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Nach Strache-Rücktritt : Norbert Hofer wird neuer FPÖ-Chef

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Neuer FPÖ-Chef: Norbert Hofer Bild: Reuters

Wie erwartet soll Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer Heinz-Christian Strache als Chef der FPÖ ablösen. Er pflegt das Image des „Sorgen-Onkels“ und gilt als „Mann des Volkes“. Johann Gudenus zieht indes Konsequenzen aus der Videoaffäre.

          Der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer ist in der Sitzung des FPÖ-Bundesparteipräsidiums einstimmig zum neuen Parteichef bestimmt worden. Das gab die FPÖ am Sonntagabend bekannt. Bei der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstandes, die nach der Europawahl stattfinden wird, solle diese Entscheidung formal bestätigt werden. Hofer ist damit Nachfolger von Heinz-Christian Strache, der wegen eines Skandalvideos zurückgetreten war.

          FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus gab unterdessen am Sonntagabend seinen Austritt aus der FPÖ bekannt – „mit sofortiger Wirkung“, wie er mitteilte. Ebenso werde er sein Nationalratsmandat niederlegen. Gudenus hatte in dem Video gedolmetscht. Außerdem soll über ihn die erste Kontaktaufnahme der vermeintlichen russischen Oligarchin stattgefunden haben.

          Der neue FPÖ-Chef Hofer gibt sich als „Mann des Volkes“, fahre Rad und verschenke Blumen, ist aber gegenüber Partei-Anhängern weniger zahm. Migranten nennt er „Invasoren“. Vor Anhängern wünschte er sich zum Schutz vor Flüchtlingen „einen Zaun, wie es ihn in Ungarn gibt“. Sätze wie diese geben Einblick in einen politischen Kosmos, der das Bild vom rüden, fremdenfeindlichen Rechtspopulisten bedient.

          Das Image des „Sorgen-Onkels“, der die Nöte der einfachen Leute versteht, hat der 48 Jahre alte gelernte Flugzeugtechniker in Wahlkämpfen immer wieder gepflegt. Hofer kandidierte 2016 für das Amt des Bundespräsidenten. Im ersten Wahlgang gewann er mit 35,1 Prozent klar. Damit sammelte die FPÖ mehr Stimmen auf Bundesebene ein als jemals zuvor. Am Ende machte zwar der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen das Rennen. Doch nur 31.000 Stimmen trennten Hofer vom Sieg.

          2013 setzte sich Hofer in einer Parlamentarischen Anfrage für die Erforschung von „Chem-Trails“ ein – der Untersuchung der Kondensstreifen von Flugzeugen, die Anhänger von Verschwörungstheorien als bewusst gestreute Gifte ansehen. 2017 wurde er Verkehrsminister. Bei einem Absturz mit seinem Paragleiter 2013 schwer verletzt, zeigt er sich gerne betont gläubig und trägt immer ein schwarz-silbernes Kreuz als Talisman mit sich. Der passionierte Sportschütze hat maßgeblich das Parteiprogramm geschrieben. Er galt als einer der wichtigsten Berater Straches. „Wer zu seinen Überzeugungen steht und geradlinig bleibt, der wird nicht scheitern“, ist sein Motto.

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