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Nach Tötung Bin Ladins : Pakistans Parlament verurteilt Militäraktion

  • Aktualisiert am

In Peshawar demonstrieren Pakistaner gegen amerikanische Drohnenangriffe Bild: REUTERS

Pakistan hat die Tötung Bin Ladins verurteilt. Die Souveränität des Landes sei verletzt worden. Das Parlament droht, den Nachschub der Nato in Afghanistan zu unterbrechen.

          3 Min.

          Das pakistanische Parlament hat am frühen Samstagmorgen die amerikanische Militäroperation gegen Al-Qaida-Chef Usama Bin Ladin in Abbottabad als Bruch der Souveränität des Landes verurteilt. Nach pakistanischen Medienangaben empfahlen die Abgeordneten zudem, dass eine unabhängige Kommission die Versäumnisse der eigenen Sicherheitskräfte in diesem Fall überprüfen solle.

          In der Nacht zum 2. Mai hatte ein amerikanisches Spezialkommando das Versteck Usama Bin Ladins in Abbottabad in der Nähe von Islamabad gestürmt und den Terroristenchef getötet.

          In der zehnstündigen Sitzung nahmen die Abgeordneten beider Kammern des Parlaments einstimmig die Resolution an, die die amerikanische Militäroperation verurteilte. Die Entschließung, die hinter verschlossenen Türen debattiert worden war, empfahl zugleich eine Überprüfung der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auf militärischem Gebiet, berichtet die pakistanische Zeitung „The Nation“ auf ihrer Internetseite.

          Umstrittene Militäraktion: Die Tötung Usama Bin Ladins in Pakistan

          Außerdem müssten die amerikanischen Drohnen-Angriffe im Grenzgebiet zu Afghanistan eingestellt werden. Pakistan droht, anderenfalls den Nachschub für die Nato in Afghanistan zu unterbrechen. Pakistan hatte immer wieder Drohnen-Angriffe auf seinem Staatsgebiet kritisiert. In der Grenzregion zu Afghanistan, die als Rückzugsgebiet von Al-Qaida und den radikalislamischen Taliban gilt, fliegen Drohnen regelmäßig Einsätze gegen Extremisten.

          Pornografisches Material gefunden

          Amerikanische Spezialkräfte haben bei dem Angriff auf das Versteck von Usama Bin Ladin auch eine beträchtliche Menge an pornografischem Material sichergestellt. Bei dem Einsatz der Navy-Seals habe man unter anderem „unzüchtige Bilder“ entdeckt, die Paare beim Sex zeigen, sagte ein Regierungsmitarbeiter dem Fernsehsender CBS. Wie der Fernsehsender ABC am Freitag berichtete, wurden auch digital aufgenommene Pornovideos sichergestellt.

          Es sei nicht bekannt, ob der am 2. Mai bei der Militäraktion getötete Al-Qaida-Führer Usama Bin Ladin das Porno-Material selbst betrachtet habe, hieß es weiter. In dem Haus hätten auch ein Sohn Bin Ladins und zwei männliche Kuriere gewohnt. Die Nachricht von dem Pornografie-Fund sorgt für Spott unter Bloggern.

          Bei dem amerikanischen Kommandoeinsatz seien auch ein Journal mit handschriftlichen Eintragungen, fünf Computer, zehn Festplatten und 110 USB-Sticks sichergestellt worden, die nun von einem Team unter Leitung des Geheimdienstes CIA ausgewertet würden. In dem Journal habe Bin Ladin unter anderem über Möglichkeiten nachgedacht, wie Amerikas Präsident Barack Obama getötet werden könnte. Bin Ladin habe aber festgestellt, dass Obama zu gut geschützt werde.

          Bin-Ladin-Witwen sollen Erkenntnis bringen

          Wie das Pentagon am Freitag mitteilte, vernahmen die amerikanischen Behörden inzwischen die drei in Pakistan festgehaltenen Witwen Bin Ladins. Anhand der Interviews mit den Frauen sowie Videomaterial von der Kommandoaktion erhofft sich Washington ein genaueres Bild von dem Einsatz, bei dem der Al-Qaida-Chef getötet wurde.

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