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Nach islamistischem Anschlag : Österreich will Kirchen besser bewachen

Unterhalb der Ruprechtskirche in der Wiener Innenstadt sind im Bereich des Tatorts nach dem Terroranschlag am 2. November Polizeimarkierungen zu sehen. Bild: dpa

Österreichs Innenminister kündigt an, dass Gotteshäuser besser geschützt werden sollen. Zu den genauen Gründen äußert sich Nehammer zwar nicht. Doch vieles spricht dafür, dass die Entscheidung eine Folge des Anschlags in Wien ist.

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          Als Österreichs Innenminister Karl Nehammer vergangene Woche ankündigte, dass die Polizei künftig Gotteshäuser besonders vor terroristischen Bedrohungen schützen werde, erschien zunächst noch unklar, ob sich das auf konkrete Erkenntnisse über den Terroranschlag von Wien bezog. Vor vier Wochen hatte ein islamistischer Terrorist mit einem Schnellfeuergewehr vier Menschen getötet und mehr als zwanzig verletzt. Inzwischen ist durchgesickert, dass der Täter auch – vergeblich – versucht haben könnte, in eine Kirche einzudringen, in der gerade ein Gebetsabend einer katholischen Jugendgruppe stattfand. Kurz vor der Ruprechtskirche ist er von der Polizei auf der Straße erschossen worden. 

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Weil die Schießerei in einer anderen Straße begann, in der die Israelitische Kultusgemeinde ihr Zentrum hat, war es zunächst als naheliegend erschienen, dass der Täter diese Einrichtung als Ziel vorgesehen hatte. Sie war aber zu dem Zeitpunkt am Abend leer und verschlossen. Seine Opfer waren dann Passanten, Lokalgäste in dem Vergnügungsviertel um den Wiener Schwedenplatz, in dem ein lauer Abend unmittelbar vor der Corona-Schließung in die vielen Restaurants und Bars lockte, und ein Polizist. Doch sind Ermittler jetzt offenbar nach Auswertung ihres Materials zu der Annahme gekommen, der schwerbewaffnete Mann habe womöglich auch versucht, in die Kirche zu gelangen. 

          Die Jugendlichen in der Kirche verschanzten sich

          Dort waren am Abend des 2. Novembers 17 Jugendliche zu Gebet, Gesang und Gespräch über Leben und Sterben versammelt; es war der kirchliche Gedenktag Allerseelen. Die Jungschar-Veranstaltung war angekündigt. Die Kirche war offen und erleuchtet. Der ebenfalls noch junge Mann – ein 20 Jahre alter gebürtiger Wiener aus einer muslimischen, albanischsprachigen Familie, der den Behörden als Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ bekannt war – kann am Ort wahrgenommen haben, dass die Kirche, anders als die Synagoge, belebt war.

          Doch gelangte er nicht dorthin. In Medienberichten ist von einer verschlossenen Tür mit Zeitschaltuhr die Rede. Als der Täter anfing, zunächst auf Passanten und Gaststättenbesucher zu schießen, hörten die jungen Leute in der Kirche die Schüsse, versperrten das Eingangstor und löschten die Lichter. „Sie haben geistesgegenwärtig reagiert und sich verschanzt“, sagt ein Sprecher der Erzdiözese Wien. 

          „Es gibt aus den Ermittlungen Hinweise, dass der Täter religiöse Stätten als Ziel gehabt haben könnte.“ Innenminister Nehammer beließ es öffentlich bei Andeutungen, für konkrete Auskünfte verwies er auf die dafür zuständige Staatsanwaltschaft. Die wiederum ließ zunächst wissen, es gebe keinen neuen Bericht.

          Politiker anderer Parteien wollten daraus die Vermutung ableiten, der Minister von der Kanzlerpartei ÖVP habe die Sache aufgebauscht. Der frühere Innenminister Herbert Kickl von der rechten FPÖ, der bei jeder Gelegenheit seinen Nachnachfolger kritisiert, sprach von einem „reinen Ablenkungsmanöver“. Sogar ein Abgeordneter der Grünen, des Koalitionspartners der ÖVP, unterstellte Nehammer, er gehe mit „Erfindungen“ hausieren. Nach einem Telefonat der beiden ruderte er ein bisschen zurück. Es sieht so aus, als gebe es tatsächlich Ermittlungserkenntnisse, aber auch Empfindlichkeiten zwischen dem Innen- und dem Justizressort, ÖVP und Grünen, und Streitigkeiten über die Kommunikationsstrategie.

          Könnte es Nachahmungstäter geben? 

          Jedenfalls sah sich Nehammer dann dazu veranlasst, die verstärkte Bewachung von Kirchen und religiösen Einrichtungen anzuordnen. Und da er das begründen musste, sprach er von sicherheitspolitischen Erfordernissen. Man befinde sich in einer „besonders heiklen Phase“ nach einem Terroranschlag, der Nachahmungstäter auf den Plan rufen könnte. Daher solle die Polizei verstärkt vor Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Stätten Präsenz zeigen. Kultusministerin Susanne Raab (ÖVP) habe die Kirchen und Religionsgemeinschaften informiert.

          Dass Kirchen konkret Ziele für islamistische Terroristen sein können, ist jedenfalls auch anderswo zu sehen gewesen. In Frankreich ist 2016 ein katholischer Priester am Alter seiner Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray ermordet worden. Und unter den Terroranschlägen in Frankreich unmittelbar vor demjenigen von Wien war auch einer, bei dem in Nizza drei Kirchenbesucher ermordet wurden.

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