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Nach Tod Bin Ladins : Weitere Aktionen in Pakistan möglich

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Trotz der scharfen Kritik aus Islamabad schließt das Weiße Haus Einsätze amerikanischer Soldaten in Pakistan in der Zukunft nicht aus. Die Fotos von Bin Ladins Leiche sollen nicht veröffentlicht werden.

          3 Min.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama behält sich nach Angaben des Weißen Hauses das Recht vor, weiter gegen Terrorverdächtige in Pakistan vorzugehen. Auf die Frage, ob der Präsident trotz der scharfen Kritik aus Islamabad erneut einen Einsatz auf pakistanischem Boden anordnen würde, sagte sein Sprecher Jay Carney am Mittwoch, Obama habe dies bereits während des Präsidentschaftswahlkampf zugesichert. Er sei weiterhin der Ansicht, dass dies der „richtige Ansatz“ sei.

          Obama hatte 2008 erklärt, er werde gegen Al-Qaida-Chef Usama bin Ladin oder andere ranghohe Vertreter des Terrornetzwerks auch in Pakistan vorgehen, wenn die dortige „unfähig oder nicht willens“ sei, zu handeln. Bin Ladin wurde in der Nacht zum Montag von einer amerikanischen Spezialeinheit in Pakistan aufgespürt und getötet. Islamabad war über den Einsatz nicht vorab informiert, um zu verhindern, dass die Aktion auffliegt. Dass der Terrorführer im pakistanischen Abbottabad angeblich unentdeckt Unterschlupf gefunden haben soll, sorgt für Spannungen zwischen Washington und Islamabad.

          Das Weiße Haus will die Fotos des toten Terroristenchefs unter Verschluss halten, um kein Propagandamaterial zu schaffen. Präsident Obama habe sich gegen eine Freigabe der Bilder entschieden, weil er eine Gefährdung der nationalen Sicherheit fürchte, teilte Sprecher Jay Carney mit. Obama sagte in einem Interview des Senders CBS, das am Mittwoch ausgestrahlt werden sollte: „Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht zur Anstachelung weiterer Gewalt oder als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind. Das sind wir nicht“. Die Regierung werde die Aufnahmen nicht wie „Trophäen“ behandeln.

          Obama will die Fotos unter Verschluss halten

          Es gebe keinen Zweifel, dass Bin Ladin tot sei, sagte Obama weiter. Auch Mitglieder des Terrornetzes Al Qaida bezweifelten das nicht. Ob die Fotos veröffentlicht würden oder nicht, mache keinen Unterschied. Wer noch immer nicht vom Tod des Terroristenchefs überzeugt sei, werde auch nicht von Bildern umgestimmt.

          Obama sagte, er habe die Fotos selber gesehen, wollte sich aber nicht über seine Reaktion äußern. Nachdem der Leichnam Bin Ladins ausgeflogen worden war, „hatten wir an diesem Punkt eine deutliche Bestätigung, dass er es ist“. Danach seien Fotos gemacht worden, und eine Gesichtsanalyse zeigte, dass es sich tatsächlich um Bin Ladin handele. „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Erbgut-Test gemacht, aber an diesem Punkt waren wir zu 95 Prozent sicher.“

          Der Präsident sagte, er habe die Frage der Veröffentlichung mit Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates besprochen. „Und sie stimmen alle zu“, sagte Obama. Nach Informationen des amerikanischen Senders CNN war der Präsident von Anfang an nicht von der Vorstellung angetan, die Bilder an die Öffentlichkeit zu geben. Er habe eine Freigabe für „übertrieben“ gehalten. Dass CIA-Chef Leon Panetta es am Vortag als wahrscheinlich bezeichnet hatte, das die Fotos veröffentlicht würden, habe in der Regierung „keine Begeisterung“ ausgelöst, hieß es weiter.

          Tagelang beraten

          Nach einer CNN-Umfrage sind 56 Prozent der Amerikaner dafür, die Aufnahmen zu veröffentlichen. 39 Prozent lehnen das ab. Sprecher Carney wies Kritik zurück, die Beisetzung Bin Ladens auf hoher See störe die Beziehungen zur muslimischen Welt. Es habe „beträchtliche Anstrengungen“ gegeben, dem toten Terroristenchef ein den islamischen Vorschriften entsprechendes Begräbnis zu geben. „Der Respekt, der ihm und seinem Leichnam zuteil wurde, war weit größer als der Respekt, den Usama bin Ladin den Opfern vom 11. September 2001 oder allen anderen Opfern gegenüber gezeigt hat.“

          Die Regierung hatte tagelang beraten, ob sie die Aufnahmen freigeben soll, um eine endgültigen Beweis für den Tod des Terroristenchefs zu liefern. Skeptiker hatten zu bedenken gegeben, dass die Bilder „zu grauenhaft“ seien, um sie zu veröffentlichen. Amerikanischen Sender zitierten ungenannte Quellen, nach denen auf den Aufnahmen eine klaffende Schusswunde am Kopf sowie Gehirnmasse zu sehen seien.

          Justizminister rechtfertigt Tötung

          Justizminister Eric Holder hat die Tötung des Terroristenchefs derweil als rechtens bezeichnet. Falls sich Bin Ladin hätte ergeben wollen, „hätten wir das akzeptieren sollen“, sagte Holder am Mittwoch vor einem Senatsausschuss. „Es gab aber keinen Hinweis, dass er das tun wollte. Deshalb war seine Tötung angemessen“, betonte der Minister. Der Terroristenchef sei ein „rechtmäßiges militärisches Ziel“ und die Kommandoaktion gegen ihn ein „Akt der nationalen Selbstverteidigung“, sagte Holder.

          Auf die Frage eines Senators, ob der Al-Qaida-Chef in den Augen eines der an der Erstürmung beteiligten Soldaten wie eine „selbst gebaute Bombe auf Beinen“ habe erscheinen müssen, sagte Holder: „Exakt.“ Der Justizminister äußerte zudem die Sorge, Terroristen könnten versuchen, Vergeltungsschläge zu verüben. „Am Ende werde wir durch seinen (Bin Ladins) Tod sicherer sein. Auf kurze Sicht haben wir aber einige ernste Sorgen, mit denen wir umzugehen wissen“, sagte Holder.

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