben Milliarden Dollar für zunächst 42 Exemplare der jüngsten Generation des amerikanischen Tarnkappen-Jagdbombers war zwar schon vor vielen Jahren eingefädelt worden, die Kaufbestätigung wurde nun aber nicht zufällig kurz nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators mitgeteilt.

          In Japan sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges amerikanische Soldaten stationiert, derzeit etwa 50.000 Mann. In Südkorea stehen die Vereinigten Staaten mit 28.000 Soldaten dem Verbündeten Seoul zur Seite. Obwohl Südkorea seine eigenen Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt hat, gab es für die in Nordostasien stationierten amerikanischen Truppen vorerst keine Änderung des Bereitschaftsstatus.

          Kaum verhüllte militärische Drohung

          Die chinesische Führung teilte schon am Montag mit, sie werde sich weiter mit aller Kraft für „Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der Region“ einsetzen und lud die neue Führung in Pjöngjang zu einem baldigen Besuch in Peking ein. China allein wickelt 83 Prozent des gesamten Außenhandels Pjöngjangs mit einem Jahresumfang von zuletzt 4,2 Milliarden Dollar ab. Moskau hat seinerseits wegen einer seit vielen Jahren geplanten Gaspipeline von der Grenzregion bei Wladiwostok über nordkoreanisches Territorium nach Südkorea ein Interesse an stabilen Verhältnissen in Pjöngjang. Kim Jong-il hatte im August Moskau besucht, dabei soll es bedeutende Fortschritte bei den Verhandlungen über das Bauvorhaben mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 3,4 Milliarden Dollar gegeben haben. Der russische Außenminister Lawrow äußerte die Hoffnung, dass der Tod Kim Jong-ils „die Entwicklung unserer freundschaftlichen Beziehungen nicht beeinträchtigen“ werde.

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