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Nach schweren Kämpfen : Nordsudan erobert Abyei

  • -Aktualisiert am

Flüchtlinge in der Provinz Abyei, im März Bild: AFP/ENOUGH PROJECT/TIM FRECCIA"

Nach schweren Kämpfen hat die nordsudanesische Armee die Stadt Abyei erobert. Ein Sprecher der Vereinten Nationen bezeichnete den Angriff als „sehr schlimm für den Frieden“. Die Vereinigten Staaten verurteilten den Angriff auf das Schärfste.

          Die nordsudanesische Armee hat am Samstag nach schweren Kämpfen die zwischen Nord- und Südsudan umstrittene Stadt Abyei erobert und damit das Land an den Rand eines neuen Krieges gebracht. Die Eroberung der Stadt wurde von einem Sprecher der südsudanesischen Streitkräfte „Sudan People’s Liberation Army“ (SPLA) als auch der Mission der Vereinten Nationen in Sudan, Unmis, bestätigt.

          Der Eroberung der Stadt, bei der Panzer und Artillerie gegen die südsudanesischen Truppen eingesetzt worden sein sollen, waren tagelange schwere Kämpfe vorausgegangen. Über die Zahl möglicher Opfer liegen keine Angaben vor. Hilfsorganisationen berichten von „Tausenden von Flüchtlingen“, die sich vor den Kämpfen in Sicherheit gebracht hätten.

          Der Angriff auf Abyei fällt mit dem Besuch einer Delegation des UN-Sicherheitsrates in Sudan zusammen, die sich ein Bild über die Fortschritte unter anderem der Verhandlungen zwischen Norden und Süden über den künftigen Status von Abyei machen wollte. Nach dem Friedensvertrag von 2005 ist es sowohl der nordsudanesischen als auch der südsudanesischen Armee untersagt, Präsenz in der Provinz zu zeigen. Stattdessen dürfen dort nur UN-Soldaten und gemischte Patrouillen der beiden Streitkräfte verkehren. Erst am 9. Mai hatten sich beide Seiten verpflichtet, ihre Truppenstärke in der Region deutlich zu reduzieren.

          Susan Rice soll sich im Namen des UN-Sicherheitsrates ein Bild von der Lage im Nord- und Südsudan machen

          Der bislang schwerste Verstoß gegen den Friedensvertrag von 2005

          Die amerikanische Regierung verurteilte den Angriff am Wochenende auf das schärfste und forderte die Armee des Nordens auf, sich unverzüglich auf ihre alten Positionen zurückzuziehen. Zudem soll Khartum unverzüglich die nach der Eroberung aufgelöste Regionalregierung wieder einsetzen. Anderenfalls will Washington seine Haltung gegenüber dem Regime von Präsident Omar al Baschir „überdenken“. Die Vereinigten Staaten hatten Khartum eine Normalisierung der Beziehungen angeboten, sollte die Abspaltung des Südens reibungslos verlaufen, der am 9. Juli seine Unabhängigkeit erklären will. Ein Sprecher der UN bezeichnete den Angriff als „sehr schlimm für den Frieden“.

          Die Eroberung von Abyei gilt als der bislang schwerste Verstoß gegen den Friedensvertrag von 2005 und gefährdet die friedliche Koexistenz zwischen dem Norden und dem Süden Sudans, der sich im Januar in einer Volksbefragung mit überwältigender Mehrheit für eine Unabhängigkeit von Khartum ausgesprochen hatte. Abyei und die gleichnamige Region sind zwischen Norden und Süden heftig umstritten.

          Einen Grenzverlauf, wie er von Fachleuten des Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag auf Basis alter Kolonialkarten ausgearbeitet worden war, hatte Khartum verworfen, obwohl er dem Norden die Ölfelder von Higlig zugesprochen hätte. Das Öl ist allerdings nur ein Aspekt dieses Streits, die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung von Abyei ein anderer. Eine der beiden großen Gruppen in Abyei, die Dinka Ngok, fühlen sich dem Süden zugehörig, während die andere Gruppe, ein arabischer Nomadenstamm namens Misseriya, zu Khartum hält.

          In Abyei sollte ursprünglich wie im Rest Südsudans im Januar per Referendum über einen weiteren Verbleib beziehungsweise eine Abspaltung von Khartum abgestimmt werden. Die Abstimmung wurde indes nach einem Streit um das Wahlrecht auf ein unbekanntes Datum vertagt. Nach den Regeln für das Referendum sollen dort nur die Dinka Ngok abstimmen dürfen, nicht aber die Misseriya. Sowohl das Regime in Khartum als auch die Regionalregierung in der südsudanesischen Hauptstadt Juba haben aus der Verteidigung der Interessen ihrer Klientel in Abyei längst eine Prestigefrage gemacht.

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