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Nach Moskauer Anschlag : Russland hält Staatstrauer

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Viele Moskauer entzünden in der Metro Kerzen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags Bild: AFP

Trauer und Wut nach den Anschlägen in der Moskauer Metro: Fahnen wehen auf Halbmast, Rundfunksender verzichten auf Werbung, Kirchen organisieren Gottesdienste. Der Außenminister hält eine Beteiligung Al Qaidas an der Tat für möglich.

          Am Tag nach dem Selbstmordanschlag in der Moskauer Metro wehen die Fahnen in Russland auf Halbmast. Die Regierung hat den Dienstag zum Tag der Staatstrauer erklärt. Fernseh- und Hörfunksender verzichten auf Unterhaltungsprogramme und Werbung, und auch entsprechende Veranstaltungen wurden abgesagt. In mehreren Kirchen sollten Gedenkgottesdienste stattfinden.

          „Dutzende Tote, Millionen in Angst“, titelte die russische Boulevard-Zeitung „Moskowski Komsomolez“, die am Dienstag mit Bildern blutüberströmter Menschen und mit dickem Trauerrand erschien. Nach dem Bericht hatten sich die beiden islamistischen Attentäterinnen, die sich am Montag im mitten im Berufsverkehr im Abstand von 45 Minuten in voll besetzten Zügen in die Luft sprengten, wohl kaum von den übrigen Passagieren unterschieden. Die Gesichter seien unverhüllt, die Kleidung unauffällig gewesen. Da die Frauen von der Sprengkraft der Bomben zerrissen wurden, war ihre Identität unklar. Moskauer Medien bezeichneten sie als „Schachidki“, als „Heilige Kriegerinnen“.

          Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 39 - eine Frau erlag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Ärzte schlossen nicht aus, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte, da unter den etwa 70 Verletzten einige noch immer um ihr Leben ringen. Etwa 800 Menschen meldeten sich nach den Anschlägen bei der Notrufnummer eines Psychiatrischen Instituts.

          Menschen haben am Eingang zur Moskauer U-Bahn Blumen niedergelegt

          Lawrow hält Beteiligung Al Qaidas für möglich

          Während sich die Ermittlungen am Dienstag auf Rebellen aus dem Nordkaukasus konzentrierten, schloss Russlands Außenminister Sergej Lawrow auch eine Beteiligung des Terrornetzes Al Qaida nicht aus und brachte eine Verbindung der Täter zu islamistischen Terroristen aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ins Spiel.

          Dort würden mehrere Anschläge geplant, die dann nicht nur in Afghanistan sondern auch in anderen Ländern ausgeführt würden, sagte Lawrow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. „Manchmal reichen diese Planungen bis in den russischen Kaukasus“, so der russische Außenminister.

          Präsident Dmitrij Medwedjew hatte am Vorabend an einem der Tatorte in der Metro Blumen niedergelegt. Er verurteilte das Blutbad und erklärte, die Verantwortlichen dafür seien keine Menschen, sondern „Bestien“, und würden vernichtet. In einem Telefonat kondolierte der amerikanische Präsident Barack Obama persönlich und bot Hilfe im gemeinsamen Anti-Terror-Kampf an.

          Auch die Außenminister der sieben größten Industriestaaten und Russlands (G8) verurteilten die Selbstmordanschläge bei ihrem Treffen in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Der Terrorismus müsse international bekämpft werden, teilte Kanadas Außenminister Lawrence Cannon in einer Erklärung mit.

          Identität der Täterinnen schon geklärt?

          Derweil läuft die Fahndung nach den Drahtziehern auf Hochtouren. Um weitere Anschläge zu verhindern, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Moskau und anderen russischen Städten verschärft. Auch am Dienstag patrouillierten Polizisten mit Maschinengewehren und Spürhunden an den U-Bahn-Stationen.

          Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete inzwischen, der Geheimdienst FSB habe die Identität der beiden Selbstmordattentäterinnen bereits festgestellt. Außerdem seien mit Hilfe von Überwachungskameras zwei mutmaßliche Helferinnen identifiziert worden, die die Täterinnen begleitet haben sollen. Die Frauen und ein möglicher dritten Helfer würden gesucht.

          In den russischen Medien ist man uneins über das Motiv der Attentäterinnen. So spekulierten Zeitungen, die Anschläge könnten ein Racheakt für den Tod eines Extremistenführers im Nordkaukasus gewesen sein. Die russischen Behörden vermuten tschetschenische Separatisten hinter den Anschlägen.

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