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Nach Säureattacken auf Frauen : Iran kritisiert „ausländische Medienkampagne“

  • Aktualisiert am

Die Demonstranten in Isfahan hatten professionell gestaltete englische Plakate Bild: AFP

Mindestens vier Frauen wurden in Iran mit Säure angegriffen, weil sie unzureichend verhüllt gewesen waren. Teheranverspricht gegen die Täter hart durchzugreifen, warnt aber zugleich vor Auslandspropaganda

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          In Iran sind mehrere im Zusammenhang mit Säureangriffen auf Frauen festgenommene Männer wieder auf freiem Fuß. Gegen sie hätten nicht genügend Beweise vorgelegen, sagte Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli am Samstag. Der Minister verwahrte sich zugleich gegen eine „ausländische Medienkampagne“ zu dem Fall.

          Auf der Website des staatlichen Fernsehens wurde der Innenminister mit den Worten zitiert, Säureattacken würden in der Regel „aus persönlichen Gründen oder aus Rache“ verübt. Er warnte zugleich davor, in sozialen Medien verbreiteten „Gerüchten“ Glauben zu schenken, wonach es noch mehr Säureattacken auf Frauen in anderen Städten gegeben habe. Der Generalstaatsanwalt Ebrahim Raissi kündigte unterdessen an, dass die Angreifer der Frauen gefasst und „schwer bestraft“ würden. Er sprach von „unverzeihlichen Verbrechen“, die der Staat sühnen werde.

          Mindestens vier Angriffe

          Vier Frauen sollen nach offiziellen Angaben Mitte Oktober von Motorradfahrern mit Säure angegriffen worden sein, weil sie angeblich die islamische Kleiderordnung verletzt haben sollen. Eine Studentin aus Isfahan sei auf einem Auge blind. Sie wurde auf Kosten der Regierung und in Anwesenheit des Gesundheitsministers operiert.

          Irans Präsident Hassan Ruhani verlangte Aufklärung und beauftragte das Innen- und Justizministerium sowie den Geheimdienst. „Das sind unmenschliche Taten“, sagte Ruhani am Samstag. Die Täter und ihre Auftraggeber sollten unverzüglich festgenommen werden.

          Demonstration in Isfahan

          Aus Protest gegen die Säureangriffe in Isfahan waren am Mittwoch etwa tausend Menschen mit Plakaten und Transparenten vor das Justizgebäude der zentraliranischen Großstadt gezogen. Für Samstag waren erneut Protestdemonstrationen geplant, unter anderem auch in Teheran. Das Innenministerium verbot diese jedoch.

          In der Islamischen Republik Iran sind Frauen gesetzlich verpflichtet, lange, weite Kleidung und ein Kopftuch zu tragen, das Haar und Nacken bedeckt. Besonders in den großen Städten tragen viele Frauen jedoch nur noch ein lose um den Kopf geschlungene Tücher und eng geschnittene Mäntel. Die Sittenpolizei führt immer wieder Kampagnen gegen „schlechte Verschleierung“, ohne eine grundsätzliche Änderung zu bewirken. Konservative Abgeordnete schrieben kürzlich an Präsident Hassan Ruhani, um ihn zur schärferen Durchsetzung der Kleidervorschriften zu drängen. Daher kamen auch Spekulationen auf, dass die Säureangriffe eine neue Taktik bei der Durchsetzung der islamischen Kleiderordnung gewesen sein könnten.

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