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Nach Obamas Amtsantritt : Das Ende des Atomzeitalters?

  • -Aktualisiert am
Richard von Weizsäcker, Ronald Reagan und Helmut Schmidt (v.l.) im Juni 1982 am Checkpoint Charlie in Berlin.
          6 Min.

          Ausgerechnet Ronald Reagan. Ausgerechnet er hatte sich das Ziel gesetzt, alle Atomwaffen abzuschaffen. Irrational und unmenschlich seien sie, zu nichts nütze als zum Töten, geeignet, die menschliche Zivilisation zu vernichten. Und weil Michail Gorbatschow dem durchaus offen gegenüberstand, hätten die beiden 1986 in Reykjavík ihre Nuklearraketen beinahe völlig aufgegeben. Es kam dann anders, weil es Streit gab über Amerikas Pläne zur Raketenabwehr, Reagans „Krieg der Sterne“. Trotzdem gelang es den beiden, eine ganze Gattung bedrohlicher Waffen zu eliminieren – die Mittelstreckenraketen.

          Wie ich lernte, die Bombe zu lieben? Von wegen. Hans-Dietrich Genscher, damals deutscher Außenminister, blickt wehmütig zurück: „Schon Reagan und Gorbatschow haben die Vision einer atomwaffenfreien Welt beschworen“, stellt er fest. Am Ende habe sich Reagan aber seinen Beratern beugen müssen. Immer wieder hat Genscher das Thema aufgegriffen: in Reden, Interviews und Kolumnen. „Deutschland hat eine besondere moralische Legitimation, diese Politik voranzubringen: Obwohl wir technisch dazu in der Lage wären, haben wir uns verpflichtet, eine solche Waffe weder zu bauen noch anzuwenden, zuletzt im Zwei-plus-vier-Vertrag“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Debatte, die lange nicht geführt wurde

          Zusammen mit Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker und Egon Bahr hatte Genscher unlängst einen Aufruf veröffentlicht: „Mit dem Ziel einer drastischen Verringerung der Atomwaffen sind Verhandlungen aufzunehmen, zunächst zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, die über die größte Zahl von Sprengköpfen verfügen, um auch die anderen Staaten dafür zu gewinnen, die über solche Waffen verfügen“, schreiben die vier. Und stoßen damit eine Debatte an, die in Deutschland lange nicht geführt wurde.

          Abrüstung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung: Dringende Probleme, gelassen ausgesprochen von Obama in seiner Antrittsrede
          Abrüstung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung: Dringende Probleme, gelassen ausgesprochen von Obama in seiner Antrittsrede : Bild: AP

          Die Zeit scheint günstig: Schließlich sitzt seit einigen Tagen ein gewisser Barack Obama im Weißen Haus. Der hatte schon im vergangenen Sommer, vor der Siegessäule in Berlin, an Klarheit nichts zu wünschen übriggelassen: „Das ist der Moment, in dem wir das Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen erneuern müssen“, rief er. Ivo Daalder, einer seiner Berater, der kürzlich eine Blaupause für diese Vision vorgelegt hat, könnte bald als Nato-Botschafter nach Brüssel gehen – das wäre konsequent.

          Womöglich mehr als Wortgeklingel

          In seiner Antrittsrede am Dienstag erwähnte Obama die „atomare Bedrohung“ dann aber nur in einem Nebensatz – in einem Atemzug mit den Gefahren des Klimawandels. Was nichts heißen muss, schließlich äußert sich ein neuer Präsident aus diesem Anlass stets vor allem zu innenpolitischen Aufgaben. Ban Ki-moon, der UN-Generalsekretär, übt sich jedenfalls in Vorfreude: Angesichts der Wirtschaftskrise könne die Welt auch finanziell von einer Verkleinerung der Atomwaffenarsenale profitieren, ließ er noch am Dienstag in Genf verlauten.

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